Richtig investieren – Teil 3

Abschreibung der Praxisgeräte – wie geht das?

Instrumentenschränke, Röntgengeräte oder Sterilisatoren kosten viel Geld. Die Finanzverwaltung geht bei solchen Anschaffungen davon aus, dass sich die Gegenstände nicht allzu schnell abnutzen. Daher müssen Sie die Investition auf mehrere Jahre verteilen. Dieses Prinzip nennt man Abschreibung – mit besonderen Regeln für das Gesundheitswesen, wie wir Ihnen im dritten Teil unserer Serie erklären.

Das Prinzip, das hinter einer Abschreibung steckt, ist recht einfach: Viele Wirtschaftsgüter, die Sie für Ihre Praxis anschaffen, nutzen Sie über mehrere Jahre. Daher müssen Sie die Kosten für den Kauf über mehrere Jahre verteilen können. So werden für jedes Jahr die Kosten bei der Steuer als Betriebsausgabe geltend gemacht, die – zumindest theoretisch – durch den Einsatz des Wirtschaftsgutes entstehen. Der Fachbegriff lautet »Abschreibung für Abnutzung« – abgekürzt AfA.

Abschreiben können Sie nur etwas, das sich entweder

  • durch Gebrauch abnutzt oder
  • mit der Zeit an Wert verliert.

In puncto Abschreibung unterscheidet die Finanzverwaltung drei Kategorien:

  1. Bewegliche, materielle Wirtschaftsgüter

Die meisten längerlebigen Gegenstände werden hier eingeordnet, etwa das Praxismobiliar, der Firmenwagen sowie medizinische Geräte.

  1. Unbewegliche, materielle Wirtschaftsgüter

In diese Kategorie gehören Immobilien, also Gebäude oder selbstständige Gebäudeteile. Praxiseinbauten oder die Pflasterung der Garageneinfahrt zählen ebenfalls hierzu.

  1. Immaterielle Wirtschaftsgüter

Das sind Dinge, die Sie nicht anfassen können, die aber trotzdem einen Wert darstellen. Beispiele dafür sind Software, Patente und Lizenzen, Urheberrechte oder Markenzeichen.

Um die Abschreibung eines Wirtschaftsguts zu berechnen, werden die Anschaffungskosten zugrunde gelegt. Anschaffungsnebenkosten – beispielsweise Speditionskosten, Verpackung oder Porto – müssen Sie ebenfalls hinzurechnen. Ziehen Sie nämlich solche Kosten noch im Jahr des Kaufs als sofort abzugsfähige Betriebsausgabe von Ihren Einnahmen ab, kann das Ärger bei einer Betriebsprüfung geben.

Bei einem Ratenkauf ist der vollständige Kaufpreis, nicht das gewährte Darlehen, ausschlaggebend für Ihre Abschreibung. Bekommen Sie wegen pünktlicher Zahlung Skonti eingeräumt, müssen Sie diese Prozente vom Preis und damit von den Anschaffungskosten abziehen.

Ein Grundprinzip der Abschreibung ist, dass Sie Ihre Kosten auf die voraussichtliche Zeit verteilen, die Sie das Gerät, den Wagen oder die Möbel fürs Wartezimmer nutzen. Naturgemäß hat jeder Selbstständige ein Interesse daran, diese Nutzungsdauer möglichst kurz zu halten. Denn wenn die Kosten auf mehrere Jahre verteilt werden müssen, sind die jährlichen Betriebsausgaben umso höher, je kürzer die Nutzungsdauer ist.

Leider können Sie sich die Nutzungsdauer, während der Sie das entsprechende Wirtschaftsgut voraussichtlich verwenden, zumindest in steuerlicher Hinsicht nicht aussuchen. Das Bundesfinanzministerium hat für die Abschreibung Vorgaben entwickelt und in mehreren Tabellen zusammengefasst. Für Ärzte gibt es eine spezielle Richtlinie, die »AfA-Tabelle Gesundheitswesen«. Hier können Sie nachschlagen, über welche Zeitspanne Sie ein bestimmtes neu angeschafftes medizinisches Gerät abschreiben sollen. Einen Notfallkoffer müssen Sie beispielsweise über fünf Jahre abschreiben, ein Inhalationsgerät über acht Jahre und die Praxiseinrichtung über zehn Jahre.

Die AfA-Tabelle der Finanzverwaltung finden Sie hier.

Abgeschrieben wird linear. Das bedeutet: Ihre Anschaffungskosten werden gleichmäßig über die voraussichtliche Nutzungsdauer verteilt. Achtung: Da Sie in der Regel nicht alle Ihre betrieblichen Anschaffungen am 1. Januar eines Jahres machen, unterscheiden sich die Beträge, die Sie im ersten und letzten Jahr abschreiben, von denen, die Sie in den anderen Jahren absetzen. Maßgeblich für den Abschreibungsbeginn ist der Zeitpunkt, an dem Sie das Wirtschaftsgut in Betrieb nehmen oder erstmalig nutzen. Zur Vereinfachung gilt: Kaufen Sie das neue Gerät am Ende eines Monats, dürfen Sie die volle Monatsabschreibung geltend machen. Wenn Sie sich die Mühe machen wollen, dürfen Sie aber auch den zeitlichen Anteil bis auf den Tag genau ausrechnen.

Kleinere Praxen können zusätzlich zur normalen Abschreibung noch eine Sonderabschreibung in Anspruch nehmen. Mehr dazu im nächsten Teil unserer Serie.

Teil 1: Ausgaben für die Praxis: Der richtige Zeitpunkt für Investitionen

Teil 2: Geringwertige Wirtschaftsgüter für die Arztpraxis

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Elter Constanze

Elter Constanze

Journalistin. Autorin. Moderatorin. bei Constanze Elter Steuern – leicht gemacht!

Expertin darin, Steuern in Worte zu fassen. In Hörfunk, Video und Print. Im Internet und in Büchern. Für Fach- und Schulbuchverlage und öffentliche Auftraggeber. Für Steuerkanzleien und Unternehmen.

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