Die ungeschminkte Finanzsituation

Ärzte schätzen in der Gründungsphase ihr Einkommen falsch ein

Insider schätzen, dass ein zweistelliger Prozentsatz der neu niedergelassenen Ärzte einen vertragslosen Zustand finanziell nicht überleben würde. Der Grund: Sie schätzen Ihr Einkommen falsch ein, weil sie sich zu sehr an die Steuervorteile in der Investitionsphase gewöhnen.

Würden nur 80 Prozent des Nettoeinkommens für den Privatverbrauch verwendet und 20 Prozent gespart, gäbe es keine Liquiditätsprobleme. Viele Niedergelassene ignorieren dies aber und halten sich an das gefühlte Einkommen, an die Bewegungen auf dem Bankkonto. Schwanken diese um den Nullpunkt, ist alles in Ordnung. Andernfalls gibt die Bank Überziehungskredit.

Leider rechnen viele Ärzte aber nicht mit folgendem Phänomen: Fast jeder Arzt hat Schulden, die er durch die Anschaffung von Immobilien, vor allem aber durch die Finanzierung seiner Praxis aufgebaut hat. Um bei Finanzierungen möglichst große steuerliche Vorteile zu genießen, werden so genannte endfällige Modelle verwendet. Endfälligkeit bedeutet, dass der Kredit bis zum Tilgungszeitpunkt ungetilgt bleibt und das Kapital zur Tilgung bis zu diesem Zeitpunkt angespart wird.

Zinsen sind steuerlich absetzbar

Vorteil solcher Modelle: Die Zinsen sind steuerlich absetzbar. Sie rechnen sich aber umso besser, je langfristiger sie angelegt werden. Deshalb werden häufig Finanzierungszeiträume gewählt, die mit der Abschreibungsdauer der entsprechenden Wirtschaftsgüter nicht mehr viel zu tun haben. Dazu ein Beispiel: 300.000 Euro für den Praxisumbau werden investiert, davon 100.000 Euro für Geräte und 200.000 Euro für die Einrichtung. Der Kredit wird auf 15 Jahre endfällig finanziert. Die gefühlte Belastung durch die Raten für die Besparung des Tilgungsträgers liegt bei etwa 14.000 Euro pro Jahr oder 1.170 Euro pro Monat.

Die echten Kosten dieser Investition werden durch die Abschreibung ersichtlich. In den ersten fünf Jahren rechnen sich jährlich 40.000 Euro Abschreibung. Dadurch sinkt das echte Einkommen auch um 40.000 Euro, die Steuerbelastung um 20.000 Euro.

Wer sich in dieser Phase auf sein gefühltes Einkommen verlässt, spürt nun durch die Investition sogar einen Einkommenszuwachs. Nämlich 20.000 Euro weniger Steuer, aber nur 14.000 Euro Zusatzbelastung. Die Wahrheit kommt ab dem fünften Laufjahr zum Tragen. Durch die Reduktion der Abschreibungen auf 20.000 Euro – die Geräte sind dann komplett abgeschrieben – sinkt der Steuervorteil auf nur noch 10.000 Euro. Dadurch kommt es möglicherweise schon zu einer leichten Anspannung der finanziellen Situation.

Das dicke Ende kommt nach der Abschreibung

Nach zehn Jahren kommt schließlich das dicke Ende. Die Schulden sind noch da, die Geräte aber nichts mehr wert. Das hält viele Ärzte in solchen Situationen aber nicht vor fremdfinanzierten Folgeinvestitionen ab, weil sich dadurch das gefühlte Einkommen wieder erhöht: ein Teufelskreis!

Die Lösung

Investitionen können nie finanzielle Engpässe beseitigen. Nur ein Blick auf die ungeschminkte Finanzsituation und Limitierung des Privatbudgets schützen vor finanziellem Schiffbruch:

  • Wer es selbst nicht kann, sollte von seinem Steuerberater das Nettoeinkommen berechnen lassen.
  • Ein Verzicht auf Steuer schonende, endfällige Kredite ist nicht vonnöten.
  • Das gesparte Geld muss nur in einen Vorsorgetopf wandern, anstatt privat verbraucht zu werden.
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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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