Wenn der Arzt krank wird

Ärztliche Versorgungswerke: Rigide Prüfung bei Berufsunfähigkeit

Das Risiko berufsunfähig zu werden ist auch für den Arzt  oder Zahnarzt vorhanden. Zwar zahlen die ärztlichen Versorgungswerke ihren Mitgliedern mehr als die gesetzliche Rentenversicherung und auch schon ab dem ersten Tag – aber die Bedingungen sind doch einigermaßen rigide.

Eigentlich ist die BU-Rente der Ärzteversorgung eine lupenreine Erwerbsunfähigkeits-Rente. Sie wird nämlich nur dann gezahlt, wenn der Antragsteller nicht mehr auf eine andere Tätigkeit im medizinischen Bereich (zum Beispiel als Gutachter) verwiesen werden kann. Für die Mitglieder gibt es keine Möglichkeit, diese Vorschrift zu umgehen.

Alternativen kosten den BU-Anspruch

So hat beispielsweise ein Oberlandesgericht entschieden, dass ein Mediziner, der noch Dozententätigkeit an einer berufsbildenden Schule ausüben kann, keine BU-Rente vom Versorgungswerk erhält. „Ausüben kann“ bedeutet allerdings nicht, das er schon einen entsprechenden Job in Aussicht haben muss. Allein die Information, dass er in der Lage wäre, reicht schon aus. Die beruflichen Alternativen müssen also nur theoretisch bestehen. Zudem darf in der Regel kein Assistent oder Vertreter des Arztes bzw. Zahnarztes die Praxis weiterführen: Die Praxis muss verkauft oder geschlossen werden.

Beruf muss aufgegeben werden

Wegen der niedrigen Eingangsschwelle zahlt die berufsständische Versorgung die Leistung häufig nur bei “absoluter Existenzvernichtung“ aus, d.h. bei 100%-iger Berufsunfähigkeit mit Rückgabe der Approbation. Doch auch bei weniger gravierenden Einschränkungen ist eine weitere Berufsausübung oft gesundheitlich nicht mehr möglich oder zumutbar.

Bei privaten Berufsunfähigkeitsversicherungen liegen die meisten Leistungsfälle hingegen deutlich unter 100%. Wohl weil es bei den Privaten häufig oft weniger hart zugeht, haben einzelne ärztliche Organisationen auch mit Privatversicherern BU-Gruppenverträge abgeschlossen. In einer Satzung zur Mitgliedschaft heißt es zudem wörtlich: „…es wird daher empfohlen, sich für solche Fälle zusätzlich zu versichern.“

Zusätzliche Berufsunfähigkeitsversicherung

Zusätzlich eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, für die dann natürlich weitere Beiträge fällig sind, ist für Ärzte und Zahnärzte tatsächlich empfehlenswert. Denn bei den meisten Versorgungseinrichtungen ist der Berufsunfähigkeits-Begriff restriktiv verfasst. Bei den meisten Satzungen ist jedenfalls kein Spielraum zu erkennen. Das bestätigt auch ein Gutachter aus Berlin: „Die Rechtspraxis der Versorgungswerke ist äußerst streng!“

Das kann in der Praxis schnell zum Problem werden: Wer zum Beispiel noch zwei Gutachten im Monat verfassen kann, der hat in der Regel schon keine Chance auf eine BU-Rente von seinem Versorgungswerk. Ein Chirurg, der nicht mehr in der Lage ist zu operieren, weil er beispielsweise an Rheumatismus leidet, kann ja aber unter Umständen durchaus auf gutachterliche Tätigkeiten oder Tätigkeiten beim MDK verwiesen werden. Ob diese ärztliche Verweisungstätigkeit einen wirtschaftlichen Wert hat oder auf dem Arbeitsmarkt überhaupt vermittelbar ist, steht dann auf einem anderen Blatt.

Sind die Bedingungen zu streng?

Den Vorwurf, die Versorgungswerke seien zu rigide bei der Gewährung der BU-Rente, will die ABV (Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungswerke) aber so trotzdem nicht gelten lassen und erklärt: „80 Prozent aller BU-Anträge führen bei den berufsständischen Versorgungswerken zum Erfolg!“ Generell wehrt man sich auch gegen die Behauptung, dass erst bei 100 Prozent Berufsunfähigkeit Leistungen fließen.

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