Pendlerpauschale

Ab 2021: Wie Praxis- oder Klinikmitarbeiter mit langem Arbeitsweg mehr Steuern sparen

Berufspendler, die jeden Tag mehr als 20 Kilometer einfach zur Praxis oder Klinik fahren, können ab nächstem Jahr eine Menge Steuern sparen – zumindest vorübergehend. Was die neuen Regeln bringen und welche weiteren Novellen geplant sind.

Dass die Corona-Krise die Arbeitswelt verändert hat, ist inzwischen fast schon eine Binse. Viele Arbeitnehmer haben festgestellt, dass sie auch ohne Präsenszeiten im Büro ihre Aufgaben erledigen können; etliche liebäugeln bereits mit einem Wegzug aus den (teuren) Ballungsgebieten.

Im Gegensatz zu klassischen Schreibtischtätern können Ärzte ihren Dienst am Menschen zwar nicht ins Homeoffice verlegen. Doch auch für viele Angehörigen der medizinischen Berufe haben die Großstädte ihre Strahlkraft verloren. Der Traum vom Häuschen im Grünen hat der Stadtwohnung den Rang abgelaufen.

Für alle, die mit einem Umzug aufs Land liebäugeln oder den Schritt bereits gewagt haben, gibt es gute Nachrichten: Denn ab 2021 werden Pendler mit langen Anfahrten finanziell entlastet.

Fahrtkosten sind Werbungskosten

Schon heute können Arbeitnehmer ihre Fahrtkosten zur Arbeit als Werbungskosten geltend machen. Aktuell lassen sich für jeden Kilometer der einfachen Fahrt aber nur 30 Cent ansetzen. Diese Regeln werden nun angepasst: Für die ersten 20 Entfernungskilometer bleibt es zwar bei der Pauschale von 30 Cent. Für alle über 20 hinausgehenden Kilometer steigt der Betrag ab 2021 jedoch auf 35 Cent und ab 2024 sogar auf 38 Cent.

Die vermeintlichen Kleinbeträge läppern sich, wie das Beispiel eines Arzt mit einem Jahreseinkommen von 70.000 Euro brutto und einem einfachen Fahrtweg von 50 Kilometern beweist. Er fährt mit dem Auto an 230 Tagen im Jahr in die Klinik. Im zurückliegenden Jahr konnte er dafür Fahrtkosten von 3.450 Euro steuerlich geltend machen. 2021 liegt der Betrag bereits bei 3.795 Euro.

Klimafreundliche Alternativen können sich (auch finanziell) rentieren

„Der Gesetzgeber will durch die Novelle vor allem Arbeitnehmer entlasten, die auf dem Land wohnen. Sie müssen viel Geld für den Weg zur Arbeit zahlen, weil sie oft nicht auf Bus oder Bahn umsteigen können“, erläutert André Strunz, Steuerberater bei Ecovis in Hannover. Allerdings sind die höheren Sätze zeitlich befristet: Um einen Anreiz für klimafreundliche Transportmittel (auch und gerade auf dem Land zu schaffen), soll die erhöhte Kilometerpauschale zunächst nur bis 2026 gelten.

Tipp: Wer im Speckgürtel einer Großstadt wohnt und seinen Arbeitsort mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann, tut schon heute was für Klima – und profitiert womöglich von noch höheren Steuervorteilen als die Autopendler: Der Grund: „Wer ein teures Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr nutzt, sollte zusätzlich die tatsächlichen Kosten ansetzen. Im Rahmen der Steuererklärung wird dann der höhere Betrag angesetzt“, sagt Ecovis-Steuerberater Strunz.

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