TSVG

Angeblich nur 29 Wochenstunden Sprechzeit: Ärzte wehren sich gegen Stimmungsmache

Niedergelassene Haus- und Fachärzte bieten im Schnitt nur 29 Stunden pro Woche Sprechzeit für ihre Patientinnen und Patienten an. Das behauptet jedenfalls der GKV-Spitzenverband unter Berufung auf eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa. Doch die Ärzteschaft widerspricht.

Vom Arbeiten am Limit kann bei Fachärzten keine Rede sein, wenn man der Umfrage des Forsa-Instituts  in Einzelpraxen mit Vollzulassung glauben will, die vom GKV-Spitzenverband veröffentlicht wurde. Demnach bringen es Hals-Nasen-Ohren-Ärzte auf rund 27 Wochenstunden, Orthopäden, Augen- und Kinderärzten auf 28 Wochenstunden und Gynäkologen auf 29 Wochenstunden. Hausärzte liegen mit etwas über 30 Wochenstunden knapp drüber. Hausbesuche inklusive.

Ein nicht unerheblicher Anteil bleibe allerdings weit unter diesen Zeiten, behauptet der GKV-Spitzenverband. 25 Prozent der befragten Einzelpraxen bieten demnach weniger als 25 Sprechstunden (inklusive Hausbesuche) pro Woche an und acht Prozent sogar weniger als 20 Sprechstunden. So blieben beispielweise 30 Prozent der Augenärzte in Einzelpraxen und 21 Prozent der Gynäkologen unter dieser Marke.

Die GKV will nicht nachgeben

„Die Umfrage zeigt, dass Ärzte schon heute im Schnitt deutlich mehr als 25 Wochenstunden Sprechzeit anbieten. Dass sie für die nun gesetzlich vorgesehene Erhöhung der Mindestsprechzeiten auf eben diese 25 Wochenstunden insgesamt mehr Geld fordern, ist insofern nicht nachvollziehbar“, so Johann-Magnus v. Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes. Und weiter: „Gleichzeitig machen die Zahlen aber auch deutlich, dass es durchaus einen nicht zu vernachlässigenden Anteil an Ärzten gibt, der weniger als 25 oder gar 20 Wochenstunden Sprechzeit für die Versicherten anbietet. Die Mindestsprechstundenzahl gesetzlich auf 25 Wochenstunden zu erhöhen ist deshalb absolut richtig und notwendig.“

SpiFa zweifelt Ergebnisse an

Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands e.V. (SpiFa) zeigt sich indessen verwundert über die Ergebnisse und die Äußerungen des GKV-Spitzenverbandes. „Wir halten diese Umfrage für unseriös“, so der SpiFa-Vorstandsvorsitzende, Dr. Dirk Heinrich.

Laut Heinrich sind 700 Fachärzte aus mindestens sechs Fachgruppen befragt worden, also maximal 100 einer Fachgruppe. „Das ist viel zu wenig. Offenbar will der GKV-Spitzenverband unmittelbar vor der ersten Lesung des Entwurfs zum TSVG im Bundestag noch einmal Stimmung gegen die Ärzteschaft machen.“

Ärztemonitor kommt zu anderen Ergebnissen

Der Umfrage stehen Zahlen aus dem aktuellen Ärztemonitor entgegen, für den die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der NAV-Virchow-Bund unlängst mehr als 10.000 Ärzte befragten. „Dabei ist eine Sprechstundenzahl von 32 pro Arzt und Woche herausgekommen.“

Heinrich kritisiert, dass von politischer Seite offenbar vor dem Gesetzentwurf keine seriöse Erhebung des Sprechstundenangebots und des vermeintlichen Mehrbedarfs stattgefunden hat. Bei der gesundheitspolitischen Diskussion auf dem SpiFa-Fachärztetag Mitte Oktober sei jedenfalls keiner der anwesenden Politiker in der Lage gewesen, entsprechende Zahlen zu nennen.

Der SpiFa bleibt dabei: Die geforderte Erhöhung der Mindest-Sprechstundenzahl von 20 auf 25 pro Woche ist eine unnötige Gängelung der Kollegen an der Basis. Sie müsse aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) gestrichen werden und kann allenfalls auf freiwilliger Basis und bei entsprechender Vergütung umgesetzt werden.

Zur Realität gehöre nämlich auch, dass Deutschland nach wie vor Weltmeister bei der Zahl der Arztbesuche pro Jahr und Versicherten ist. „Das leisten wir uns, ohne dass über eine sinnvolle Patientensteuerung nachgedacht wird“, sagt Heinrich. Damit werde die Solidargemeinschaft über Gebühr strapaziert, „auf lange Sicht wird das nicht zu finanzieren sein.“ SpiFa-Hauptgeschäftsführer Lars F. Lindemann ergänzt: „Was wir heute in den Verlautbarungen des GKV-Spitzenverbandes zu lesen bekommen, ist nichts als Stimmungsmache gegen die Ärzte. Dagegen verwehren wir uns.“

 

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