Leser fragen, Experten antworten

Kosten und Ertrag der Arztpraxis

Der Sachverständige Günther Frielingsdorf, Köln, beantwortet exklusiv in ARZT & WIRTSCHAFT interessante und wichtige Praxis-Fragen unserer Leser.

Ich habe den dringenden Verdacht, dass in meiner recht durchschnittlichen Hausarztpraxis Kosten und Ertrag immer weiter aus der Balance geraten. 

Basis Ihrer Überlegungen muss erst mal eine belastbare Übersicht über Ihre Betriebskosten und -einnahmen sein, um diese Daten dann gegeneinander abgleichen zu können. Sie schreiben von Ihrer „durchschnittlichen“ Hausarztpraxis – da gibt es Durchschnittswerte, die Ihnen Ihre Positionsbestimmung erleichtern: In einer durchschnittlichen hausärztlichen Einzelpraxis fallen für Personal, Räume, Ausstattung, Zinsen et cetera jährlich 123.786 Euro Kosten an (Quelle: Statistisches Bundesamt). Bei 2.748 Stunden Jahresarbeitszeit (Allgemeinarzt, Quelle: ZI) ergeben sich also Praxiskosten von 45,05 Euro je ärztlicheArbeitsstunde. Also: In jeder Stunde, die ein Allgemeinarzt in seiner Praxis arbeitet, muss er alleine rund 45 Euro einnehmen, um damit nur die Praxiskosten zu decken.


Ich komme mit meinen eigentlich ordentlichen Honorareinnahmen aus GKV und Privatliquidationen nicht über die Runden. Obwohl ich für mich und meine Familie nur einen monatlichen Eigenbedarf abzweige, der noch unter meinem früheren Assistenzarztgehalt liegt, überziehe ich das Praxiskonto immer mehr.

Gewinn steht nie Brutto für Netto zur Verfügung. Zunächst einmal sind die aufs Einkommen entfallenden Steuern in Abzug zu bringen. Oft übersehen: Kredite müssen aus dem Versteuerten beglichen werden, während Zinsen für Betriebskredite sich zumindest steuermindernd auswirken. In jedem Fall muss sich jeder Niedergelassene wie ein gut wirtschaftender Kaufmann verhalten: Was nach der Steuer verbleibt, dient zunächst der nicht aufschiebbaren Rückführung von Fremdmitteln, und erst danach kann er über das Verbliebene verfügen. Ob das für ein angemessenes Auskommen reicht, hängt von der persönlichen Lebenseinstellung ab, sowie etwa von den nutzbaren Möglichkeiten im Rahmen seriös angebotener IGeL-Leistungen. Vielfach werden Möglichkeiten der Verbesserung der eigenen Situation nicht gesehen.


Mein Steuerberater faselt immer wieder vom „unternehmerischen Gewinn“, auf den ich seiner Einschätzung nach nicht ausreichend achten würde. Himmel nochmal, ich bin Arzt und kein Wirtschaftswissenschaftler. 

Ob Sie’s nun schön finden oder nicht: als Praxisinhaber sind Sie – anders als ein angestellter Arzt – neben Ihrer medizinischen Tätigkeit auch unternehmerisch tätig. Das bedeutet, dass Sie neben Ihrem Behandlungsauftrag auch Managementund Verwaltungsaufgaben wahrnehmen müssen. Und dass Sie ein beträchtliches wirtschaftliches Risiko tragen. Die über den EBM vergüteten Honorare bleiben oft weit hinter betriebswirtschaftlichen Kalkulationen zurück. Die zusätzlichen Mengenbegrenzungen durch RLV und QZV führen dann effektiv zu weiteren Preisreduktionen, was die Kluft zwischen Betriebswirtschaft und Praxis letztlich noch weiter öffnet. Mehraufwand und Risiko müssen bei Ihnen zu einem unternehmerischen Gewinn führen, der über das Entgelt für die reine medizinische Tätigkeit hinausgeht. Nur dann betreiben Sie Ihre Praxis im betriebswirtschaftlichen Sinn rentabel. Die dafür notwendigen Zuschläge differieren von Fachrichtung zu Fachrichtung. Sie müssen unter anderem im Zusammenhang mit zu finanzierenden Investitionen und der daraus resultierenden Rückführung von Fremdmitteln und Kapitalzinsen gesehen werden.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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