Steuern

Beim Praxisverkauf soll der Fiskus bluten

Praxis verkauft, mit Steuerersparnis beim Veräußerungsgewinn gerechnet, Fiskalvorteil verloren, mit Zitronen gehandelt. Damit es Ihnen nicht ebenso geht, erfahren Sie hier, wie Sie‘s richtig machen!

Immer wieder taucht das Problem auf, dass Niedergelassene, die ihre Praxis veräußern, aus eigentlich vermeidbaren Gründen dabei gar nicht in den Genuss des halben Steuersatzes und der entsprechenden Steuerfreibeträge kommen. So etwa hat das Finanzgericht Hessen entschieden, dass bei der Veräußerung einer Arztpraxis der Veräußerungserlös nicht steuerlich begünstigt ist, wenn ein Teil der Tätigkeit vom Praxisabgeber nach dem Zeitpunkt der Übergabe der Praxis weitergeführt wird.

Im konkreten Fall führte die Praxisabgeberin ihre Tätigkeit als Gutachterin fort. Gleiches gilt jedoch auch in vergleichbaren Fällen, wenn abgebende Ärzte weiterhin etwa als Arbeitsmediziner oder nur privatärztlich tätig sind. Obwohl in dem konkreten Fall die Praxisabgeberin die fortzuführende Gutachtertätigkeit vom Wettbewerbsverbot ausgenommen hatte, stellte die Finanzverwaltung und somit auch der Hessische Finanzhof darauf ab, dass eine steuerlich begünstigte Praxisveräußerung nicht vorliegt, wenn die weitergeführte Tätigkeit mehr als zehn Prozent des bisherigen Praxisumsatzes beträgt.

Diese negative Folge hätte ganz einfach vermieden werden können. In der Regel sollte gerade bei Konstellationen, in denen Praxisabgeber einen Teil ihres bisherigen Leistungsbereichs und einen Teil der Praxis weiterführen wollen, rechtzeitig (in der Regel drei bis vier Jahre) vor der geplanten Veräußerung darüber nachgedacht werden, ob nicht die zu veräußernde Tätigkeit in ein weiteres Unternehmen ausgelagert wird. So kann etwa im Falle der Arbeitsmedizin das arbeitsmedizinische Leistungsspektrum in ein arbeitsmedizinisches Institut ausgelagert werden. Eine steuerlich begünstigte Veräußerung der Praxis wäre dann möglich, obwohl die arbeitsmedizinische Tätigkeit und das arbeitsmedizinische Unternehmen weiterhin aktiv ist.

So hätte auch in dem vom Hessischen Finanzhof entschiedenen Fall die Gutachtertätigkeit der Ärztin rechtzeitig in ein separates Unternehmen ausgelagert werden können, weshalb dann die steuerlich privilegierte Praxisveräußerung problemlos möglich gewesen wäre. Folgerichtig müsste es anknüpfend an diese Rechtsprechung auch möglich sein, Privat- und Kassenpraxis zu trennen. Leider wurde dieser Fall von der Finanzverwaltung aber noch nicht rechtskräftig entschieden. Denkbar wäre jedoch die Aufspaltung der Praxis in zwei Unternehmen: ein Unternehmen Privatpraxis, ein Unternehmen Kassenpraxis. Mit der Möglichkeit, die Kassenpraxis etwa an ein MVZ steuerlich privilegiert zu veräußern und die Privatpraxis fortan weiter zu betreiben.

A&W-KOMPAKT

Achtung!

Wenn die steuerliche Begünstigung bei Praxisveräußerungen genutzt werden soll, gelten folgende Grundsätze:

1. Steuerlich begünstigt sind nur Übertragungen, bei denen alle wesentlichen Grundlagen wie Praxisräume, Patientenstamm und so weiter zeitnah auf den Erwerber übergehen.

2. Eine Praxis kann rechtzeitig vor der geplanten Veräußerung in selbstständige unternehmerische Einheiten geteilt werden, idealerweise in Teilbereiche, die auch räumlich voneinander getrennt sind und in denen die Mitarbeiter auch bei zwei verschiedenen Unternehmen angestellt sind.

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