BÄK gibt neue Hinweise

Methoden der Praxisbewertung und Praxiswertermittlung

Die Bundesärztekammer hat ihre Richtlinie zur Praxisbewertung zurückgezogen und durch unverbindlichere „Hinweise“ ersetzt. Die berücksichtigen die aktuelle Rechtsprechung und dienen nur der Orientierung für den Praxiswert. Den tatsächliche Verkaufspreis definiert der Markt.

Beim Ermitteln des Verkehrswerts einer Arztpraxis ist zunächst deren Substanzwert einzuschätzen. Maßgebend sind hier die Anschaffungs- und Herstellungskosten der Praxiseinrichtung. Dazu gehören auch medizinisch-technische Geräte, die Praxis-EDV, die Büroausstattung sowie die Vorräte an Praxismaterialien und Sprechstundenbedarf. Der Substanzwert, auch materieller Praxiswert genannt, kann also mit den Buchführungsunterlagen der Praxis objektiv bestimmt werden.

Die Tücken der Praxiswertermittlung

Unter dem ideellen Wert einer Arzt- oder Zahnarztpraxis wird die Chance verstanden, quasi ein eingeführtes Unternehmen mit seinem Patienten- und Überweiserstamm zu übernehmen.Sie garantieren den Umsatz, den der Nachfolger braucht, um die Praxis wirtschaftlich erfolgreich zu führen. In die Berechnung des sogenannten „Goodwill“ fließen deshalb alle für den Unternehmenserfolg wichtige Faktoren ein. So beispielsweise die Organisation und Leistungsfähigkeit des Praxisteams, der Praxisstandort mit seinem Wettbewerbsumfeld und die Zahl der Patienten (GKV, PKV, Individuelle Gesundheitsleistungen).

Umsatz bestimmt den Praxiswert maßgeblich

Für die Praxiswertermittlung soll laut BÄK-Hinweisen der durchschnittliche Umsatz der letzten drei Kalenderjahre herangezogen werden. Abzuziehen sind nicht übertragbare Umsatzanteile. Das können etwa Umsätze aus einer Gutachtertätigkeit sein, aber auch personenbezogene Abrechnungsgenehmigungen und individuelle Erträge des Arztes. Aus den so modifizierten Jahresumsätzen errechnet sich im ersten Schritt dann der durchschnittliche übertragbare Jahresumsatz.

Die eher schematische Berechnung des ideellen Praxiswertes bzw. Goodwills lässt individuelle Faktoren, die sich wertsteigernd oder wertmindernd auswirken, noch unberücksichtigt. Hier listet die BÄK Faktoren auf, die individuell kalkuliert werden können. Sie unterstellen, dass sich bei ihrer Berücksichtigung der ideelle Wert bzw. Goodwill um nicht mehr als 20 Prozent verändert.

Neue Methode der Praxisbewertung

Der übertragbare Umsatz ist im nächsten Schritt um die übertragbaren Kosten zu kürzen. Hier sind die durchschnittlichen Praxiskosten in den letzten drei Kalenderjahren zu berücksichtigen. Es erfolgt gegebenenfalls eine Bereinigung um Ausgaben, die im Zusammenhang mit nicht übertragbaren Umsatzanteilen stehen. Herausgerechnet werden kalkulatorische Aufwendungen, wie Abschreibungen und Finanzierungskosten. Der übertragbare Umsatz vermindert um die übertragbaren Kosten ergibt den übertragbaren Gewinn (= Gewinn vor Steuern).

Mit Blick auf die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (zuletzt im Urteil vom 6. Februar 2008, Az.: XII ZR 45/06) ist bei der Praxisbewertung ein den individuellen Verhältnissen entsprechender Unternehmerlohn zu berücksichtigen.

Dieses Verfahren schlägt die Bundesärztekammer vor

Die Bundesärztekammer geht in ihren Hinweisen davon aus, dass vom übertragbaren Gewinn kalkulatorisch das Bruttogehalt aus einer fachärztlichen Tätigkeit abzusetzen ist. Als Ausgangswert wird unter Berücksichtigung von Facharztgehältern im Krankenhaus, bei Verbänden und in der Pharmaindustrie 76.000 Euro angesetzt. Künftige tarifliche Anpassungen sind für die Praxiswertermittlung ebenfalls zu berücksichtigen.

Die Hinweise sehen eine Stufentabelle vor: Bei einem übertragbaren Umsatz ab 40.000, 65.000, 90.000, 115.000, 140.000, 165.000, 190.000, 215.000 und 240.000 Euro sind jeweils 20, 30, 40, 50, 60, 70, 80, 90 oder 100 Prozent des Arztgehalts abzusetzen. Beim Einschätzen der mittelfristigen Ertragsperspektiven der Arztpraxis wird daran anschließend in einem „Prognosemultiplikator“ die Anzahl Jahre berücksichtigt, in denen von einer Patientenbindung durch die Tätigkeit des bisherigen Praxisinhabers ausgegangen werden kann.

Er beträgt nach Einschätzung der BÄK für eine Einzelpraxis zwei Jahre. Die Hinweise der Bundesärztekammer beziehen sich in erster Linie auf die Bewertung von Einzelpraxen. Sieht man die Berufsausübungsgemeinschaft (Gemeinschaftspraxis, Partnerschaftsgesellschaft) als Einheit, ist die Formel wie bei einer Einzelpraxis grundsätzlich anwendbar. Besonderheiten ergeben sich aus der Anzahl der Gesellschafter im Hinblick auf die Berechnung des Arztgehalts und bei der Anwendung des Prognosemultiplikators.

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