2 Experten geben Tipps

Antworten auf die sieben drängendsten Investmentfragen

Was für vernünftige Alternativen gibt es heute zum kaum mehr rentablen Sparbuch, wie sicher sind Versicherungen und was bringt wirklich noch realen Ertrag für die Altersvorsorge? Zwei unabhängige Vermögensexperten klären die wichtigsten Anleger-Anliegen.

Die Anlageprofis Claus Walter, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Freiburger Vermögensmanagement, und Rainer Laborenz, Geschäftsführer der Vermögensberatungsgesellschaft Azemos in Offenburg, haben Antworten für die alltäglichen Probleme der Geldanleger:

1. Frage: Wie lege ich 50.000 Euro sicher aber noch rentabel an, so dass mindestens die Inflationsrate ausgeglichen wird? Das Geld sollte aber jederzeit abrufbar sein.

Walter: Da ist der klassische Konflikt zwischen Rendite, Verfügbarkeit und Sicherheit. Liegt der Fokus auf den Punkten Sicherheit und Verfügbarkeit, kommen für den Großteil des Ersparten nur Tages- oder kurze Festgelder in Frage, obwohl die Zinsen hier oft noch nicht einmal die Geldentwertung ausgleichen. Nur für Kapital, das mittel- bis langfristig nicht gebraucht wird, kann eine attraktivere, aber eben auch schwankungsreichere Anlageform ins Auge gefasst werden, die Aktienkomponenten enthält und langfristig reale Ertragschancen bietet.

2. Lohnt sich eine Riesterversicherung zur Altersvorsorge?

Laborenz: Hier heißt es ganz genau hinzuschauen, denn trotz staatlicher Förderung fressen bei einigen Produkten die Kosten mögliche Erträge schnell auf. Die Garantie der eingezahlten Gelder kann unter dem Strich wenig wert sein, wenn für die Altersvorsorge in Jahrzehnten gespart wird und die Erträge noch nicht einmal die Inflation ausgleichen. Hinzu kommt der negative Effekt der nachgelagerten Besteuerung.

3. Frage: Ist Gold eine gute Anlage, insbesondere als Schutz vor Inflation und Europroblemen?

Walter: Gold als alleinige Anlageform kann extremen Wertschwankungen unterliegen und bietet keine laufende Verzinsung. Das spricht nicht gegen eine kleine Goldreserve für Notzeiten, aber nach dem Prinzip “Nicht alle Eier in einen Korb legen” sollten Sie beispielsweise auch in Aktien investieren. Als Anteile am Produktivvermögen haben sie sich historisch ebenfalls als Inflationsschutz bewährt.

4. Frage: Ist es noch sinnvoll in Immobilien zu investieren, obwohl die Preise schon so hoch sind?

Laborenz: In manchen sehr begehrten Regionen mag es eine Preisübertreibung geben, aber insgesamt ist der deutsche Markt nicht völlig überbewertet. Grundsätzlich sollten Sie dabei differenzieren, ob Sie ein Haus oder eine Wohnung selbst nutzen oder es als reines Anlageobjekt erwerben wollen. Bei einem Eigenheimkauf machen Sie sich unabhängig vom Mietmarkt, aber trotzdem müssen die finanziellen Voraussetzungen selbst bei niedrigen Bauzinsen stimmen. Achten Sie auf genug Spielraum für Unvorhersehbares! Handelt es sich dagegen um ein reines Investment, sollten Sie auch hier nicht alles auf eine Karte setzen, sondern diversifizieren.

5. Stehen wir vor einem Crash an den Aktienmärkten?

Walter: Wer in Aktien investiert, muss immer auch mit einem Crash rechnen. Ob dieser aber nächste Woche, nächstes Jahr oder erst im nächsten Jahrzehnt kommt, weiß niemand. Es hat sich jedoch gezeigt: Wer langfristig am Aktienmarkt engagiert ist, für den spielen kurzfristige Schwankungen keine so große Rolle. Vorausgesetzt, es wird breit in solide Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen investiert, waren Aktien auf lange Sicht stets eine gute Wahl.

6. Frage: Ich habe 100 Euro monatlich zum Sparen übrig, lohnt sich dafür eine private Rentenversicherung?

Laborenz: Versicherungen sind grundsätzlich wenig flexibel und meist mit erheblichen Kosten verbunden, dafür bieten sie eine hohe Kalkulierbarkeit. Sie könnten die 100 Euro alternativ in Aktien- oder Fondssparpläne fließen lassen. Dabei kann die Höhe der Einzahlung Ihrer jeweiligen Situation angepasst werden oder Sie können bei Bedarf auch schon vor dem Erreichen des Rentenalters darauf zugreifen. Allerdings sollten Sie auch mit den möglichen Wertschwankungen einer solchen Anlageform leben können.

7. Frage: Was halten Sie vom Erwerb von Anteilen an Solaranlagen?

Walter: In Solaranlagen angelegtes Geld ist relativ illiquide, deswegen sollte nicht das ganze Kapital in eine solche Anlageform fließen, um ein Klumpenrisiko zu vermeiden. Da es sich bei Solaranteilen in der Regel um ein Beteiligungsangebot handelt, müssen vorab die Konditionen genau geprüft werden, um die Risiken abschätzen zu können. Alternativ könnte eine nach Nachhaltigkeitskriterien breit gestreute Wertpapieranlage eine gute Mischung aus Flexibilität und Rendite sein. (Florian Junker)

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