Weitere Einbußen befürchtet

Corona-Pandemie: Massive Honorarrückgänge im privatärztlichen Bereich

Eine aktuelle Analyse zeigt, wie sehr niedergelassene Ärzte im privatärztlichen Bereich unter der Corona-Pandemie zu leiden haben. Einige Fachgruppen haben deutlich überdurchschnittliche Honorareinbußen zu verzeichnen.

Der Verband der Privatärztlichen Verrechnungsstellen e.V. (PVS Verband) hat die Honorareinbußen der niedergelassenen Ärzte infolge der Corona-Pandemie für April in einer repräsentativen Stichprobe erhoben.

Analysiert wurden die Abrechnungen von insgesamt 3.571 niedergelassenen Ärzten im gesamten Bundesgebiet. Die Daten von 1.056 Allgemeinmedizinern sowie von mehr als 2.500 Ärzten aus zehn wichtigen Fachgruppen flossen in die Auswertung ein. Im Durchschnitt ermittelt der PVS Verband einen Rückgang um 32,62 % im Vergleich zum April des Vorjahres.

„Unsere Daten zeigen, dass die HNO-Ärzte mit fast 44 % Honorareinbußen die Auswirkungen der Pandemie am stärksten zu spüren bekommen“, erläutert Stefan Tilgner, Geschäftsführer des PVS Verbandes, die Ergebnisse. „Aber auch die Hausärzte liegen mit knapp 37 % deutlich über dem Durchschnitt, das gilt auch für die Kinder- und Jugendärzte, die Honorarrückgänge von 36 % zu verzeichnen haben.“

Die Ergebnisse im Überblick:

Allgemeinmedizin/Innere: -36,91%
Augenheilkunde: -31,26%
Chirurgie: – 33,90%
Dermatologie: -31,52%
HNO: -43,98%
Gynäkologie: -26,71%
Innere Medizin: -31,55%
Kinder/Jugend: -35,58%
Orthopädie/Unfallchirurgie: -32,96%
Radiologie: -30,24%
Urologie: -30,67%

Durchschnitt über alle Fachgruppen: -32,62%

Die Ergebnisse spiegeln die erhebliche Corona-bedingte Verunsicherung der Patientinnen und Patienten und deren Ängste wider. Wenn auch die meisten Arztbesuche inzwischen nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden.

„Dies ändert jedoch alles nichts an der Tatsache, dass die finanziellen Auswirkungen des Wegbrechens von Patientenkontakten in den Praxen schon jetzt aus eigener Kraft nur schwer kompensiert werden können. Denn im Gegensatz zu anderslautenden Bekundungen wird der niedergelassene, insbesondere privatärztliche Bereich im Hinblick auf staatliche Unterstützungsmaßnahmen nach wie vor sträflich vernachlässigt. Dieses Handeln könnte sich noch bitter rächen, sollten die Einbußen existenzbedrohlich und damit strukturverändernd wirken. Hier sind alle Akteure gefragt, dies zu verhindern“, mahnt Tilgner.

Aus diesem Grunde will der PVS Verband seine Erhebung fortführen. Dabei wird es neben der Beschreibung des Behandlungsgeschehens in den Folgemonaten auch um die weitere Präzisierung der Ergebnisse für den April gehen. Bisher konnte der PVS Verband die Abrechnungen, die bis zum Stichtag der Erhebung Ende Mai bei den Privatärztlichen Verrechnungsstellen eingereicht worden waren, auswerten.

Im Bereich der privatärztlichen Leistungen gibt es anders als bei den Kassenärzten keinen vorgegebenen Abrechnungszeitpunkt. Die Ärztinnen und Ärzte können ihre Leistungen kontinuierlich abrechnen. Daher haben die Umsätze aus der Behandlung von Privatversicherten und Selbstzahlern eine besondere Bedeutung für die Liquidität der Praxen.

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