Zeit ist Geld

Bürokratieindex 2018: Belastung in Praxen wieder gestiegen

Der Bürokratieaufwand kostet niedergelassene Ärzte sehr viel Zeit und damit auch sehr viel Geld. Obwohl von Politikern deshalb immer wieder betont wird, wie wichtig ein Bürokratieabbau sei, ist die Belastung in Arztpraxen sogar weiter gestiegen, wie der aktuelle Bürokratieindex zeigt.

In deutschen Arztpraxen ist der Verwaltungsaufwand auch 2018 weiter angestiegen, nämlich im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozent. Das ergab der zum dritten Mal von der KBV veröffentlichte Bürokratieindex. Damit wenden Ärzte und Psychotherapeuten knapp 323.000 Stunden mehr für Verwaltungstätigkeiten auf als im Berichtsjahr 2017.

Durch steigende Fallzahlen mehr Verordnungen

Der Hauptgrund für den erneut anwachsenden bürokratischen Aufwand ist demnach die demografische Entwicklung und die damit morbiditätsbedingt steigenden Fallzahlen an Behandlungen. Diese wiederum lösen einen höheren Aufwand für Verordnungen und Bescheinigungen aus, durch die ohnehin schon nachgewiesenermaßen die höchste zeitliche Belastung unter den erfassten Typen bürokratischen Aufwands entsteht.

60 Arbeitstage für die Bürokratie

Insgesamt benötige jede Praxis rechnerisch rund 60 Arbeitstage im Jahr allein für die Erfüllung von Verwaltungsaufgaben. Das entspricht insgesamt rund 54,5 Millionen Nettoarbeitsstunden. Abgesehen von den Kosten, steht diese Zeit dann auch nicht für direkte Behandlung von Patienten zur Verfügung. „Und das in Zeiten, da ärztliche Arbeitszeit ohnehin ein knappes Gut ist“, so KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel bei der Vorstellung des BIX.

Die Informationspflichten werden aktuell insgesamt zu 67,27 Prozent von den Ärzten und Psychotherapeuten selbst erfüllt und nur zu 25,79 Prozent vom Praxispersonal; 6,94 Prozent der Pflichten werden sowohl von Ärzten bzw. Psychotherapeuten als auch von sonstigen Praxisangestellten erledigt.

 

KBV fordert verbindliches Bürokratie-Abbauziel

Um dem steigenden Bürokratieaufwand etwas entgegenzusetzen, fordert die KBV einen nachhaltigen und aktiven Bürokratieabbau. Das könne das KV-System nicht allein bewerkstelligen, betonte Kriedel. Da müssten die Kassen mitziehen und nach aufwandsärmeren Regelalternativen suchen.

So wäre ein verbindliches Abbauziel von 25 Prozent nach Vorbild der Bundesregierung sinnvoll, sagte Kriedel. Dies entspräche einer rechnerischen Einsparung von 15 bürokratiebedingten Arbeitstagen je Praxis jährlich, die dann zusätzlich für die Versorgung von Patienten zur Verfügung stünden.

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