Klare Regelungen gefordert

Banken sollten Kunden warnen

Lernen die Banken aus dem Desaster der Finanzkrise? Appelle nützen nach wie vor wenig, der viel zitierte mündige Anleger ist eher eine Fiktion. Klare Regelungen und Verbote wären sinnvoller.

Ein guter Weg ist die Beratungspflichten von Banken zu verschärfen und die Rechte der Kunden zu stärken. So entschied der Bundesgerichtshof (Az.: XIZR152 08 und XIZR153 08) im Juli erneut kundenfreundlich: Will ein Kunde ausdrücklich eine sichere Anlage, muss die Bank darauf hinweisen, dass sie selbst insolvent werden könnte. Generell muss sie stärker auf Risiken hinweisen. Für schlechte Beratung müssen die Banken stärker haften.

Die Einlagensicherungen wurde bekanntlich in der Zwischenzeit erheblich verbessert. Bis 50.000 Euro, ab 2011 bis 100.000 Euro, gibt es in Deutschland (und in der EU) als Mindestsicherung. Zusätzlich sind zahlreiche Banken dem freiwilligen Feuerwehr-Fonds angeschlossen. Diese können aber nur einzelne Bankpleiten auffangen. Bei einem Flächenbrand wären ihre Grenzen schnell erreicht. Aber auch die dritte Ebene, die Merkel-Garantie, ist nur eine politische Willenserklärung, keine echte Garantie.

Es müsste noch mehr geregelt werden. So etwa sollte man den Verkauf der Zertifikate an Privatanleger verbieten, wie dies in den USA der Fall ist. Auch das Bank-Provisionssystem verhindert oft eine neutrale Beratung. „Die Kugel im Finanz-Casino rollt schon wieder“, sagen die Experten. Die Zertifikate werden nun mit einer Garantie versehen, an der wiederum die Bank verdient. Zielgruppe werden wohl wieder die „AD-Kunden“ (Branchenjargon für Alt und Dumm) sein.

Bei den Lehmann-Zertifikaten sind die Geschädigten älter als 60 Jahre, einige über 75 Jahre. Immerhin: „In 40 Prozent der Lehmann-Fälle lohnt sich eine Klage“, meint Carsten Heise, Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz. Nur bei 20 Prozent halten die Juristen einen Prozess für sinnlos – zum Beispiel für Sparer, die schon Erfahrungen mit Zertifikaten hatten.
Ob die Beratungs-Checkliste des Verbraucherministeriums viel helfen wird, steht dahin. Sie soll die Finanzsituation des Kunden umfassend darlegen; im beigefügten Protokoll werden alle Details des Beratungsgesprächs festgehalten. Auch bislang wurden schon Protokolle angefertigt. Nur bekamen diese die Kunden nicht zu sehen. Das waren interne Rechtfertigungs-Notizen, die im Reklamationsfalle vorgezeigt wurden. Jede Ärztin, jeder Arzt wäre gut beraten, diesen neuartigen Beratungs-Planer beim Bankgespräch dabei zu haben.

A&W-TIPPS

Vorsicht statt Nachsehen

Als Lehmann-Geschädigter können Sie klagen, wenn Sie den Beratungsfehler nachweisen können. Meist haben die Banken nicht auf die Insolvenz- Möglichkeit hingewiesen. Vor allem, wenn im Prospekt die Hinweise fehlen;

Die neue Beratungs-Checkliste bekommen Sie beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) oder bei der nächsten Verbraucherzentrale in Ihrer Nähe;

Kontaktdaten BMELV: Telefon 0228 995290, eMail: poststelle@bmelv.bund. de, Dienstsitz Bonn: Postfach 140270, 53107 Bonn, Dienstsitz Berlin: 11055 Berlin;

Sie müssen sich um Ihr Geld selbst kümmern, also im Vorfeld Infos einholen, bei der Bankberatung einen Zeugen mitnehmen. Denn bei Auseinandersetzungen mit der Bank liegt die Beweislast weiter beim Kunden, eine Umkehrung ist nicht geplant. Und dies ist die eigentliche Crux.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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