Ärzte sollten Forderungsmanagement im Auge behalten

Zahlungsmoral lässt nach – auch in der Gesundheitsbranche

Gegensätzliche Trends bei der Zahlungsmoral: Während Firmenkunden ihre Rechnungen jetzt besser bezahlen als vor einem Jahr, lässt die Rechnungstreue der Verbraucher leicht nach. Auch die Gesundheitsbranche ist betroffen.

Viele Verbraucher haben mehr Geld zur Verfügung und bezahlen deshalb ihre Rechnungen nicht mehr so sorgfältig wie früher – klingt absurd, ist aber so. Zu diesem Ergebnis kommt die traditionelle Herbstumfrage unter den 550 Mitgliedern des Bundesverbands Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V. (BDIU), Berlin. Manche Schuldner haben die finanziellen Risiken eines möglichen Fehlverhaltens – von Mahngebühren bis hin zu Gerichtskosten – demnach inzwischen einfach eingepreist.

Besonders bedenklich: 57 Prozent der Inkassounternehmen machen die Erfahrung, dass private Schuldner fällige Rechnungen absichtlich erst viel später als vereinbart oder aber auch gar nicht bezahlen.

Warum Verbraucher so schlecht zahlen

Top-Antwort bei der Frage, warum Verbraucher ihre Rechnungen nicht bezahlen, ist ein unkontrolliertes Konsumverhalten (67 Prozent in der Umfrage). Überschuldung – in den vergangenen Jahren immer an erster Stelle dieser Liste – melden jetzt nur noch 65 Prozent als Nichtzahlgrund (11 Prozentpunkte weniger als 2017). Noch weniger (38 Prozent) nennen Arbeitslosigkeit als Grund.

Befragt danach, welche Firmen zurzeit besondere Probleme mit dem Zahlungsverhalten ihrer Kunden haben, nennen 55 Prozent den Online- beziehungsweise Versandhandel. Weitere betroffene Branchen sind Energieversorger (42 Prozent), das Handwerk (40 Prozent), die Dienstleistungsbranche allgemein (36 Prozent), die Immobilienwirtschaft (31 Prozent) sowie Betreiber von Fitnessstudios (31 Prozent). Die Gesundheitsbranche (21 Prozent) gehört ebenfalls zu den Problembranchen und hat z.B. deutlich häufiger mit Zahlungsschwierigkeiten zu kämpfen als die Telekommunikationsbranche (20%), das Baugewerbe (18%) oder der Einzelhandel (11%).

Zahlungmoral

Dominoeffekt vermeiden

Ärzte sollten aktuell unbedingt auf ihr Forderungsmanagement achten, damit sie nicht zum Opfer der Entwicklung werden: »Weil die Geschäfte im Moment so gut laufen, mahnen manche Unternehmen zu spät und übergeben Forderungen auch erst viel später an einen Rechtsanwalt oder einen Inkassodienstleister«, sagt Kirsten Pedd, Präsidentin des BDIU:»Wenn sie dann nicht genügend Geld in der Kasse haben, um ihre eigenen Zahlungsverpflichtungen zu bedienen, kommt es zum Dominoeffekt bei der Zahlungsmoral.«

Bei ihrer Prognose für die weitere Entwicklung sehen die Inkassounternehmen – anders als in den letzten Jahren – gleich mehrere Risikofaktoren. 34 Prozent erwarten, dass die Zahlungsmoral schlechter wird. 57 Prozent befürchten einen Rückgang der Konjunktur. Weitere Risiken drohen durch rechtliche Änderungen. So könnten im Zuge der EU-weiten Harmonisierung des Insolvenzrechts die Hürden zur Erteilung einer Restschuldbefreiung in Deutschland gesenkt werden. Dieses Jahr rechnet der BDIU mit fast 70.000 Verbraucherinsolvenzen.

 

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