Steuertipp für engagierte Ärzte

Ärzte der Welt & Co.: Höhere Freigrenzen für Freiwillige im Ehrenamt

Seit Jahresanfang 2020 gelten erhöhte steuerfreie Pauschalen für ehrenamtliche Tätigkeiten. Das eröffnet Medizinern und Vereinen erweiterte Spielräume, wenn sie sich sozial engagieren. Mit welchen steuerlichen Besonderheiten die Freiwilligen rechnen können.

In der Gesundheitsprävention von Schulen, in der Versorgung von Kranken ohne Versicherungsschutz oder in der Selbstverwaltung der Ärzte: Mediziner setzen sich vielfältig für die Gesellschaft ein. Allein für die Organisation Ärzte der Welt sind knapp 300 Ehrenamtliche im Einsatz, die auch in Deutschland Menschen in Krisensituationen einen Zugang zu medizinischer Grundversorgung möglich machen. Mehrere hundert Doktoren arbeiten ehrenamtlich in der Ärztekammer Nordrhein ohne dafür regulär bezahlt zu werden – genauso wie Tausende in anderen Regionen.

Sie alle erhalten in der Regel maximal eine geringe Aufwandsentschädigung. „Für Einnahmen aus Ehrenämtern gelten Sonderregeln, sie bleiben zumeist steuer- und abgabenfrei“, sagt Franz Plankermann, Vorsitzender des Steuerberaterverbandes Düsseldorf. Abhängig von der jeweiligen Tätigkeit sind aber unterschiedliche Höchstgrenzen zu beachten.

1. Der Übungsleiterpauschbetrag (Paragraf 3 Nr. 26 EStG)

Zum Beispiel gewährt der Fiskus einen Freibetrag für Übungsleiter oder Ausbilder, die sich nebenberuflich engagieren. Dieser erhöhte sich zum Jahresanfang 2020 auf 3.000 Euro – immerhin um 600 Euro gegenüber den Vorjahren. Vergütungen bis zu dieser Höhe bleiben von Steuern und Sozialabgaben verschont.

Entscheidend ist, dass es sich um Tätigkeit für eine gemeinnützige Organisation oder eine öffentliche Einrichtung handelt. Überdies muss der Arzt persönlichen Kontakt mit anderen Menschen haben und pädagogisch deren Entwicklung und Fähigkeiten fördern. Die Nebentätigkeit darf insgesamt nicht mehr als ein Drittel der regulären Arbeitszeit eines vergleichbaren Vollzeiterwerbs ausmachen – pauschal nicht mehr als 14 Stunden wöchentlich.

Welche Tätigkeiten begünstigt sind und welche nicht im Überblick:

Studentenausbildung

Der Übungsleiterpauschbetrag wurde nach einem Urteil des Finanzgerichtes Schleswig Holstein einem Arzt nicht gewährt, der in seiner Praxis Studenten anlernte. Die angehenden Kollegen waren dabei, wenn er die Patienten behandelte. Er unterwies die Studiosi, es fanden Vor- und Nachbesprechungen statt. Den Richtern fehlte hier eine inhaltliche, zeitliche und organisatorische Trennung zwischen dem Hauptjob und seiner Lehrtätigkeit.

Ärzte im Behindertensport

Wenn der Mediziner bei den Übungsstunden selbst anwesend ist, kann der Übungsleiterpauschbetrag grundsätzlich gewährt werden. Gleiches gilt, falls in Sportvereinen Coronar-Sportkurse für Herzpatienten gegeben worden sind. Voraussetzung ist immer, der Arzt nimmt auf die Übungseinheiten und die -inhalte Einfluss (OFD Frankfurt, S 2245 A – 002 – St 213).

Rettungskräfte

Ebenso profitieren vom Pauschbetrag nach der OFD Frankfurt Notärzte, die sich im Rettungs- und Krankentransport einbringen oder jene, die im Rahmen von Großveranstaltungen engagiert sind. Genauso gibt es den Pauschbetrag für Einsatzkräfte der Berg-, Höhlen- und Wasserrettung, wenn Personenbergung gefragt ist sowie für Einsatzleiter des Rettungsdienstes vor Ort. Auch Personen, die psychologische Soforthilfe für traumatisierte Opfer oder deren Angehörige bei schweren Unfällen leisten sowie die Helfer vor Ort sind entsprechend begünstigt (OFD Frankfurt, S 2245 A-2-St 213).

2. Der Ehrenamtsfreibetrag (Paragraf 3 Nr. 26a EStG)

Für andere gemeinnützig Engagierte im Auftrag eines Vereins oder einer Person des öffentlichen Rechts gewährt der Fiskus den Ehrenamtsfreibetrag. Bis zu 840 Euro im Jahr bleiben ab 2020 steuer- und sozialversicherungsfrei. Die Pauschalen erhalten die Freiwilligen allerdings nur einmal, selbst wenn sie parallel für verschiedene Organisationen aktiv sind. Allerdings können der Ehrenamtsfreibetrag und die Übungsleiterpauschale miteinander kombiniert werden, wenn jemand mehrere ehrenamtliche Aufgaben hat. Ein Arzt in einem Sportverein kann sich auch um die Vereinskasse kümmern.

3. Die Nebenkosten

Fahrtkosten, Weiterbildungen oder andere Aufwendungen im Zusammenhang mit der Tätigkeit dürfen zwar erstattet werden, wenn es die Satzung zulässt – es besteht mitunter sogar ein Anspruch darauf. Doch lässt der Fiskus den Kostenabzug in der Steuererklärung erst dann zu, wenn der Ehrenamtliche selbst über den Freibeträgen liegende Ausgaben zu tragen hat.

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