Gehalt vergleichbarer Ärzte in Kliniken deutlich höher

Das Einkommen der niedergelassenen Ärzte steigt langsamer als die Reallöhne

Der Jahresüberschuss, den niedergelassene Ärzte in ihren Arztpraxen erwirtschaften, steigt zwar, dennoch bleibt das Arzteinkommen hinter der allgemeinen Reallohnentwicklung zurück. Das zeigen die Ergebnisse des Zi-Praxis-Panels, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung veröffentlicht hat.

Was Hausärzte und Fachärzte wirklich verdienen

Ob in der eigenen Praxis oder als Mitarbeiter in einem Krankenhaus: Ärzte verdienen überdurchschnittlich viel. Das legen zumindest Statistiken nahe, in denen Gehälter bzw. Einkommen der verschiedenen Berufe verglichen werden. Es gibt allerdings auch Zahlen, die insbesondere das Einkommen der niedergelassenen Mediziner in einem deutlich weniger rosigen Licht erscheinen lassen.

So ist dem aktuellen Zi-Praxis-Panel zufolge der Jahresüberschuss in den Arztpraxen im Jahr 2015 zwar leicht gestiegen, blieb damit aber deutlich hinter der allgemeinen Reallohnentwicklung zurück. Die entsprechenden Ergebnisse wurden jetzt vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung veröffentlicht.

Niedergelassene Ärzte erwirtschaften höheren Überschuss

Der Jahresüberschuss der niedergelassenen Hausärzte, Fachärzte (Vertragsärzte) und Vertragspsychotherapeuten stieg demnach im Jahr 2015 um durchschnittlich 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Bruttomonatsverdienste in Deutschland erhöhten sich laut dem Statistischen Bundesamt im gleichen Zeitraum dagegen um 2,4 Prozent. Hier bleiben Ärzte also deutlich hinter dem Durchschnitt zurück, wenn auch auf einem im Durchschnitt doch schon recht hohem Niveau. Allerdings müssen niedergelassene Ärzte aber auch deutlich mehr leisten, als beispielsweise ein Chefarzt oder Oberarzt in einer Klinik. Sie tragen das unternehmerische Risiko und kommen in der Regel auch auf mehr Arbeitsstunden pro Woche.

„Wir konnten erreichen, dass sich die wirtschaftliche Lage vieler Praxen in den vergangenen Jahren stabilisiert hat. Doch noch immer wird jede zehnte Untersuchung und Behandlung von den Krankenkassen nicht bezahlt“, kommentiert der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, die Zahlen.

Der Beruf des niedergelassenen Arztes erfordert hohe Investitionen

Er kritisierte, dass die steigenden Praxiskosten den Ärzten von den Kassen nicht adäquat erstattet würden. Auch ein Grund, warum ein Praxisinhaber im Vergleich zum Chefarzt eines Krankenhauses immer weniger verdient. Der fehlende Ausgleich, so Gassen, erweise sich mehr und mehr als Investitionsbremse bei Hausärzten und Fachärzten. Viele Praxisinhaber scheuten teure Anschaffungen in der Sorge, auf den Kosten sitzenzubleiben und das Geld nicht mehr erwirtschaften zu können. Der medizinische Fortschritt erfordere also andere finanzielle Rahmenbedingungen für die vertragsärztliche Versorgung der Patienten.

Arzteinkommen liegt beim Nettostundensatz von 35 Euro

Nach der Erhebung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) lag der durchschnittliche Jahresüberschuss eines niedergelassenen Arztes im Jahr 2015 bei 160.820 Euro bzw. 13.402 Euro pro Monat. Darin sind Einnahmen der Ärzte aus kassen- und privatärztlicher Tätigkeit enthalten. Das darf allerdings nicht damit verwechselt werden, was der Arzt nach Abzug der Kosten dann tatsächlich verdient.

Das verfügbare Nettoeinkommen belief sich nach Abzug der Beiträge für die Altersvorsorge, Kranken- und Pflegeversicherung sowie der Einkommenssteuer auf 80.295 Euro. Dies entspricht einem Einkommen von 6.691 Euro pro Monat oder einem Nettostundensatz von 35 Euro – ausgehend von einer durchschnittlichen 50-Stunden-Woche. Fachärzte, Oberärzte und Chefärzte, die im Krankenhaus eine Position mit Personalverantwortung inne haben, verdienen in der Regel deutlich mehr, nämlich 84.000, 130.000 bzw. 285.000 Euro, wie eine Kienbaum-Studie zeigt. Nur der Assistenzarzt in der Klinik liegt mit ca. 68.000 Euro Gehalt noch unter dem, was Praxisinhaber verdienen.

Höhere Ausgaben für Personal

Der Gesamtumsatz aller Praxen stieg im Jahr 2015 im Vergleich zu 2014 um 2,4 Prozent, seit 2012 um 10,2 Prozent. Einzelpraxen kamen dabei im Durchschnitt auf 276.400 Euro, während Gemeinschaftspraxen bei 378.400 Euro lagen.

Gleichzeitig erhöhten sich die Gesamtaufwendungen der Ärzte um 2,8 Prozent und im Rückblick auf 2012 insgesamt um 9 Prozent. Kosten für Mitarbeiter haben prozentual mit am stärksten zugelegt. Von 2012 bis 2015 stiegen die Ausgaben für Personal um 18,1 Prozent. Dies entspricht 12.000 Euro je Praxisinhaber und ist damit größter Posten der Mehrausgaben.

Zurückhaltung bei Investitionen

Bei der Investition in neue Geräte sind die Praxisinhaber eher zurückhaltend. Die Werte für Abschreibungen sanken 2015 im Verhältnis zu 2014 um 5,9 Prozent. Mit Blick auf das Jahr 2012 verringerten sich die Abschreibungen insgesamt um 14,4 Prozent. Dies lässt den Wissenschaftlern zufolge vermuten, dass die Neuanschaffung von Geräten eher vermieden wird.

Die Bedeutung der Umsätze aus kassenärztlicher Tätigkeit für die wirtschaftliche Lage der niedergelassenen Ärzte nimmt zu, wie das Zi-Praxis-Panel zeigt. Lag der Anteil der GKV-Umsätze 2012 noch bei 73,5 Prozent, betrug er 2015 laut ZiPP 74,9 Prozent. Hierbei werden als GKV-Umsätze sowohl über Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) abgerechnete kollektiv- als auch selektivvertragliche Leistungen angesehen.

Hintergrund zur Zi-Befragung:

Mit dem ZiPP hält das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung jährlich die Kosten, Umsätze und Überschüsse von Praxen fest. Die aktuellen Ergebnisse basieren auf der im Jahr 2016 durchgeführten Befragung. Sie umfassen die Jahre 2012 bis 2015. Analysiert wurden die Angaben von über 4.300 Praxen aus allen ärztlichen Fachgebieten sowie der Psychologischen Psychotherapeuten.

Der vollständige Bericht soll bis Ende 2017 vorliegen. Berücksichtigt werden sowohl die Einnahmen aus kassenärztlicher als auch aus privatärztlicher Tätigkeit. Basis bildet die steuerliche Überschussrechnung der Praxen. Auftraggeber sind die KVen und die KBV.

Quelle: KBV, ZiPP

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