Mehr Respekt

Arztbewertungsportal jameda: Neue Verhaltensregeln für Patienten

Das Bewertungsportal jameda hat neue Richtlinien, um ein gesittetes Miteinander von Arzt und Patient auch online sicherzustellen. Für Praxisinhaber sind das gute Nachrichten. Doch grundsätzliche Probleme bleiben.

Der Platzhirsch macht ernst. Jameda, das nach eigenen Angaben größte Arztbewertungsportal Deutschlands, hat sich mit der zunehmenden Verrohung von Sprache im Internet beschäftigt und Konsequenzen gezogen.

So teilte das Münchner Unternehmen unlängst mit, man habe erkannt, dass der rechtliche Rahmen beim Kampf gegen Hassrede nicht weit genug gehe. Vor diesem Hintergrund „und auf Basis der festen Überzeugung, dass Gesundheit ein ehrliches Miteinander braucht“, hätten die Verantwortlichen neue Richtlinien für das Verfassen von Patientenberichten aufgestellt. Sie sollen ein deutliches Zeichen gegen Beleidigung, Hassrede, Diffamierung, Diskriminierung, Rassismus und Respektlosigkeit jeglicher Art setzen.

Bitte recht freundlich

Das Rad neu erfunden haben die Macher des Bewertungsportals mit ihrem Vorstoß allerdings nicht. Im Wesentlichen normieren die neuen Richtlinien unter dem Oberbegriff „Res­pektvoller Umgangston“ nicht mehr und nicht weniger als die Mindeststandards eines kultivierten zwischenmenschlichen Umgangs. Wörtlich heißt es dort: „Auch wenn es Anlass zur Kritik gibt, bitten wir beim Verfassen von Beiträgen Folgendes zu berücksichtigen: Es wird über einen Menschen geurteilt, jeder hat einen Anspruch auf Hilfe, aber niemand eine Garantie für Heilung und oft gibt es mehr als eine Ansicht darüber, welche Diagnose oder Therapie die richtige ist. Die Sprache sollte deshalb bei aller Verärgerung und Enttäuschung grundsätzlich von Ach­tung der Person gegenüber geprägt und frei von Demütigung, Herablassung und Aggression sein.“ Patienten, die ihrem Frust dennoch in unflätiger beziehungsweise rechtswidriger Art und Weise Luft machen, müssen damit rechnen, dass ihre Kommentare nie veröffentlicht oder gelöscht werden. Beleidigungen, üble Nachrede, Verleumdung und Inhalte, die Drohungen enthalten, das Recht auf Privatsphäre verletzen sowie hetzerisch, diskriminie­rend, rassistisch, betrügerisch oder erpresserisch sind, will das Bewertungsportal ebenso wenig akzeptieren wie Beiträge, die obszön, anstößig oder anzüglich sind. Bei offensichtlichen Rechtsverletzungen wird der Post daher direkt gelöscht oder nicht veröffentlicht.

Auffällige Bewertungen werden geprüft

Auffällige Bewertungen, bei denen der hinterlegte Algorithmus kein eindeutiges Ergebnis liefert, werden hingegen an Mitarbeiter des Unternehmens weitergeleitet, die laut Jameda „ohne den Kundenstatus der betreffenden Ärzte zu berücksichtigen“ entscheiden, ob diese Kommentare noch tragbar sind. Ist dies nicht der Fall, schicken die Mitarbeiter die Beiträge mit der Bitte um Korrektur an den Verfasser zurück. Weigert sich der Patient, seine Kritik gefälliger zu formulieren, wird diese Patientenbewertung ebenfalls entfernt.

Ärzte werden früher informiert

Ein weiterer Bestandteil für die neue Strategie ist die bereits umgesetzte Neuerung, die betroffenen Ärzte schon vor Veröffentlichung über den Eingang eines Berichtes zu informieren und ihnen so die Möglichkeit zu einer direkten Reaktion zu bieten. Zwar können die Mediziner der Veröffentlichung eines Berichtes nicht widersprechen, sie können diesen bei Zweifeln an der Rechtmäßigkeit aber zumindest melden.

Die rechtliche Situation von Praxisinhabern verändert sich durch die Neuerungen aber nicht grundlegend. Ärztinnen oder Ärzte, die gegen eine Bewertung vorgehen wollen, können Jameda zwar auffordern, eine rechtswidrige Bewertung zu entfernen. Reagiert das Portal darauf nicht oder weigert es sich, den Post zu löschen, besteht auch weiterhin nur die Möglichkeit einer Abmahnung. Ist diese erfolglos, bleibt nur der Weg vor Gericht.

MEHR KONTROLLE
Auffällige Bewertungen will Jameda künftig noch stärker überprüfen. Doch nicht nur kritische Anmerkungen sind betroffen.

  • Verboten sind neben Hassrede auch Beiträge, die nicht Patienten, sondern spezielle Dienstleister erstellt haben.
  • Gleiches gilt für Kommentare, die per Fragebogen oder durch vergleichbare Methoden erfasst und anschließend von Agenturen oder auch Praxismitarbeitern eingestellt wurden.

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