Berufshaftpflicht

Arzthaftpflicht: Leistungen steigen – Unterversicherung droht

Prämien werden teuer, weil Leistungen steigen. Und die Spirale dreht sich konstant weiter. Vielen Ärzten droht akut oder zumindest in naher Zukunft eine gefährliche Unterversicherung.

Jedem Arzt kann es passieren. Er steht ja nicht nur für die eigenen Fehler ein, sondern auch für die der angestellten Mitarbeiter. Ein Fehler kann den Ruin bedeuten, wenn die Deckungssumme nicht ausreicht. Immer öfter hört man von der „dramatischen Verteuerung von Personenschäden im Heilwesen“. Die Gründe sind hinreichend bekannt – vom medizinischen Fortschritt über das mangelnde Qualitätsmanagement bis zur patientenfreundlichen Rechtsprechung.

Einige Versicherer bieten die Sparte der Arzthaftpflicht deshalb gar nicht mehr an. Sie haben sich zurückgezogen. Andere kündigen zum Ablauf der Verträge. Oder sie unterbreiten neue Offerten mit schlechteren Bedingungen und drastisch erhöhten Prämien. Hochrisikogruppen wie geburtshilflich tätige Gynäkologen oder Chirurgen haben beim Thema Berufshaftpflicht schon lange ganz schlechte Karten.

Leistungen pro Fall steigen enorm

Allerdings: Die Zahl der Schadenfälle stagniert indes auf hohem Niveau. Was nicht stagniert, sind die Entschädigungen pro Fall, die rasant ansteigen. Experten gehen bundesweit rund 40.000 Behandlungsvorwürfen aus, von denen jeder dritte berechtigt sei. „Statistisch gesehen muss ein Arzt alle sieben Jahre mit einem Behandlungsfehlervorwurf rechnen“, sagt Dr. Dieter Laum, EX- Präsident des Kölner OLG.

Obwohl die Berufshaftpflicht für Ärzte eine Pflichtversicherung ist, schreiben die Berufsverbände keine konkreten Deckungssummen vor. Die Kammern empfehlen indes Mindeststandards bei der Versicherungssumme. Wie gesagt: Ärzte haften im Schadensfall mit ihrem Privatvermögen, wenn es keine ausreichend hohe Deckungssummen gibt. Das gilt insbesondere für das Kernrisiko des Arztes, den Personenschaden.

Im Extremfall kommen zusätzlich zur Erstattung von Behandlungskosten sowie Schmerzensgeld noch weitere finanzielle Forderungen gegen den Mediziner hinzu. Selbst lebenslange Renten können dem geschädigten Patienten zugesprochen werden. Daher ist eine Deckungssumme von mindestens drei, besser noch von fünf Millionen Euro sinnvoll.

2-Mio-Deckung zu wenig

Leider haben noch viele Ärzte nur eine Arzthaftpflicht mit bis zu 2 Millionen Euro Deckung für Personen- und Sachschäden. Die kann man theoretisch gegen einen Zuschlag aufstocken. Aber nicht jedes Unternehmen macht da mit. Und da liegt die Krux. Viele Gesellschaften blocken, halten sich zurück.

Die Versicherungsmakler, die den Markt kennen, wissen das. Einer von ihnen, Bernd Helmsauer aus Nürnberg, hat zur Selbsthilfe gegriffen: Er hat den Summenexcedenten in der Berufshaftpflicht für Ärzte entwickelt. Ärzte können günstiger die Deckungssumme über einen Rahmenvertrag des Maklers erhöhen (zum Beispiel von drei auf fünf oder 7,5 Millionen), als wenn sie teilweise ihre alten und bestehenden Versicherungsverträge aufstocken. Hier erfolgt auch keine Überprüfung nach Vorschäden. Nachteil allerdings: Die Grunddeckung besteht dann bei dem ersten Versicherer und die Deckungssummenerhöhung bei einem anderen Anbieter. Man hat also im Falle des Falles mit zwei Versicherern zu tun.

Ganz wichtig: Pflegefälle können nicht mit den heutigen Kosten bewertet werden. Diese steigen 3-4mal so schnell wie die Inflationsrate. Heute aktuelle Deckungssummen werden eben in 10-20 Jahren nicht mehr ausreichen, heute entstandene Pflegeschäden zu bedienen.

Zudem hat das OLG Hamm vor kurzem ein bahnbrechendes Urteil gefällt: Mehrere einfache Behandlungsfehler können in der Gesamtbetrachtung einen groben Behandlungsfehler mit der daraus ergebenden Beweislastumkehr ergeben.

 

Wie soll eine Top-Haftpflichtpolice aussehen?

Deckungssumme fürPersonen- und Sachschäden – 5 Mio. € (ohne Begrenzung der Höchstersatzleistung je Person)
Deckungssumme für Mietsachschäden 1-2 Mio. €
Deckungssumme fürVermögensschäden 200.000 €, ohne Selbstbehalt
Medizingeräte beitragsfrei mitversichert,
Nachhaftungsversicherung beitragsfrei mitversichert
Erweiterter Strafrechtsschutz Kostenfrei mitversichert
Kündigung im Schadenfall Nicht möglich
Privathaftpflicht Beitragsfrei mitversichert
Geltungsbereich Europaweit unbegrenzt,weltweit 1 Jahr

 

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