Wechsel der Hausbank

Ärger mit der Hausbank: Warum Sie nichts überstürzen sollten

Mit Banken gibt’s schon mal Spannungen. Dennoch sollten Ärzte versuchen, Konflikte gütlich beizulegen. Doch was ist zu tun, wenn das Vertrauensverhältnis zur Hausbank ernsthaft gestört ist?

Der Fall von Sebastian M., einem Arzt aus Niedersachsen, kommt in unterschiedlichen Varianten wahrscheinlich täglich vor: Gerade hatte M. erfolglos Kreditverhandlungen mit seiner langjährigen Hausbank über Kredithöhe und Zinssatz geführt, als der dienstbeflissene Vertreter einer Konkurrenzbank bei ihm anrief. Ein Wink des Himmels? M. jedenfalls freute sich über das „große Interesse an einer Geschäftsverbindung“, wie der Banker es formulierte.  Zwar arbeitete der Arzt seit vielen Jahren mit der örtlichen Sparkasse zusammen, doch nach der Bauchlandung mit seinem Kredit konnte er es sich durchaus vorstellen, seine Aktivitäten auf ein anderes Geldhaus zu verlagern. Dass nach Aussage seines Sparkassenberaters an seiner Kreditwürdigkeit kein Zweifel besteht, ändert daran nichts. M. ist verärgert über Vertragsdetails, die aus seiner Sicht viel zu pauschal mit „Anforderungen an die bankinternen Kreditvergaberichtlinien“ begründet werden.

Jedoch kommt auch der neue Geschäftskontakt dem Mediziner seltsam vor: Während des Telefongesprächs stellte der Mitarbeiter der anrufenden privaten Bank heraus, dass ihm die Praxis von M., so formulierte er wörtlich, „als vorbildlich geführt“ empfohlen wurde. Von wem er diese Information erhalten hatte, verriet er nicht. Auch bei seinen weiteren Äußerungen blieb der Bankmitarbeiter eher vage, lobte sein eigenes Haus als „kompetenten Gesprächspartner in sämtlichen Bankgeschäften“ und als „Problemlöser in Finanzangelegenheiten der Medizinbranche“. Weitere Details würde er gern im persönlichen Gespräch mit M. bereden.

M. aber wurde nach diesem Gespräch skeptisch, ungeachtet des derzeitigen Ärgers mit seiner Hausbank. Nach längeren Überlegungen will er folgende Punkte während eines Gesprächs klären, das in den Räumen der Privatbank stattfinden wird:

  • Wer hat der Bank seine Praxis als „vorbildlich geführt“ empfohlen? War dies die Empfehlung eines örtlich ansässigen Patienten, der auch mit dieser Bank Geschäftskontakte unterhält?  Oder hatte die Bank bloß eine aus öffentlichen Quellen zusammengestellte Liste von Praxen aus der Region abgearbeitet, die als interessant für eine mögliche Geschäftsverbindung gelten?
  • Welches sind die konkreten Angebote der Bank bezüglich der Finanzangelegenheiten der Medizinbranche?
  • Welches sind die Entscheidungswege der Bank? Von seiner Hausbank kennt er bei konkreten Ansprechpartnern grundsätzlich kurze Zeiträume.
  • Wie transparent arbeitet die Bank vor allem bei Kreditentscheidungen? Das gilt sowohl für Details seines Ratings oder Scorings, also seiner Kreditbeurteilung als auch für das Nachvollziehen von Veränderungen bestimmter Faktoren wie Zinssätze oder Gebühren. Das gilt vor allem auch für die Bereitstellung von Kreditsicherheiten, deren bankinterne Bewertung M. erfahren will. Umgekehrt wäre M., wie im Umgang mit seiner Hausbank, seinerseits zu umfangreicher Transparenz bei Zahlen zu seiner wirtschaftlichen Lage bereit.

So vorbereitet geht M. gelassen in das Gespräch. Und noch einen Entschluss hat er gefasst: Sollte sein Gesprächspartner nach Einzelheiten zu seiner wirtschaftlichen Lage fragen, wird er sich  zunächst zurückhalten. Zudem will er es langsam angehen lassen. Selbst wenn es zu einem Geschäft kommen sollte, ist ein vollständiger Bankwechsel nicht sofort geplant. M. würde seine geschäftlichen Aktivitäten zunächst vielmehr schrittweise verlagern, damit beide Geschäftspartner sich erst einmal kennen lernen können.

A&W-Kompakt
Gehen oder bleiben?

  • Die Erfahrung zeigt, dass vor einem beabsichtigten Bankwechsel nochmals ein Ziel führendes Gespräch mit der bisherigen Bank geführt werden sollte. Gegebenenfalls sollte an diesem Gespräch neben dem jeweiligen Ansprechpartner des Arztes auch der zuständige Abteilungsleiter teilnehmen. Vielfach lassen sich in einer solchen Gruppe Missverständnisse doch noch  ausräumen.
  • Zur Vorbereitung einer solchen Unterredung sollten die Kritikpunkte vom Arzt, mit Hilfe seines Steuerberaters, sorgfältig analysiert und aufbereitet werden. So lassen sich verbale Allgemeinplätze auf beiden Seiten vermeiden.
  • Wenn die Entscheidung, ein weiteres Kreditinstitut als Geschäftspartner zu gewinnen, gefallen ist, sollten Wechselwillige recherchieren, welche Bankengruppe sich für die konkreten Belange der Praxis am besten eignet. Wird zum Beispiel auf eine Präsenz vor Ort Wert gelegt, ist eine Volksbank oder Sparkasse oft besser geeignet  als eine Großbank.

So können Ärzte ihren Aufwand bei einem Bankwechsel verringern:

  • Wenn sich der Arzt nach sorgfältiger Prüfung zu einem Wechsel seiner Hausbank  entschieden hat, kann er mit einer Vollmacht zu Gunsten des übernehmenden Kreditinstituts seinen Bearbeitungsaufwand relativ gering halten. Durch die Vollmacht wird das Kreditinstitut ermächtigt, die Übertragung der Konten zu veranlassen. Gleichzeitig erhält die abgebende Bank gegebenenfalls noch vorhandene Bank- und Kreditkarten zurück und stellt dem Kunden eine Schlussabrechnung aus.
  • Die Ablösung bestehender Kreditlinien und Darlehen erfolgt in der Regel „Zug um Zug“. Dieser juristische Fachbegriff besagt, dass die bisherige Hausbank sämtliche ihr zur Verfügung gestellten Kreditsicherheiten auf das neue Institut  überträgt. Im Gegenzug erhält sie den Betrag zum Ausgleich der Kreditkonten einschließlich des Barkredits auf dem bisherigen Praxiskonto des Arztes. Es ist daher wichtig, vor einem beabsichtigten Bankwechsel rechtsverbindlich zu klären, dass der neue Kreditgeber auch tatsächlich alle Kredite übernimmt und diese Zusagen auch schriftlich zu fixieren. Wohlklingenden Absichtserklärungen bei Geschäftsanbahnung hingegen sollte niemand Vertrauen schenken.

 

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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