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Unwetterschäden sind steuerlich absetzbar

von André Gieße

Schäden durch Unwetter
Foto: stockphoto-graf - stock.adobe.com

Immer extremer, immer teurer: Hochwasser und Sturm hinterlassen vielerorts in Deutschland regelmäßig eine Spur der Verwüstung. Der Fiskus übernimmt einen Teil der Reparatur- und Wiederbeschaffungskosten.

Überflutete Keller, abgedeckte Dächer, Hagelschäden: Unwetter können innerhalb kürzester Zeit enorm teure Schäden anrichten. Der Staat bietet den Geschädigten unter bestimmten Bedingungen finanzielle Entlastung an.

Wie jetzt die Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH) mitteilt, können Sie viele Kosten, die durch Unwetter entstanden sind, steuerlich absetzen. Dabei sind ein paar Dinge zu beachten. Denn es gibt keine Stelle in der Steuererklärung, wo Unwetterschäden explizit einzutragen sind.

Kosten für Räumungs- und Reparaturarbeiten anerkannt

In der Vergangenheit konnten Betroffene laut dem Lohnsteuerhilfeverein zum Beispiel die Kosten für Räumungs- und Reparaturarbeiten nach dem Unwetter steuerlich geltend machen. Das Finanzamt erkannte demzufolge auch oft die Ausgaben für die Wiederbeschaffung von Kleidung, Möbeln oder anderen Haushaltsgegenständen an, die unbrauchbar geworden waren.

Voraussetzung: Die Schäden betreffen existenziell Notwendiges und wurden nicht von einer Versicherung übernommen. Zudem komme es darauf an, in welchem Verhältnis die Betroffenen zur Immobilie stehen: Selbstnutzer, Vermieter oder Mieter.

Vermieter: Reparaturkosten als Werbungskosten absetzen

Vermieter können laut dem Lohnsteuerhilfeverein in der Regel die notwendigen Ausgaben rund um die Beseitigung unwetterbedingter Schäden als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend machen. Und zwar dort, wo sie ihre Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung angeben.

Eine zweite Möglichkeit: Für Wiederherstellungskosten können unter Umständen Sonderabschreibungen infrage kommen. Dabei seien die Gegebenheiten des jeweiligen Einzelfalls zu beachten und am besten von einem Einkommensteuerexperten zu prüfen.

Selbstnutzer und Mieter: Eintrag bei außergewöhnlichen Belastungen

Wer seine Immobilie selbst nutzt und alle, die zur Miete wohnen, können Kosten, die ihnen im Zusammenhang mit Unwetterschäden entstehen, mitunter als außergewöhnliche Belastungen in die Steuererklärung eintragen. Das Finanzamt berücksichtigt dann die notwendigen und angemessenen Kosten der Schadensbeseitigung. Zum Beispiel für Folgendes:

  • Bauarbeiten, Reparaturen oder Instandsetzungsmaßnahmen, die wichtige Bereiche am Haus oder an der Wohnung betreffen. Gemeint sind etwa zerbrochene Fensterscheiben, kaputte Haustüren oder unterspülte Grundmauern.
  • Neuanschaffungen von Möbeln, Hausrat oder Kleidung. Als außergewöhnliche Belastung abziehen lässt sich nur der Wiederbeschaffungswert für ein Objekt, das kaputtgegangen ist.

Schäden an Garagen, Autos oder Luxusgegenständen werden nicht berücksichtigt.

Sonderbelastung: Finanzverwaltung schließt verschiedene Fälle aus

Geschädigte müssen drei weitere Voraussetzungen erfüllen, wenn sie einen Teil der Unwetterkosten steuerlich absetzen wollen:

  • Der Schaden darf nicht durch die eigene Schuld oder durch Dritte verursacht worden sein. Hat ihn jemand anderes zu verantworten, muss man zuerst von ihm Schadenersatz fordern.
  • Der Schaden muss sich auf ein unabwendbares Ereignis zurückführen lassen, zum Beispiel Blitzeinschlag, Starkregen, Hagel oder Sturm.
  • Der Schaden darf nicht bereits durch eine Gebäudeversicherung oder Hausratversicherung abgedeckt sein. Die Betroffenen müssen gleichwohl zuvor alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben, eine allgemein zugängliche und übliche Versicherung abzuschließen. Eine Elementarversicherung gilt nicht als üblich. Wer eine Elementarversicherung abgeschlossen und von dieser eine Erstattung oder andere Finanzhilfen erhalten hat, kann die Schadenkosten nicht zusätzlich von der Steuer absetzen beziehungsweise muss sie um diese Beträge kürzen.

Der Fiskus akzeptiert laut VLH die Schadensbeseitigung und die Wiederbeschaffung von Zerstörtem innerhalb von drei Jahren nach dem Unwetterereignis. Steuerpflichtige sollten Rechnungen und andere Nachweise für Rückfragen aufbewahren.

Zumutbare Belastung
Finanzamt geht von bis zu sieben Prozent der Gesamteinkünfte aus
Bei den außergewöhnlichen Belastungen berechnet der Fiskus zunächst eine zumutbare Eigenbelastung, die sich individuell an der Höhe der Einkünfte, dem Familienstand und der Kinderanzahl orientiert. Bei Einkünften über 51.130 Euro pro Jahr sind das sieben bis zwei Prozent, die selbst zu tragen sind – je mehr Kinder, desto niedriger. Erst Kosten, die diese Zumutbarkeitsgrenze überschreiten, wirken sich steuermindernd aus. Neben den unwetterbedingten Kosten fallen etwa auch Krankheits- oder Kurkosten in die Kategorie der außergewöhnlichen Belastungen.
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Author's imageIlias TsimpoulisChief Medical Officer bei Doctolib
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