Krise

Aggressives Verhalten gegen MFA: Bitte mehr Respekt und Rücksichtnahme!

MFA sind die ersten Ansprechpartner in Arztpraxen – und leider immer öfter auch “Blitzableiter” für frustrierte Patienten. In einer gemeinsamen Erklärung appelieren die KV Westfalen-Lippe und der Verband medizinischer Fachberufe e.V. deshalb an die Bevölkerung.

Viele Menschen haben die Sommermonate wie eine Verschnaufpause von der weltweiten Corona-Pandemie wahrgenommen: Man konnte mehr Zeit draußen verbringen, sich mit Familie und Freunden in Parks treffen, seinen Kaffee auf der Terrasse vor dem Lieblingscafé trinken. Alles wirkte fast normal – war es aber nicht. Dass die Corona-Infektionszahlen in der kühleren Jahreszeit nun wieder ansteigen, ist eigentlich keine Überraschung, dennoch scheint die zweite Welle viele Bürger kalt zu erwischen.

Arztpraxen als Fels in der Brandung

Fassungslosigkeit und erneute Einschränkungen führen unweigerlich dazu, dass Anspannung und Sorgen in der Bevölkerung wieder zunehmen. Auch in dieser Situation sind die Praxen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte für viele Bürgerinnen und Bürger die ersten Ansprechpartner bei Fragen wie „Bin ich nur erkältet oder ist es vielleicht doch das Coronavirus?“, „Wie kann ich mich testen lassen?“ oder auch „Wie bekomme ich eine Schutzimpfung gegen Grippe oder Pneumokokken?“. Auch Menschen, die psychisch unter der aktuellen Situation leiden, suchen in der Regel zuerst ihren Hausarzt auf.

MFA immer an vorderster Front

„Die Medizinischen Fachangestellten stehen hier an vorderster Front. Sie organisieren, koordinieren, erklären. Sie halten den Praxisbetrieb am Laufen in einer Zeit, in der sich die gesetzlichen Vorgaben nahezu wöchentlich ändern. Leider sind es vor allem diese engagierten Praxisteams, die den Frust vieler Bürgerinnen und Bürger über die aktuelle Situation ungefiltert zu spüren bekommen. Sie sind tagtäglich der Kritik und den Vorwürfen von unzufriedenen Patientinnen und Patienten ausgesetzt, weil beispielsweise die Telefonleitung besetzt ist oder weil es keinen Wunsch-Coronatest gibt“, erklärt Dr. Dirk Spelmeyer, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL).

Auch Hannelore König, Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V., bestätigt, dass das Verhalten gegenüber den Medizinischen Fachangestellten (MFA) im Moment in vielen Praxen immer fordernder und aggressiver wird: „Die Entwicklungen sind dynamisch und erfordern schnelles, flexibles Handeln, das ist allen bewusst. Aber die Mitarbeitenden in den Praxen sind keine Maschinen, neue Regeln können nicht auf Knopfdruck umgesetzt werden. Genauso liegt es nicht in unserer Verantwortung, wenn es Lieferengpässe bei Impfstoffen gibt. Dass Patientinnen und Patienten ihren Frust an meinen Kolleginnen und Kollegen auslassen, ist deshalb nicht nur ungerechtfertigt, es sorgt dafür, dass die ohnehin hohe psychische Belastung noch zusätzlich verstärkt wird. Viele Medizinische Fachangestellte sind mittlerweile am Limit.“

Ungleichbehandlung und mangelnder Respekt

Neben dem hohen Arbeitspensum, dem hektischen Alltag und den Auseinandersetzungen mit den Patientinnen und Patienten belastet auch das erhöhte Infektionsrisiko. „Mittlerweile dürfen die MFA einmal wöchentlich mit einem sogenannten Corona-Antigenschnelltest getestet werden, der PCR-Test bleibt uns aber verwehrt, wenn wir keine Symptome haben. Natürlich fragen sich da viele meiner Kolleginnen und Kollegen: Sind wir weniger wert als andere Menschen? Wir sind für die Patientinnen und Patienten häufig die ersten Ansprechpartnerinnen und möchten von der Politik gleichwertig behandelt werden!“

Auch KVWL-Vorstandsvorsitzender Spelmeyer spricht sich für mehr Wertschätzung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Praxen aus. Spelmeyer und König appellieren daher an die Bevölkerung: „Für uns alle ist diese Pandemie eine schwierige Zeit, die uns viel Kraft kostet. Das gilt für die Menschen vor, aber natürlich auch hinter der Empfangstheke in den Arztpraxen. Unsere Ärztinnen und Ärzte sowie Praxisteams sorgen dafür, dass die ambulante Versorgung auch unter Pandemie-Bedingungen sehr gut und verlässlich funktioniert. Nicht immer kann alles reibungslos laufen, das ist klar. Aber anstelle von Frustration, Angst und Aggression sind Verständnis, Umsicht und Rücksichtnahme die Gebote der Stunde. Wir werden diesen ersten Herbst und Winter mit dem Coronavirus bewältigen, aber das geht nur, wenn wir wertschätzend miteinander umgehen“.

Wie schade, dass man die Menschen daran erst wieder erinnern muss.

Anzeige

„Ich würde sagen, dass 99 Prozent der Patienten positiv auf Doctolib reagieren.” - Dr. Christian Kors

Bereits 135.000 Ärzte und Behandler nutzen den Terminmanagement-Service Doctolib in Deutschland und Frankreich. Doch welche konkreten Vorteile bringt der Einsatz von Doctolib in der Praxis? Drei Ärz... Mehr
Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib

Weitere Artikel zum Thema:

Kampf gegen das Virus

Weltweit über 1.000 Forschungsprojekte zu Corona


Neuer Höchststand

Krise: Coronavirus treibt Goldpreis nach oben


Analyse

Wirtschaft: So unterschiedlich meistern Länder die Corona-Krise


Kosten ohne Leistung

Mitgliedsbeiträge: Muss man während der Corona-Krise weiterzahlen?


Apotheken schlagen Alarm:

Corona-Krise hat dramatische Folgen für den Apothekenmarkt