Berufung zurückgenommen

Arztbewertung auf Jameda.de: Gekaufte Platzierung muss erkennbar sein

Ist die Top-Platzierung des Arztes in einem Bewertungsportal wie Jameda nur gekauft, muss das für Verbraucher deutlich erkennbar sein. Es soll verhindert werden, dass bei potentiellen Patienten der Eindruck entsteht, dieser Arzt sei im Internet von anderen Nutzern besonders gut bewertet worden. Ein entsprechendes Urteil fiel bereits im März, jetzt hat Jameda die dagegen gerichtete Berufung zurückgenommen.

Im März 2015 erwirkte die Wettbewerbszentrale vor dem Landgericht München ein Urteil gegen das Arztempfehlungsportal Jameda GmbH (Az.: 37 O 19570/14). Patienten können hier online nach Ärzten verschiedener Fachrichtungen suchen und erhalten neben Informationen zur Praxis auch eine Bewertung. Die Ergebnislisten werden anhand von Patientenbewertungen erstellt.

Das Geschäftsmodell von Jameda sieht unter anderem das Angebot eines so genannten Premium-Pakets für Ärzte in dem Portal vor. Damit können Arztpraxen eine bevorzugte Platzierung jeweils an oberster Stelle der jeweiligen Ergebnisliste erwerben. Die Top-Platzierung des Profils im Bewertungsportal wird zudem farblich hervorgehoben.

Kostenpflichtiges Profil im Portal

Dort, wo bei anderen Ärzten die Position im Ranking von Jameda angegeben wurde, befand sich bei den so platzierten Profilen allerdings nur ein Sternchen. Der so dargestellte Arzt wurde mit einem Hinweis am rechten Seitenrand als „Premium-Partner“ von Jameda bezeichnet. Wenn man mit dem Cursor über das Wort „Premium-Partner“ fuhr, erschien ein Hinweis darauf, dass es sich um einen kostenpflichtigen Eintrag in dem Portal handelte.

Landgericht bestätigt Irreführung

Die Wettbewerbszentrale klagte und vertrat vor Gericht die Auffassung, dass der Erwerb einer Top-Platzierung in dem Bewertungsportal eine gekaufte Werbung sei, die als solche auch deutlich gekennzeichnet werden müsse. Das Landgericht München I sah die Darstellung ebenfalls als irreführend an und verurteilte Jameda zur Unterlassung.

Potentielle Patienten würden die Internetseite nach den Ärzten absuchen, die am besten bewertet werden, und seien daher besonders empfänglich für solche Arztprofile, die in den entsprechenden Rankings an oberster oder weit oberer Stelle aufgeführt würden. Der Patient verstehe aber nicht unbedingt, dass der an oberster Stelle geführte Arzt die Zusatzoption „Top Platzierung“ gekauft habe. Diese Information werde nicht deutlich genug gemacht.

Jameda legte gegen das Urteil zunächst Berufung ein, hat diese in der mündlichen Verhandlung vor dem Oberlandesgericht München (Az. 29 U 1445/15) jetzt aber zurückgenommen. Wie das Unternehmen in einer offiziellen Stellungnahme mitteilt, habe man das Urteil akzeptiert und die Kennzeichnung der „Top-Platzierung“ angepasst, um etwaige Missverständnisse seitens der Nutzer im Internet auszuschließen.

Bewertungsportal akzeptiert Urteil

Der kostenpflichtige Eintrag sei bisher nur in wenigen Städten gebucht worden und werde in der Arzt-Auskunft nun explizit als „Anzeige“ statt wie bisher als „Premium-Partner“ gekennzeichnet. Die weiteren Merkmale der „Top-Platzierung“ bleiben hingegen erhalten. Farblicher Hintergrund, Verzicht auf Angabe eines Ranking-Platzes und weiterer Elemente der Suchergebnisliste sollen den Unterschied noch deutlicher machen.

Eine Bewertung für den Top-Platzierten können Nutzer an dieser Stelle nicht abgeben. Wie das Unternehmen betont, sei eine Platzierung in der Rangliste der Ärzte weiterhin nicht käuflich zu erwerben, sondern erfolge ausschließlich aufgrund der Durchschnittsnoten der Ärzte und der Anzahl ihrer Bewertungen: „Es war nie die Absicht von jameda, Nutzer des Portals darüber hinwegzutäuschen, dass es sich bei der „Top-Platzierung“ um einen kostenpflichtigen Eintrag handelt.“ (LG München, Urt. v. 18.03.2015, Az. 37 O 19570/14).

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