Chancen und Risiken am Versicherungsmarkt

Berufsunfähigkeitsversicherung umstellen?

Schon in den späten achtziger und frühen neunziger Jahren entschieden sich zu Recht viele Menschen dafür, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, da vorauszusehen war, dass die sozialen Systeme schwächer werden würden.

Am 01.01.2001 wurde mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Reform der Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit die Berufsunfähigkeitsrente der gesetzlichen Rentenversicherung abgeschafft.

Aus Gründen des Vertrauensschutzes wurde ein Schutz für Versicherte erhalten, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind und nach dem 31. Dezember 2000 berufsunfähig werden. Diese Personen haben bei der Erfüllung der sonstigen Voraussetzungen einen  Anspruch auf eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung.

Noch heute existieren viele Berufsunfähigkeitspolicen (BU), welche schon, wie oben erwähnt, in den achtziger und neunziger Jahren abgeschlossen wurden oder – in der Folge der oben erwähnten Gesetzesänderung – am Anfang dieses Jahrtausends. Oft wurden diese Verträge zusammen mit einer Kapitallebensversicherung als BU-Zusatzversicherung (BUZ) abgeschlossen. Die Laufzeit dieser Versicherungen ist häufig auf das 60. Lebensjahr beschränkt und die Prämien sind aus heutiger Sicht, besonders in Bezug auf die Versicherungssummen, als sehr teuer einzustufen. Trotzdem sind, wie die Verbraucherschützer einhellig feststellen, diese Policen grundsätzlich sinnvoll, zumal die Anzahl der Berufsunfähigen steigt.

Mittlerweile haben die Versicherten die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln, wenn ihr aktueller Gesundheitszustand es gestattet – konkret, wenn die Gesundheitsfragen des jeweiligen Versicherungsunternehmens so beantwortet werden können, dass die Voraussetzungen für einen Versicherungsschutz ohne Ausschlüsse oder Zuschläge gegeben sind. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, die Voranfrage zu nutzen, mit der das ausgewählte Versicherungsunternehmen bekannt gibt, ob und zu welchen Bedingungen es den Interessenten versichern würde.

Auf keinen Fall sollte der Versicherte jedoch die alte Police kündigen, ohne die neue Wunsch-Police bereits in den Händen zu halten, denn scheinbar gute Ergebnisse der Voranfrage garantieren nicht, dass der Versicherungswillige auch seine Police erhält. Häufig stellen Versicherungsunternehmen noch kleinteilige gesundheitliche Nachfragen, die dazu führen können, dass der Versicherungswillige das Interesse verliert oder gereizt reagiert (z.B. bei einem HIV-Test) und schließlich doch die Gesundheitsfragen nicht besteht. Auch können vom Versicherungswilligen nicht erwähnte, weil für unwichtig erachtete Details, wie z.B. ein ärztlicher Vermerk über psychische Probleme in der Patientenakte dem Abschluss einer Versicherung im Wege stehen.

Die Verbesserung der Berufsunfähigkeitsversicherung im Überblick:

  1. Sehr häufig sind die modernen Tarife  im direkten Vergleich, also bis zum 60. Lebensjahr günstiger.
  2. Die neuen Verträge haben wesentlich bessere Bedingungen, von denen hier nur einige exemplarisch genannt werden: Bei guten Policen sind auch Vergehen im Straßenverkehr mitversichert – die abstrakte Verweisung ist auch explizit für Nachuntersuchungen ausgeschlossen – die Versicherung gilt auch im Ausland. Es gibt Spezialpolicen für Beamte und andere, welche schon bei langjähriger Arbeitsunfähigkeit bezahlen. Diese Aufzählung könnte weiter geführt werden – sollte aber individuell für den Versicherungsnehmer abgeglichen werden.
  3. Der Versicherungsnehmer sollte und kann Gesellschaften auswählen, denen es wirtschaftlich gut geht, also noch aktiv am Markt agieren wollen und somit gegebenenfalls einen Rufverlust zu fürchten haben.
  4. Der Versicherungsnehmer kann sich länger als bis zum 60. Lebensjahr versichern, häufig sogar bis zur Vollendung des 67. Lebensjahrs. Außerdem sind viele BU-Renten durch die Dynamiken viel zu hoch gewählt, so dass die Verbraucher für Leistungen zahlen, die sie nie erhalten können, da ihr Einkommen gar nicht die Versicherungsleistung widerspiegelt (Bereicherungsverbot).
  5. Moderne BU-Verträge können als selbstständige Verträge abgeschlossen werden.

Gerade der letzte Punkt führt häufig zur Überraschung bei Versicherungsnehmern der alten Policen, denen oft nicht bekannt ist, dass eine Lebensversicherung (BUZ) und eine BU immer zwei Verträge sind, wobei mindestens die der BUZ heraus gekündigt werden kann, ohne dass dies die Hauptversicherung tangiert.

Insgesamt haben sich die Rechte der Verbraucher in den letzten 20 Jahren nicht nur durch zahlreiche Gerichtsurteile deutlich verbessert, sondern auch durch den starken Konkurrenzdruck am attraktiven BU-Markt.

Doch immer noch gibt es zahlreiche Policen, welche einen unzureichenden Schutz bieten oder einfach nicht zum Verbraucher passen. Dies wird auch von zum Teil haarsträubenden Testergebnissen der Verbraucherschützer belegt.

Besonders wichtig ist es schließlich, nicht nur beim Abschluss einer Versicherung eine gute und individuelle Beratung zu erhalten, sondern auch im Leistungsfall. Hier kann ein Maklerbüro weiterhelfen, zumal der Makler im Versicherungsfall weisungsunabhängig ist. Zu Recht wird darüber hinaus von Verbraucherschützern eine Rechtschutzpolice empfohlen, die das Vertragsrecht mit abdeckt – dies besonders im Hinblick auf die angespannte nervliche Situation  des Betroffenen im Leistungsfall. Auch der Abschluss der Rechtschutzversicherung muss individuell abgestimmt werden. (Nie das Versicherungsunternehmen der BU-Versicherung in Anspruch nehmen).

Ein kompetenter Makler wird Ihnen ein individuelles Angebot (richtige Höhe und Dauer) von dem für Sie richtigen Unternehmen, auch beim Wechsel der BU-Versicherung, ausarbeiten. Für eventuelle Beratungsfehler haftet der Makler mit seiner Vermögensschadenhaftpflicht. Doch wenn gut analysiert und beraten wird, sollte der Mandant nie das Bedürfnis haben, gegen seinen Makler vorzugehen, obwohl er gerade mit seiner Rechtschutzversicherung jederzeit die Möglichkeit dazu hätte. (Matthes Tiedemann)

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