Umfrage der apoBank

Corona-Krise: So geht es den deutschen Ärzten wirklich

Die einen gehen in der Pandemie an ihre Leistungsgrenzen, andere geraten in wirtschaftliche Nöte. Was Ärzte in der Corona-Krise wirklich bewegt, zeigt eine Umfrage aus der ersten Phase der Krise.

Vom 3. bis zum 27. April 2020 befragte die Apotheker- und Ärztebank 130 Fachärzte, 73 Hausärzte, 91 Zahnärzte und 227 Apotheker nach ihren Sorgen und Bedürfnissen während der Covid-19-Pandemie. Bemerkenswert daran ist zunächst, dass die teilnehmenden Heilberufler weniger um ihre Gesundheit besorgt waren, sondern sich mehr Gedanken um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie machten. Einige mussten bereits selbst Maßnahmen ergreifen, um den eigenen Praxisbetrieb zu sichern und die ambulante Versorgung auch weiterhin gewährleisten zu können.

Mehr Arbeit, weniger Geld

Viele spürten bereits die Effekte der virusbedingten Einschränkungen auf den beruflichen Alltag: 58 Prozent verzeichneten einen Rückgang der Patienten, allen voran die Zahnärzte: Von ihnen meldeten 89 Prozent rückläufige Patientenzahlen. Apotheken hingegen wurden auch in der ersten Phase der Krise noch verhältnismäßig häufig frequentiert, allerdings gaben auch hier 34 Prozent der Befragten zurückgehende Kundenzahlen an.

Die damit verbundenen, schwindenden Umsätze spiegeln sich allerdings nicht unbedingt auch in einer niedrigeren Arbeitsbelastung wider. Im Gegenteil. Zwar meldeten 29 Prozent der Befragten ein sinkendes Arbeitspensum, 44 Prozent aber mussten sogar mehr arbeiten.

Kurzarbeit und Kredite

Besonders dramatische Folgen vermeldeten die selbstständigen Heilberufler: 27 Prozent der Befragten gaben an, wegen des rückläufigen Patientenaufkommens Kurzarbeit angemeldet zu haben, bei weiteren 29 Prozent war dieser Schritt bereits in Planung oder in der Zukunft denkbar. Elf Prozent hatten im Umfragezeitraum bereits staatliche Unterstützung, knapp jeder Zweite (45 Prozent) hat sich mit diesem Gedanken auseinandergesetzt.

Personalabbau scheint für die meisten Heilberufler hingegen auch in der Krise kein Thema zu sein, allerdings zog knapp ein Drittel der Befragten die Möglichkeit in Betracht, einen bestehenden Kredit aufzustocken, auszusetzen oder neue Kredite zu beantragen.

Ungewisse Zukunft

Mit Blick auf den weiteren Verlauf der Pandemie befürchteten mehr als zwei Drittel, dass sie sich beim Personal auf mögliche Neuplanungen und Ausfälle vorbereiten müssen.

Die (neuen) gesetzlichen Vorgaben – etwa Hygienevorschriften, Abstands- und Zugriffsbeschränkungen sowie Limitierungen der Ausgabe von Arzneimitteln – sahen fast 62 Prozent der befragten Heilberufler als problematisch an.

„Alles in allem zeigt die Mehrheit der Heilberufler jedoch Verständnis für die bisher initiierten Maßnahmen der Politik und jeder Zweite sieht das deutsche Gesundheitssystem in der Lage, diese Krise zu bewältigen“, kommentiert Daniel Zehnich, Leiter des Bereichs Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik bei der apoBank die Ergebnisse. Auffällig sei jedoch, dass sich viele der Befragten nicht rechtzeitig oder umfassend zu Auswirkungen auf ihr berufliches Handeln informiert fühlen.“

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