Praxis finanzieren per Mouseklick

Alternative Praxis-Finanzierung: Wie Ärzte online Investoren finden

Viele Ärzte sind von schleppenden Kreditvergaben und schlechtem Service ihrer Bank enttäuscht. Leider gibt es keine Alternative zur klassischen Praxis-Finanzierung – oder? Doch, im Internet. Der folgende Beitrag bietet Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Online-Finanzierungsmöglichkeiten.

Finetrading

Beschaffungsvolumen zwischen 500 und 20.000 Euro können Ärzte über online Finetrading vorfinanzieren. Wenn sich die Zahlung der Krankenkasse verzögert und dem Arzt für die Bestellung eines medizinischen Gerätes zum Messepreis Liquidität fehlt, springt der Finetrader als Zwischenhändler ein.

Er erwirbt das Gerät für einen Finanzierungszeitraum von bis zu 150 Tagen. Geliefert wird direkt an die Praxis. Der Finetrader begleicht den Rechnungsbetrag unverzüglich. Der Arzt kann zugleich das ihm gewährte Zahlungsziel in Anspruch nehmen. Auf diese Weise gilt er als quasi Barzahler und kann Rabatte oder höheres Skonto verhandeln.

Anbieter ist beispielsweise Interfin, die Online-Plattform der Deutschen Finetrading AG. Vorstand Dirk Oliver Haller erklärt das Vorgehen: „Die Bonitätsprüfung erfolgt online. Dazu muss der Arzt seine Steuernummer hinterlegen.“ Ob der Deal zustande kommt, prüft InterFin innerhalb von 48 Stunden. Die besten Konditionen erzielen Mediziner, wenn sie binnen 120 Tagen bezahlen.

Crowdlending

Wer private Investoren sucht, etwa für eine Standorterweiterung, findet bei Kreditplattformen wie Kapilendo passende Partner. Diese Finanzdienstleister vermitteln Kredite – zwischen 30.000 bis 2,5 Millionen Euro – online und ohne Bank.

Kapilendo setzt dabei auf professionelle Projektvorstellung via Video. Die Filme werden auf einen virtuellen Kreditmarktplatz gestellt. Der Verwendungszweck des gewünschten Kredits erzielt durch Streuung über Google, Facebook und Co. Aufmerksamkeit bei Geldgebern. So das Versprechen der Kreditvermittler. Überzeugt das Vorhaben genügend Geldgeber und ist es vollständig vorfinanziert, sei das Geld binnen Tagen auf dem Konto.

Tilgung und Zins laufen dann in konstanten Raten bis Laufzeitende, wie beim klassischen Bankkredit. Zinssätze starten bei 2,49 Prozent. Im Schnitt bezahlen Kreditnehmer rund fünf Prozent Zinsen bei einer Laufzeit von 35 Monaten. Das durchschnittliche Kreditvolumen liegt bei einer Viertelmillion Euro. Bislang wurden 30 Projekte finanziert, darunter auch die Standorterweiterung eines Medizinischen Versorgungszentrums.

Online-Kredit-Vergleich

Je nach Vorhaben kommen verschiedenste Finanzierungsalternativen in Frage. Vergleichsportale wie Fintura bietet einen Überblick. Wer auf der Homepage seine Daten wie Kreditbetrag und gewünschte Laufzeit eintippt, hat binnen 15 Minuten einen Konditionenvergleich. Zusagen liegen innerhalb von 72 Stunden vor, so die Anbieter aus Frankfurt. Los geht’s ab 10.000 Euro Kreditvolumen mit 0,99 Prozent-Finanzierungs-Kosten.

Bei zehn Millionen Euro liegt die Obergrenze. Finanziert wird fast alles: Betriebsmittel, Fahrzeuge, sogar Umschuldungen seien möglich. Geld verdient Fintura über Vermittlungsprovisionen seiner rund 40 Finanzpartner oder Banken und Sparkassen. Somit arbeitet das FinTech ähnlich einem Makler. Wer ein möglichst breit gefächertes Angebot verschiedenster Banken erhalten möchte, sollte mehrere Vergleichsportale nutzen.

Online-Factoring

Online-Factoring ist eine weitere Alternative übers Internet an Geld zu kommen. Hier können Ärzte Rechnungen einreichen, um Finanzlücken zu schließen. Nach kurzer Prüfung sei das Geld innerhalb von 24 Stunden überwiesen, werben mehrere Portale. Etwa die Factoring-Plattformen Fundflow und Decimo. Für Rechnungen bis 5000 Euro reicht beim letztgenannten Anbieter eine Identifikation per Video-Telefonat. Bei höheren Beträgen will die Factoringfirma der Wirecard Bank eine Kopie der Jahresabschlüsse und eine aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung vom Steuerberater.

Bei Decimo, erklärt Gründer Andreas Dubrow, liege der durchschnittliche Rechnungsbetrag derzeit bei rund 1000 Euro. Factoring-Plattformen verlangen Abschläge von rund drei Prozent oder erheben Gebühren. Online können Rechnungen eingereicht werden, die in der Regel innerhalb von 60 Tagen beglichen sein sollen. Längere Zahlungsziele können meist separat ausgehandelt werden, so die Seitenbetreiber.

Vorsicht: Auch für Rechnungen gilt der Schutz der Patientendaten. Bevor er Dokumente weitergibt, muss der Arzt die schriftliche Zustimmung des Patienten einholen.

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