Pragmatischer Vorschlag

Bundesregierung empfiehlt Wiederaufbereitung von Schutzmasken: Wenigstens Jens Spahn ist zufrieden

Schutzausrüstung, insbesondere Gesichts-Masken, sind in Zeiten der Pandemie ein weiterhin knappes Gut. Da die entsprechende Versorgungslage weiterhin angespannt ist, empfiehlt der Krisenstab der Bundesregierung die Wiederaufbereitung der Schutzmasken. Auch wenn diese eigentlich nur für den einmaligen Gebrauch vorgesehen sind.

Die weltweite Nachfrage für Schutzausrüstungen ist durch die voranschreitende Ausbreitung des Corona-Virus extrem angespannt. Zwar betont die Bundesregierung, man habe sich “frühzeitig entschieden, auch zentral medizinische Schutzausrüstung zu beschaffen”, doch davon ist in vielen Kliniken und Arztpraxen bislang noch nichts zu spüren.

Desaströse Planung der Bundesregierung bringt Ärzte in höchste Not

Stattdessen mehren sich Stimmen wie die der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, die sich über “völlig unzureichende Planungen” des Bundesgesundheitsministeriums beschweren. Dazu die Vorstände der KVB – Dr. Wolfgang Krombholz, Dr. Pedro Schmelz und Dr. Claudia Ritter-Rupp: “Wir werden in Sachen Schutzausrüstung jetzt seit Wochen hingehalten und vertröstet. Allen Versprechungen zum Trotz kommt bei den Praxen praktisch nichts an.” Es mehren sich zudem Berichte über Ärzte, die aus Protest über die unzumutbare Lage bereits ihre Kassenzulassung zurückgeben werden.

Ausgesprochen peinlich für die verantwortlichen Politiker. Und leider auch sehr gefährlich für Ärzte, Praxismitarbeiter und Patienten. Deshalb sucht man verzweifelt nach pragmatischen, sicheren und vor allem schnellen Lösungen für das Problem. Das Ergebnis: Der Krisenstab der Bundesregierung empfiehlt Praxen und Kliniken die Einweg-Produkte mehrfach zu verwenden. Dies soll nach einer Aufbereitung mit Hitze möglich sein, allerdings nicht im OP und bei interventionellen Eingriffen.

Wiederverwendungsverfahren für medizinische Schutzmasken empfohlen

Konkret wird eine begrenzte Wiederaufbereitung (maximal dreimal) von Atemschutzmasken empfohlen, die unter eine der drei folgenden Kategorien fallen:

1. MNS-Masken (Einmal-Mund-Nasen-Schutzmasken, Norm DIN EN 14683) können demnach nach geeigneter Wiederaufbereitung bei 65-70 Grad Celsius wiederverwendet werden. Laut Empfehlung kann auf die Anforderungen der DIN-Norm derzeit auch verzichtet werden. Es können somit alle Formen genutzt werden, die einen Schutz vor Tröpfchenübertragung gewährleisten.
2. FFP2/3 Masken mit CE Kennzeichnung oder solche, die nach dem Prüfgrundsatz der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) zugelassen sind, können ebenfalls nach Hitzebehandlung wiederverwendet werden. Masken chinesischer Herkunft gehören ebenfalls in diese Kategorie.
3. FFP2/3 Masken aus den USA, Kanada, Australien oder Japan sind vor Wiederaufbereitung einem Schnelltest zur Temperaturbeständigkeit zu unterziehen.

Dekontamination in der Praxis nicht überall möglich

Die Dekontamination wird vorrangig durch Hitzeinaktivierung mittels trockener Hitze bei 65°C-70 °C für 30 Minuten empfohlen (wobei manche Masken zunächst auf Hitzebeständigkeit geprüft werden müssten). Das Verfahren kann z.B. in Trockenschränken durchgeführt werden, die in den meisten Krankenhäusern, in großen Arztpraxen, aber eben nicht unbedingt in allen Gesundheitseinrichtungen zur Verfügung stehen.

Zu beachten ist außerdem, dass die Masken personalisiert werden sollten, da bei diesem Verfahren zwar Corona-Viren, aber eben nicht auch alle anderen Viren und Bakterien beseitigt werden. Wurden die Masken z.B. beim Einsatz an Patienten mit Tuberkolose oder anderen Infektionen mit erhöhter Persistenz verwendet, sollte man von einer Wiederverwendung besser absehen.

Um die Sicherheit des Verfahrens zu gewährleisten, müssen Praxen und Kliniken außerdem ein System einrichten, das anzeigt, wie oft eine Maske dekontaminiert wurde (max. 2 Mal) und das sicher stellt, dass sie immer nur von der gleichen Person verwendet wird. Auch müssen die feuchten Masken während des Trocknens so gelagert werden, dass eine Vermehrung von Bakterien und Schimmelpilzen ausgeschlossen ist. Das durchführende Personal soll entsprechend qualifiziert sein und unterwiesen werden, alle Verfahrensschritte müssen so dokumentiert werden, dass eine Überprüfung möglich ist.

Wenigstens einer: Jens Spahn ist zufrieden

Eine “pragmatische Lösung” sieht eigentlich anders aus. Aber Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist trotzdem sehr zufrieden. Sein Statement dazu: „Der Schutz des Personals im Gesundheits- und Pflegebereich hat oberste Priorität. Es ist  gut, dass wir hier schnell und vorausschauend eine sichere Lösung für mögliche Lieferengpässe finden konnten. Es werden gleichzeitig alle Anstrengungen unternommen,
ausreichend neue Schutzmasken auf dem Weltmarkt zu ordern.“

Sagen Sie uns Ihre Meinung

Ist das eine praktikable Zwischenlösung für Ihre Praxis? Wie sieht es bei Ihnen mit der Versorgung mit Schutzausrüstung aus? Wie wirkt sich die Corona-Epidemie auf Ihren Praxisalltag aus? Finden Sie, dass der Bundesgesundheitsminister einen guten Job macht? Schreiben Sie uns und teilen Sie Ihre Erfahrungen mit anderen Kollegen und Kolleginnen. (Bitte nutzen Sie dafür unser Kontaktformular) 

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