Selbstfürsorge

7 Tipps, wie Ärztinnen und Ärzte in Corona-Zeiten gesund bleiben

Ärzte sind durch die Corona-Pandemie seit Monaten extrem gefordert. Dr. Bastian Willenborg, Leiter der Oberberg Fachklinik Berlin Brandenburg erklärt, wie Sie es schaffen, trotz Krise gut auf sich selbst zu achten.

Die weltweite Corona-Pandemie verlangt Ärztinnen und Ärzten sowohl in Praxen, als auch in Kliniken einiges ab. Manche arbeiten zu viel, andere haben mit rückläufigen Patientenzahlen zu kämpfen. Viele reiben sich an organisatorischen und administrativen Aufgaben auf. Zur körperlichen Erschöpfung kommt die psychische Belastung hinzu. Manche Niedergelassene plagen wirtschaftliche Sorgen. Ärztinnen und Ärzte müssen in dieser Zeit ganz besonders auf sich selbst achten. Denn nur ein gesunder Arzt kann für andere da sein.

Dr. Bastian Willenborg, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Leiter der Oberberg Fachklinik Berlin Brandenburg erklärt, was Sie jetzt für die eigene Gesundheit tun können.

1. Sich klarmachen: Auch die Corona-Pandemie wird ein Ende haben

Auch wenn uns die Pandemie sicher noch einige Monate beschäftigen wird – sie ist endlich. Dieser Gedanke kann sehr entlastend sein. Das ist natürlich schwierig für jemanden, der gerade für viel Geld eine Praxis gekauft hat und dem die Patienten wegbleiben. Wer aber eine gutgehende Praxis hat, vielleicht auch ein paar Reserven, um schwierige Phasen überstehen zu können, für den ist es wichtig, sich zu sagen: Das ist ein endlicher Prozess. Das sollte man bei allen Belastungen, die gerade da sind nicht vergessen.

2. Dinge für sich tun, die man schon immer einmal machen wollte

Ärztinnen und Ärzte, die momentan durch den Rückgang der Patientenzahlen und veränderte Öffnungszeiten ungewollt mehr Zeit haben, sollten diese auch nutzen. Sie können überlegen: Was steht sonst noch an in meinem Leben? Wie ist es zu Hause? Welche Dinge wollte ich immer schon mal tun? Vielleicht möchte ich mehr Sport machen oder mein Instrument wieder mehr spielen. Viele Kollegen haben solche Ideen für die Zeit, wenn sie ihre Praxis verkaufen oder in Rente gehen. Das kann man aber schon jetzt machen.

3. Tagesstruktur beibehalten

Für diejenigen Kollegen, die vielleicht momentan nicht jeden Tag in die Praxis gehen, weil sie einen Tag geschlossen hat, halte ich es für enorm wichtig, die grundsätzliche Tagesstruktur beizubehalten. Das heißt, trotzdem normal aufsteht, überlegen, was man sich für den Tag vornehmen kann und zur üblichen Zeit ins Bett gehen.

Dr. Bastian Willenborg, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Leiter der Oberberg Fachklinik Berlin Brandenburg

Dr. Bastian Willenborg ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Leiter der Oberberg Fachklinik Berlin Brandenburg

4. Freiräume für Projekte nutzen

Egal, ob man eine Praxis allein oder mit Kollegen betreibt: Man kann sich Freiräume schaffen und diese für Dinge nutzt, die sonst gerne hinten runterfallen. Fast jeder niedergelassene Kollege hat irgendein lange aufgeschobenes Projekt. Das kann ein Zimmer in der Praxis sein, das renoviert werden muss, Optimierungsbedarf in der Verwaltung oder ein Softwareprojekt. Sich diese Dinge jetzt vorzunehmen kann hilfreich sein.

5. Akzeptieren, dass man nicht immer gut schläft

Einige ärztliche Kollegen belasten Sorgen, manche können schlecht schlafen. Hier ist es hilfreich zu wissen: Wenn man in dieser stressigen Situation punktuell ein bis zwei Nächte pro Woche nicht gut schläft und sorgenvoll grübelt, dann ist das per se erst einmal nichts Schlimmes. Manche Kollegen setzen sich aber unter Druck. Sie denken, wenn sie nicht ausgeschlafen sind, können sie ihre Patienten nicht ordentlich versorgen. Das ist nur bedingt richtig. Auch mit einer Nacht schlechtem Schlaf kriegt man das relativ gut hin. Man kann trotz einer solchen Schlafdeprivation seinen Job noch machen. Sie sollten sich klarmacht: Das geht, das schaffe ich trotzdem.

6. Alkohol- und Medikamentenkonsum im Auge behalten

Wer merkt: Ich brauche das Glas Rotwein am Abend und aus dem Glas wird eine halbe Flasche oder eine ganze und das jeden Abend, sollte in Stresssituationen wie der Corona-Pandemie lieber ganz darauf verzichten. Denn das Risiko, eine Abhängigkeitserkrankung zu entwickeln, steigt. Das gleiche gilt natürlich für Medikationen. Keine Benzodiazepine, keine Z-Präparate, also Zopiklon, Zolpidem, auch diese können abhängig machen. Wer eine Abhängigkeit entwickelt, sollte frühzeitig Hilfe suchen. Gerade niedergelassenen Kollegen fällt es extrem schwer, selbst in die Klinik zu gehen. Sie haben Angst um ihre Praxis und fühlen sich für ihre Patienten verantwortlich. Meine Erfahrung ist: Es geht irgendwie doch. Und dann lieber jetzt in Zeiten, wo die Patientenzahlen eher niedrig sind.

7. Die eigenen Emotionen bewusst wahrnehmen

Aus therapeutischer Sicht können sich Ärztinnen und Ärzte fragen: Sind die Emotionen, die ich erlebe, situationsangemessen? Wer in einer Situation wie der Corona-Pandemie Angst bekommt, die Praxis nicht halten zu können, Angst Mitarbeiter nicht mehr bezahlen zu können oder sie entlassen zu müssen, der kann sich zunächst sagen: Diese Sorgen und Angstprozesse, die Veränderung der Emotionen sind in dieser Zeit erst einmal normal. Wichtig ist es, einen Ansprechpartner zu haben, mit dem man diese Emotionen teilen kann. Das kann ein Therapeut sein, aber auch der Partner oder ein guter Freund. In einem Gespräch kann man sich selbst von außen überprüfen: Sieht der andere das auch so? Sehe ich das zu eng? Wenn man sich dann wieder beruhigen kann, der Effekt nachlässt, ist das sehr gut. Wer hingegen merkt, dass gute Argumente von vertrauten Menschen wenig Einfluss auf die eigenen Ängste haben, sollte mit einem Therapeuten sprechen. Dann ist vielleicht die Grenze zu einer Angsterkrankung oder einer depressiven Symptomatik überschritten.

Die Tipps gab Dr. med. Bastian Willenborg, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Er leitet die Oberberg Fachklinik Berlin Brandenburg und ist zudem Ärztlicher Direktor der Oberberg Tagesklinik Kurfürstendamm.

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