Krankheitstage und Kosten reduzieren

Anwesenheitsprämien für MFA: so funktioniert’s

Ärzte können Mitarbeiter mit besonders wenigen Fehltagen mit sogenannten Anwesenheitsprämien finanziell belohnen. Sie sollten dabei aber mit sehr viel Fingerspitzengefühl agieren, damit der Motivationsversuch nicht noch zusätzliche Kosten verursacht.

Der Krankenstand in Deutschland steigt. Jüngste Erhebungen der Techniker Krankenkasse (TK) zeigen: Versicherte Erwerbspersonen waren 2015 durchschnittlich 15,4 Tage krankgeschrieben. Das entspricht einem Krankenstand von 4,23 Prozent – der höchste Wert seit Beginn der TK-Gesundheitsberichterstattung.

Niedergelassene Ärzte dürfte das nur bedingt überraschen. Schließlich stellen sie selbst Tag für Tag etliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aus. Einerseits. Andererseits nehmen sie in ihrer Eigenschaft als Arbeitgeber die berühmt-berüchtigten gelben Scheine aber auch immer wieder selbst entgegen – und leiden unter den Folgen. Denn fällt ein Mitarbeiter aus, bleibt Arbeit liegen, andere Mitarbeiter müssen doppelt so viel leisten. Auch die finanziellen Aspekte sind erheblich, denn Arbeitgeber in Deutschland sind verpflichtet, kranke Mitarbeiter mindestens sechs Wochen lang ohne Abschläge weiter zu bezahlen.

Bitte, bleiben Sie gesund!

Kein Wunder, dass sich immer mehr Ärzte bemühen, aktiv den Krankenstand zu senken und ihre Belegschaft gesund und arbeitsfähig zu erhalten. Der beste Weg, dieses Ziel zu erreichen, ist ein gutes Betriebsklima. Dass tut zwar nichts gegen Noroviren und anderen Krankheitserreger. Fakt ist aber, dass eine schlechte Unternehmenskultur mit einem deutlich höheren gesundheitlichen Risiko für Mitarbeiter einher. Das zeigt eine Befragung unter rund 2.000 Beschäftigten im aktuellen Fehlzeiten-Report 2016 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK.  Danach ist jeder Vierte, der die Arbeitskultur in seinem Betrieb als schlecht bewertet, auch mit der eigenen Gesundheit unzufrieden. Bei den Befragten, die ihr Unternehmen positiv sehen, war es nur jeder Zehnte.

In jüngerer Vergangenheit hat allerdings noch ein anderes Konzept von sich reden gemacht: Wer ohne oder mit besonders wenig Fehltagen auskommt, erhält vom Chef am Ende des Jahres eine sogenannte Anwesenheitsprämie – zusätzlich zum normalen Gehalt.

Arbeitsrechtler berichten, dass sich die Ausfallzeiten mit diesem Modell oft um fünf bis sechs Tage pro Jahr senken lassen. Allerdings gibt es auch Kritik: Mitarbeiter haben schließlich nur einen begrenzten Einfluss auf ihren Gesundheitszustand – und niemandem ist ernsthaft damit gedient, dass sich kränkelnde Beschäftigte in die Praxis schleppen und zum Ansteckungsrisiko für Patienten und Kollegen werden. Juristisch sauber ausgestaltet, können Anwesenheitsprämien aber dennoch sinnvoll sein.

Vom Anwalt absegnen lassen

Die wohl wichtigste Regel lautet: Regelungen über Anwesenheitsregeln sollten schriftlich im Arbeitsvertrag niedergelegt werden und idealerweise von einem Anwalt überprüft werden. Fehler in der Formulierung können dazu führen, dass ein Gericht die gesamte Zusatzvereinbarung kippt und den Arzt dazu verdonnert, die Anwesenheitsprämie auch dann zu zahlen, wenn der Beschäftigte dauerkrank war.

Heikel ist vor allem der Passus, der festschreibt, wann und um welchen Betrag die Prämie im Krankheitsfall gekürzt werden darf. Paragraph 4 a Satz 2 des Entgeltfortzahlungsgesetzes schreibt vor, dass dem Beschäftigten maximal ein Viertel seines durchnittlichen Tagesverdiensts gekürzt werden darf. Wie dieser „durchschnittliche Tagesverdienst“ ermittelt wird, ist im Einzelfall aber kompliziert. Wer sich hier in die Hände eines Experten begibt, spart sich und seiner Belegschaft viel Ärger, schont das Betriebsklima und fördert auch damit (siehe oben) die Gesunderhaltung seines Teams.

Juristische Fehler vermeiden

Nicht erlaubt sind außerdem rückwirkende Prämien-Zusagen. Der Grund: Anwesenheitsprämien sollen Arbeitnehmer dazu motivieren, möglichst selten in der Praxis zu fehlen. Diesen Zweck kann das Instrument aber nur erfüllen, wenn auf künftige Fehltage abgestellt wird. Eine Regelung, die auf vor dem Bekanntwerden der Regelung liegende Fehltage abstellt, ist daher grundsätzlich unwirksam (BAG, Az. 10 AZR 482/93).

Mit Augenmaß agieren

Praktische Probleme kann es außerdem  geben, wenn besonders motivierte Mitarbeiter sich krank in die Praxis schleppen– egal ob für die Prämie oder aus falsch verstandenem Pflichtbewusstsein. Schickt der Arzt sie aufgrund seiner Fürsorgepflicht nach Hause, bringt er sie damit um einen Teil seiner Prämie.

Tipp: Wer ein gutes Betriebsklima dauerhaft erhalten will, sollte in solchen Konstellationen großzügig sein und zumindest den ersten Tag der Abwesenheit nicht als Fehltag verbuchen. 

Anzeige

Datenschutz in der Arztpraxis Teil 2: Auch Ärzte müssen sich gegen Cyber-Attacken absichern

Recherchen im Internet und die Kommunikation per E-Mail gehören in vielen Arztpraxen zum Arbeitsalltag. Gleichzeitig sind im Praxisnetzwerk die Gesundheitsdaten der Patienten und somit hochsensible P... Mehr
Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

Weitere Artikel zum Thema:

Steuermonitor

Steuerfreie Vorteile für Mitarbeiter


Marburger Bund

Sonderkonditionen für Mitglieder



Medizinische Fachangestellte

Prämiengutscheine für Fortbildungen



Anzeige