Senioren besonders oft betroffen

Alarmierende Zahlen: Patienten können sich Medikamentenzuzahlung häufig nicht leisten

Ärzte machen regelmäßig die Erfahrung, dass Patienten sich nicht an die vorgeschriebene Therapie halten und insbesondere ihre Medikamente nicht wie angeordnet nehmen. Häufiger als vermutet steckt dahinter die blanke wirtschaftliche Not.

Sind zehn Euro Medikamentenzuzahlung für Patientinnen und Patienten schon zu viel Geld? Offenbar ja. Eine aposcope-Umfrage in Apotheken hat ergeben, dass viele Patienten, die eine Zuzahlung leisten müssen, entweder das Einlösen des Rezepts verschieben oder sogar auf das verschriebene Medikament verzichten. Hochgerechnet soll es sich um tausende Fälle pro Woche handeln. Am häufigsten sind davon Seniorinnen und Senioren betroffen.

So gaben rund zwei Drittel der befragten Apotheker (65 %) an, mindestens einmal im Monat mitzuerleben, dass sich ein Patient die Zuzahlung nicht leisten kann. Insbesondere Rentner und Renterinnen haben laut 69 % der Befragten Probleme, ihre notwendigen Medikamente in der Apotheke zu bezahlen. Aber auch bei Chronikern, Auszubildenden, Studenten, Sozialleistungsempfängern und jungen Eltern ist das Geld offenbar zu knapp, wie ein Viertel der befragten Apotheker und PTA angab.

Verschriebene Medikamente werden nicht genommen

Das hat fatale Folgen für die Therapie: Können sich Patienten die Medikamentenzuzahlung nicht leisten, verschieben sie die Einlösung des Rezepts laut drei Viertel der Befragten (75 %) auf einen späteren Zeitpunkt. Viele Patientinnen und Patienten verzichten auch komplett auf das benötigte Arzneimittel, gaben 59 % der Teilnehmerinnen an.

Beratungsbedarf noch besonders hoch

Dabei sind sich nach Meinung des Apothekenpersonals die Betroffenen zu einem Großteil (87 %) durchaus bewusst, dass sie sich von der Zuzahlung befreien lassen können, wissen aber nicht genau wie. Die Mehrheit (77 %) der Apotheker und PTA bestätigt, dass der Beratungsbedarf für diese Thematik bei Patientinnen und Patienten offenbar noch sehr hoch ist. Vor allem ältere Patienten scheinen durch den erforderlichen Aufwand auch einfach überfordert zu sein.

Daher stimmt die Mehrheit des Apothekenpersonals der Forderung zu, dass Senioren (53 %) und Chroniker (64 %) grundsätzlich von der Zuzahlung befreit werden sollten. Dass die Zuzahlungspflicht generell abgeschafft werden sollte, verneinen die Befragten jedoch mehrheitlich (53 %). Stattdessen teilen die Umfrageteilnehmer zum Großteil (64 %) die Meinung, dass die Zuzahlung auf fünf Euro begrenzt sein sollte und bei Rabattarzneimitteln komplett entfallen sollte (76 %).

Die Ergebnisse wurden mit insgesamt 310 verifizierten Apotheker*innen und PTA am 10. Dezember 2019 erhoben.

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