Aktien & FinTechs

Aktien: Der eigentliche Stresstest für Banken kommt noch

Der Stresstest der europäischen Bankenaufsicht geht davon aus, dass sich die Konjunktur ändert, nicht aber das Bankengeschäft an sich. Was zu erwarten ist, erklärt Uwe Zimmer, Kapitalmarktexperte aus Köln, im folgenden Beitrag.

Die europäischen Banken haben den Stresstest ihrer Aufseher mehr oder weniger gut bestanden. Das zumindest verkünden sie. Überleben in Zeiten schwacher Konjunktur könnten sie also vielleicht. Aber überleben angesichts der Bedrohungen durch die FinTechs? Das wird nicht so einfach.

Der Stresstest der europäischen Bankenaufsicht ist sehr konservativ: Er geht davon aus, dass sich zwar die Konjunktur rund um die Banken ändert, nicht aber das Bankgeschäft an sich. Das ist definitiv falsch. Denn schon heute nagen viele kleine, frische Start-ups an den Erträgen der Banken. Sie nutzen Technologie, um in behäbigen Banken langsam ablaufende Prozesse deutlich schneller und damit kundenfreundlicher abzuwickeln. Überweisungen in Sekunden statt in Bankarbeitstagen, Geldanlage per Handy statt im holzgetäfelten Besprechungszimmer – das zieht immer mehr Kunden an.

Noch sind die Umsätze gering, die eingesammelten Summen eher vernachlässigbar. Und trotzdem haben die FinTechs schon heute deutlich spürbare Auswirkungen auf die Branche: Mit ihren schlanken Prozessen können sie deutlich günstiger auf dem Markt agieren und zwingen die Banken schon heute zu Preisanpassungen. Das aber lässt die Margen schrumpfen. Schrumpfende Margen wiederum erschweren es den Banken, ihre Kapitalquote aus eigener Kraft aufzustocken und sich damit auch für den konservativen Stresstest fitter zu machen.

Vielleicht wäre es für die Aufseher ja einmal interessant, im nächsten Stresstest sinkende Margen und abwandernde Kunden zu simulieren? Denn genau so wird die Entwicklung aussehen.

Den Banken bleibt allerdings angesichts der niedrigen Zinsen noch genug Zeit auf die veränderten Rahmenbedingungen ihres Geschäfts zu reagieren. Sie können, sollten, müssen die FinTechs ernst nehmen, möglichst schnell möglichst viel davon lernen und übernehmen.

Das geschieht bislang erst in Ansätzen. Und sie müssen sich mit ganz anderen Spielern wie Telefongesellschaften oder Suchmaschinenbetreibern als Konkurrenten anfreunden. Diese verfügen über die Kundenbasis, zusammen mit einem FinTech sind sie schnell eine Gefahr.

Es wird also darauf hinauslaufen, dass viele Banken sich FinTechs einverleiben, um schneller an Technik zu kommen und neue Kundenansprachen möglich zu machen. Für Anleger heißt das: Banken muss man nicht unbedingt kaufen, börsennotierte FinTechs schon und auch bei den gealterten, aber mit einer soliden Kundenbasis ausgestatteten Tech-Firmen wie alphabet, Twitter oder Alibaba bestehen Chancen. Und wenn der Stresstest irgendwann einmal auch auf diese Spieler angewendet wird, wissen wir, dass die Banken in ihrer bisherigen Form ausgedient haben.

Bitte beachten Sie: Die Gast-Beiträge externer Finanzexperten geben immer nur die persönliche Meinung der Autoren wieder. Sie dienen der allgemeinen Information und stellen weder eine individuelle Beratung noch eine konkrete Anlageempfehlung unserer Redaktion dar.

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