Finanzieller Schaden

Betrugsdrama: Arzt-Gattin zu mehreren Jahren Haft verurteilt

Eine Hochstaplerin hat ihren Mann im Laufe ihrer Ehe um fast eine Million Euro geprellt. Doch der finanzielle Schaden ist nur ein Teil des Dramas, über das nun das Landgericht Magdeburg zu befinden hatte.

Hochstapler, die sich fälschlicherweise als Ärzte ausgeben, gibt es immer wieder. Doch auch Ärzte werden mitunter Opfer von Betrügern. Diese schmerzliche Erfahrung machte auch ein Allgemeinmediziner aus Sachsen-Anhalt, der von seiner eigenen Ehefrau getäuscht und um fast eine Million Euro geprellt wurde.

Blindes Vertrauen kostet Arzt fast eine Million

Gegenüber ihrem Mann und ihrem gemeinsamen Umfeld hatte sich die Frau jahrelang als Rechtsanwältin ausgegeben. Ihrem vermeintlichen juristischen und buchhalterischen Fachwissen war es dann auch zu verdanken, dass der Arzt ihr die Oberhoheit über die Familienfinanzen übertrug, während er sich um die beiden gemeinsamen Kinder kümmerte.

Die Frau, deren Ausbildung in Wahrheit nur in einer abgebrochenen Lehre zur Rechtsanwaltsfachgehilfin bestand, verstand es zwar, das Geld ihres Mannes auszugeben und sich immer wieder üppige Zuweisungen von dessen Konto zu genehmigen. Die offenen Rechnungen ihres Gatten hingegen ließ sie unbezahlt. Dennoch dauerte es ganze sechs Jahre, bis der Schwindel aufflog. Nun hat das Landgericht Magdeburg die 41-Jährige wegen Computerbetrugs in 37 Fällen und versuchten Betrugs in Tateinheit mit Urkundenfälschung zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Dass die Umtriebe der Betrügerin so lange unentdeckt blieben, lag unter anderem daran, dass die Frau die Post ihres Mannes zurückgehalten und ihn sozial isoliert habe, hieß es in der Urteilsbegründung. Ihm, Freunden und der Familie habe sie über Jahre vorgegaukelt, als Fachanwältin für Wirtschafts- und Insolvenzrecht selbst sehr gut zu verdienen und das Einkommen der Familie zu sichern.

Sehr komplexe Lügengeschichte

Im Prozess hat die Hochstaplerin ihre Taten zwar größtenteils zugegeben, aber immer behauptet, ihr Mann habe alles gewusst. Das allerdings war gelogen. Denn von seinem Geld hatte sie unter anderem ein Auto für fast 100.000 Euro gekauft, dass sie dann ihrem Liebhaber überlassen hatte. Diesem wiederum hatte sie erzählt, sie sei geschieden.

Die Frau habe eine sehr komplexe Lügengeschichte aufgebaut und mit hoher krimineller Energie gehandelt, sagte der Vorsitzende Richter und mahnte die Frau: „Versuchen sie nie wieder, wen auch immer hinters Licht zu führen.”

LG Magdeburg, Az. 21 KLs 157 Js 34298/18 (18/19).

 

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