Trend zu hochpreisigen Arzneimitteln

Arzneiverordnungs-Report 2017: Ausgaben um 3,9 Prozent gestiegen

Die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel sind im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent gestiegen. Das Verordnungsvolumen stieg zeitgleich nur um 2,1 Prozent. Hintergrund dieser Entwicklung ist der anhaltende Trend zu hochpreisigen Arzneimitteln.

Die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen inklusive der Zuzahlung der Versicherten lagen 2016 bei rund 38,5 Milliarden Euro. Das ist ein Plus von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zugleich ist das Verordnungsvolumen nur um 2,1 Prozent gestiegen. 2016 wurden demnach mehr, aber vor allem auch teurere Arzneimittel verordnet, sagte Prof. em. Dr. med. Ulrich Schwabe, Herausgeber des Arzneiverordnungs-Reports 2017.

Der anhaltende Trend zu neuen hochpreisigen Arzneimitteln im patentgeschützten Markt zeigt sich unter anderem an der Entwicklung der höchsten Bruttoumsätze je Verordnung. Das teuerste eine Prozent aller Produkte hatte 2006 mindestens einen Bruttoumsatz von 946 Euro je Verordnung. 2016 waren es bereits mindestens 3.979 Euro.

Ein Großteil der Ausgaben entfiel laut Report auf gentechnologisch hergestellte Biologika. Von 2006 bis 2016 hat sich ihr Umsatz auf 7,8 Milliarden Euro erhöht. Dieser Wachstumstrend wird sich vermutlich auch in den nächsten Jahren fortsetzen: Mittlerweile ist beinahe jeder dritte neue Wirkstoff im deutschen Markt ein Biologikum. Für sieben Biologika waren in Deutschland Ende 2016 Biosimilars zugelassen.

Die Pharmaindustrie in Deutschland darf den Preis ihres patentgeschützten Produkts in den ersten zwölf Monaten nach dem Marktzugang frei festlegen. Nach einem Jahr gilt dann ein zwischen dem Anbieter und dem GKV-Spitzenverband auf der Grundlage der Frühen Nutzenbewertung ausgehandelter Erstattungspreis.

Neben der Preisentwicklung sehen die Initiatoren der Studie bei patentgeschützten Arzneimitteln auch den Trend zu mehr beschleunigten Zulassungsverfahren. Deren Ziel ist es, neue Wirkstoffe für die medikamentöse Behandlung seltener Erkrankungen möglichst schnell für betroffene Patienten zugänglich zu machen. In Deutschland betraf das im Jahr 2016 bereits fast jedes dritte neue Arzneimittel. Im Jahr 2011 waren es noch unter zehn Prozent.

Hintergrund: Im Arzneiverordnungs-Report werden die Arzneimittel-Rezepte für die Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) analysiert. Sämtliche Analysen im Arzneiverordnungs-Report basieren auf den Verordnungsdaten des GKV-Arzneimittelindex. Das Projekt GKV-Arzneimittelindex, das ein Projektbeirat mit allen relevanten Beteiligten im Arzneimittelmarkt begleitet, wird im Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) seit 1985 durchgeführt.

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