Jährliche Steigerungsrate weit unter Durchschnitt

Arbeitskosten: Deutschland im oberen Mittelfeld

Durch eine starke Lohnentwicklung hat die Entwicklung der Arbeitskosten in Deutschland in den letzten fünf Jahren angezogen. Zu diesen Ergebnissen kommt der neue Arbeits- und Lohnstückkostenreport, den das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung in Berlin vorgestellt hat.

Zu den Arbeitskosten zählen neben dem Bruttolohn die Arbeitgeberanteile an den Sozialbeiträgen, Aufwendungen für Aus- und Weitebildung sowie als Arbeitskosten geltende Steuern. 2016 mussten deutsche Arbeitgeber in der Privatwirtschaft 33,60 Euro pro geleistete Arbeitsstunde aufwenden. Höher liegen die Arbeitskosten in sechs Ländern: In Dänemark, Belgien, Schweden, Luxemburg, Frankreich und Finnland müssen zwischen 33,70 und 43,80 ausgegeben werden. Deutschland rangiert bei den Arbeitskosten für die private Wirtschaft somit weiterhin im oberen Mittelfeld Westeuropas.

Mit nominal 2,5 Prozent lag der Zuwachs der deutschen Arbeitskosten 2016 klar oberhalb des sehr niedrigen Durchschnitts von EU (1,6 Prozent) und Euroraum (1,3 Prozent). Doch das ist kein Grund zur Sorge: Schaut man auf den längeren Zeitraum von 2000 bis 2016, bleibt die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der deutschen Arbeitskosten mit 2,0 Prozent weiter deutlich hinter den Durchschnitten von Euroraum (2,4 Prozent) und EU (2,7 Prozent).

Fast gleichauf mit den deutschen sind die Arbeitskosten in den Niederlanden (33,40 Euro), Österreich (32,80 Euro) folgt mit geringem Abstand. Der Durchschnitt des Euroraums liegt bei 29,80 Euro. Etwas darunter folgen Irland, das 2016 Arbeitskosten von 29,20 Euro auswies und Italien (27,00 Euro). Die Arbeitskosten in Großbritannein (26,10 Euro) sind in Euro gerechnet kräftig zurückgegangen. Das beruht aber auf dem Wertverfall des Pfunds. In einheimischer Währung stiegen sie um 1,5 Prozent.

In den meisten südeuropäischen EU-Staaten betragen die Arbeitskosten zwischen 21,10 Euro (Spanien) und 12,50 Euro (Malta). Die alten EU-Länder Griechenland und Portugal liegen mittlerweilie hinter dem EU-Beitrittsland Slowenien, wo mittlerweile 16 Euro aufgewendet werden müssen. In Estland, der Slowakei, der Tschechischen Republik, Kroatien, Polen, Ungarn, Lettland und Litauen betragen die Stundenwerte zwischen 11,30 und 7,50 Euro.

In den meisten dieser Länder waren die Steigerungsraten mit bis zu 8,4 Prozent im vergangenen Jahr überdurchschnittlich, während die Entwicklung in den meisten (ehemaligen) Krisenländern teils leicht negativ war (Italien, Portugal), teils nahezu stagnierte, was auch in Belgien, Finnland und Österreich der Fall war. Schlusslichter sind Rumänien und Bulgarien mit Arbeitskosten von 5,40 bzw. 4,40 Euro pro Stunde, allerdings bei Zuwächsen von 8 bis rund 10 Prozent.

Im Verarbeitenden Gewerbe betrugen 2016 die Arbeitskosten in Deutschland 39,00 Euro pro Arbeitsstunde. Im EU-Vergleich steht die Bundesrepublik damit wie im Vorjahr an vierter Stelle als Teil einer größeren Gruppe von Industrieländern, die deutlich über dem Euroraum-Durchschnitt von 32,40 Euro liegen.

Im privaten Dienstleistungssektor lagen die deutschen Arbeitskosten 2016 mit 30,60 Euro weiterhin an neunter Stelle nach den nordischen EU-Staaten, den Benelux-Ländern, Frankreich und Österreich. Den höchsten Wert wies Dänemark mit 44,20 Euro aus, der Durchschnitt im Euroraum beträgt 28,80 Euro, in der gesamten EU 25,90 Euro. 2016 stiegen die Arbeitskosten im deutschen Dienstleistungssektor um 2,4 Prozent. Damit lag der Zuwachs über dem Durchschnitt in EU (1,5 Prozent) und Euroraum (1,2 Prozent), war aber niedriger als 2015 (2,7 Prozent).

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