Neue Statistik

Behandlungsfehler nur im Promillebereich

Jeder Behandlungsfehler ist natürlich einer zu viel. Umso schöner, dass die aktuelle Statistik der Bundesärztekammer bescheinigt: Im vergangenen Jahr mussten weniger mutmaßliche Behandlungsfehler bewertet werden. Hier ein kurzer Überblick über die wichtigsten Fakten.

Viele Ärzte arbeiten am Limit. „Und manchmal auch ein Stück darüber hinaus“, sagte Dr. Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Bundesärztekammer, als er die Behandlungsfehlerstatistik für das Jahr 2014 vorstellte. Die enorme Arbeitsbelastung und der Druck, im Notfall schnell entscheiden zu müssen, seien nur zwei Beispiele für spezielle Risikokonstellationen. So sei die Zahl der ambulanten Behandlungsfälle in Deutschland zwischen den Jahren 2004 und 2013 um 157 Millionen auf fast 700 Millionen gestiegen. Im Vergleich dazu liege die Zahl der festgestellten Behandlungsfehler im Promillebereich.

Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen haben im vergangenen Jahr in Deutschland 7.751 Entscheidungen zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern getroffen; im Jahr 2013 waren es mit 7.922 einige wenige Fälle mehr. Einen Behandlungsfehler ermittelten die Gutachter in 2.252 Fällen. In 1.854 Fällen war ein Behandlungsfehler oder Risikoaufklärungsmangel Ursache für einen Gesundheitsschaden, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründete. In 398 Fällen lag zwar ein Behandlungsfehler vor, der jedoch keinen Gesundheitsschaden zur Folge hatte. Die häufigsten Diagnosen, die zu Vorwürfen führten, waren Knie- und Hüftgelenkarthrosen sowie Unterarmfrakturen.

Wenn einem Arzt ein Behandlungsfehler unterlaufen sei, stellte Crusius heraus, sei ein professioneller Umgang mit den Betroffenen extrem wichtig. „Wir unterstützen Ärzte dabei, nach einem Fehler schnell das Gespräch mit den betroffenen Patienten zu suchen, damit nicht auch noch psychische Traumata kommen.“

Grundsätzlich plädiert Crusius für eine offene Fehlerkultur. Wenig hilfreich sei, Ärzte als „Pfuscher“ zu diskreditieren. „Entscheidend ist, dass Fehler nicht unter den Tisch gekehrt werden und man aus ihnen lernt.“ So würden die von den Gütestellen der Ärztekammern registrierten Daten mit Hilfe des Medical Error Reporting Systems (MERS) erfasst und zur Fehlerprävention eingesetzt.
Auch haben Ärzte die Möglichkeit, „Beinahefehler“ anonym zu melden. Dafür stellen Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung das offene, anonyme Berichts- und Lernsystem CIRSmedical zur Verfügung.

Patienten wiederum können sich seit dem Jahr 1975 an die Ärztekammern wenden, wenn sie einen Behandlungsfehler vermuten. In einem für sie gebührenfreien Verfahren können sie dort überprüfen lassen, ob der Vorwurf eines Behandlungsfehlers gerechtfertigt ist.

Dr. Sabine Glöser

 

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