Steigende Berufshaftpflichtprämien

Berufshaftpflicht für Ärzte: Bei Tarifen und nicht am Deckungsschutz sparen

Die Prämien zur Berufshaftpflichtversicherung für Ärzte explodieren. Die Ärzteschaft hofft auf eine niedrigere Versicherungssteuer. Was Niedergelassene auch selber für niedrigere Prämien tun können, erläutert unser Autor.

Die Prämien für die Berufshaftpflichtversicherung für Ärzte steigen unaufhörlich. Und für viele chirurgisch tätige Mediziner und Gynäkologen wird eine solche Absicherung sogar langsam unerschwinglich. Für die unerfreuliche Entwicklung bei der Berufshaftpflicht gibt es mehrere Gründe. Einer der wichtigsten ist das steigende Risiko eines Schadens.

Schaden pro Fall geht in die Millionen

Es sind vor allem wenige einzelne Schadensfälle, welche die Beitragssummen der Berufshaftpflichtversicherung in schwindelerregende Höhen treiben. Diese Einzelfälle werden aber immer teurer. So hat sich bei schweren Personenschäden binnen zehn Jahren die durchschnittliche Schadenssumme, welche die Versicherungen an Patienten zahlen müssen, von 1,4 auf 2,4 Mil­lionen Euro nahezu verdoppelt. Das hat der Gesamtverband der Deutschen Versi­cherungswirtschaft bei einer Analyse der Schadensfälle nachgerechnet. Nur zwei Prozent aller Kunstfehler verursachen überhaupt schwere Personenschäden. Sie machen aber insgesamt 67 Prozent der finanziellen Schäden bei den Berufshaftpflichtversicherungen aus.

Versicherungsschutz wird für Berufsgruppe teurer

Unterm Strich sind alle Arztgruppen von dem Risiko betroffen, zumindest müssen sie die finanzielle Last mittragen. Wer keinen Schaden verursacht, zahlt also trotzdem für den der anderen mit. Nur so rechnen sich die Policen für die Versicherungen. „Als Anbieter braucht man Tausende schadenfreie Hausärzte, um einen richtig kostspieligen Schadenfall mit Millionensumme, wie er beispielsweise im Bereich der Gynäkologie vorkommen kann, kompensieren zu können“, sagt Bernd Helmsauer, Vorstand der Helmsauer Gruppe. Der Dienstleister im Gesundheitswesen ist unter anderem auf Ärzteversicherungen spezialisiert.

Berufshaftpflicht: Fehler bezahlen alle mit

Ergebnis: Die Versichertengemeinschaft der Ärzte muss mit steigenden Prämien für Kollegen haften. Und: Kleine Versicherungsanbieter können Berufshaftpflichtversicherungen wegen des Risikos nicht mehr kostendeckend anbieten. Viele Unternehmen ziehen sich deshalb aus dem Heilberufler-Umfeld zurück. Die Auswahl für die Berufsgruppe nimmt ab.

Versicherungen bearbeiten mehr Klagen

Eine zusätzliche kostentreibende Entwicklung: Die Zahl der Klagen gegen Mediziner geht seit einigen Jahren sprunghaft nach oben. Als einen Hauptgrund hat Bernd Helmsauer das Patientenrechtegesetz ausgemacht: „Die Schadeninzidenz ist durch das Patientenrechtegesetz enorm gestiegen. Bei 18.500 Medizinern, die eine Berufshaftpflicht haben, hatten wir bis 2011 ein bis zwei Neuschäden pro Woche. Jetzt sind es statistisch zwei bis 2,5 am Tag.“ Das Patientenrechtegesetz habe die Klagefreudigkeit gegen Heilberufler regelrecht befeuert, resümiert Helmsauer. Die neue Mündigkeit macht den Versicherungsschutz teuer.

Niedringzins macht Versicherungen Probleme

Und schließlich wirkt die anhaltende Niedrigzinspolitik der Notenbanken negativ, welche die Kapitalanlage auf den Geldmärkten auch für Versicherer extrem unattraktiv macht. Als Faustregel gilt bei den Versicherern: „Drei Prozentpunkte weniger Zinsen auf den Kapitalmärkten wirken in der Bilanz umgerechnet wie eine zwölf Prozent höhere Schadenquote“, rechnet Helmsauer vor. Von 2009 bis 2013 ist der Leitzins in der Eurozone um drei Prozentpunkte gefallen und hat im November 2013 seinen Tiefstand von 0,25 Prozent erreicht.

Situation der Berufshaftpflicht auf dem Prüfstand

Um die Beitragssituation bei der Berufshaftpflichtversicherung zu entschärfen, werden verschiedene Szenarien diskutiert. Vorerst vom Tisch zu sein scheint der Vorschlag, einen Entschädigungs- oder Härtefall-Fonds für Patienten einzurichten. Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery hatte bereits begrüßt, dass in Deutschland – anders als in einigen europäischen Ländern – keine solche Lösung angestrebt wird.

Steuersenkung für Haftpflichtversicherung

Stattdessen setzt die Ärzteschaft auf eine Senkung der Versicherungssteuer für die ärztliche Haftpflichtversicherung von 19 auf elf Prozent. Montgomery rechnet vor, dass dies „zu einer jährlichen Entlastung von rund 80 Millionen Euro führen“ könne. Montgomery betont, dass die Bundesregierung auch „den Abschluss von Feuerversicherungen mit einem vergünstigten Steuersatz“ fördere. Um auch künftig eine flächendeckende geburtsmedizinische Versorgung zu gewährleisten, sei ein solcher Schritt sinnvoll, so Montgomery. Vor allem für Freiberufler ist die Situation bitter, da kein Unternehmen die Beiträge der Versicherung für sie übernimmt.

Berufshaftpflichtversicherung wird zur Kostenfalle

In Berlin ist man an dem Thema dran, wie das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage www.arzt-wirtschaft.de FINANZEN mitteilt. Nur: Ob es tatsächlich eine Entlastung der Ärzte bei den Kosten für ihren Versicherungsschutz geben wird und wie die aussehen könnte, ist noch unklar: „In diesem Zusammenhang beobachtet die Bundesregierung auch die Entwicklung der Haftpflichtprämien bei betroffenen niedergelassenen Ärzten sowie in der Folge gegebenenfalls notwendige Anpassungen der entsprechenden Vergütungspositionen durch den Bewertungsausschuss“, teilt eine Sprecherin mit.

Beratung kann sparen helfen

Niedergelassene können aber auch selber etwas gegen den Kostendruck tun: Versicherungsmakler wie Bernd Helmsauer raten Ärzten dazu, bei ihrem Versi­cherer auf eine angemessene Schadenreserve zu drängen. Denn die Policen­geber würden solche Schadenrückstellungen zwar bilden, sobald eine Schadenklage gegen Ärzte im Raum stehe – was die Prämien hochtreibt. Doch wenn ein Verfahren ohne Schadenzahlung an den Patienten abgeschlossen wird, werden die Schadenreserven trotzdem zumeist einbehalten. „Doch da­rüber informieren die Versicherer die Ärzte meist nicht. Die erfahren erst von einer Unterdeckung, wenn sie das Kün­di­gungsschreiben des Versicherers erhalten.“ Helmsauers Tipp: Ärzte können spezialisierte Makler mit einer Vollmacht ausstatten, um die Schadenreserve beim Versicherer zu drücken.

Schadenreserven drücken

Die einzige Kostenstellschraube, an der Ärzte für die eigene Berufshaftpflichtversicherung drehen können, sind die Schadenreserven, welche die Versicherer bilden, um sich gegen Risiken abzusichern. Je höher diese Rückstellungen sind, desto höher fallen die Prämien aus. Niedergelassene sollten einen Versicherungsmakler beauftragen, mit den Versicherungsgebern über die Höhe der Schadenreserven zu verhandeln – und gegebenenfalls zu wechseln.

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