Versichertenumfrage

Hausärzte sind erster Ansprechpartner in der Corona-Krise

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat in einer Versichertenumfrage 2000 Menschen in Deutschland befragt, wie sich die Einstellung zu ihren Haus- und Fachärzten in der Pandemie entwickelt hat. Nicht alle Ergebnisse sind erfreulich.

Die Haus- und Fachärzte in Deutschland sind in den allermeisten Fällen die erste Anlaufstelle in der Corona-Pandemie. Dies belegen jetzt Zahlen der diesjährigen Versichertenumfrage im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Mehr als 2000 Personen konnten dabei ihre Meinung äußern. „Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte nehmen auch weiterhin eine Schlüsselrolle in der Pandemiebekämpfung ein“, sagte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Gassen, bei der Vorstellung der ersten Ergebnisse.

Insbesondere bei Corona-Verdachtsfällen waren Vertragsärztinnen und -ärzte demnach die wichtigsten Ansprechpartner. 68 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf eine SARS-CoV-2-Infektion – vor allem Menschen ab 60 Jahren – wandten sich laut der KBV-Umfrage zuerst an ihren Haus- oder Facharzt. Gut die Hälfte der daraufhin veranlassten Tests erfolgte in den Praxen. Nur 13 Prozent suchten im Vergleich dazu Hilfe oder Beratung bei einem Corona-Testzentrum. 10 Prozent fragten bei einer Corona-Hotline oder einem Gesundheitsamt an und nur vier Prozent in einem Krankenhaus.

Aus Angst vor dem Virus gingen viele nicht zum Arzt

Zugleich gaben 18 Prozent der Versicherten an, im Zeitraum von März 2020 bis April 2021 auf einen notwendigen Arztbesuch verzichtet zu haben. 41 Prozent davon aus Angst vor dem Corona-Virus. In der Altersgruppe von 18 bis 29 Jahren berichtete das sogar jeder Vierte. In dem Bereich ab 60 Jahren liegt der Durchschnitt derjenigen, die keine Praxis aufgesucht haben, bei knapp 16 Prozent. „Es ist besorgniserregend, dass vor allem ältere Menschen derzeit lieber auf eine Behandlung verzichten, als zum Arzt zu gehen“, sagte dazu KBV-Chef Gassen. Es gebe keinen Grund zur Sorge: „Die Praxen sind auch in der Pandemie sicher.“ Er appelliert daher an Patienten, Termine nur im Einvernehmen mit dem behandelnden Arzt abzusagen.

Die KBV-Versichertenbefragung 2021 ging auch auf pandemiebedingte Änderungen bei der medizinischen Versorgung ein. Die zum Patientenschutz eingeführte Krankschreibung per Telefon etwa nahm mit sechs Prozent nur ein Bruchteil der Befragten in Anspruch.

Drei von vier Befragten für frühere Corona-Impfungen in Praxen

Eine weitere Erkenntnis: „Drei von vier Befragten hätten sich einen früheren Start der Corona-Impfungen in den Praxen gewünscht. Das zeigt: Das Vertrauen der Patientinnen und Patienten ist groß. Sie wollen in den Arztpraxen geimpft werden“, betonte Gassen. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, ergänzte: „Wir sehen das als klares Signal an die politisch Verantwortlichen.“ Es gehe jetzt darum, die Kapazitäten hochzufahren, um möglichst schnell möglichst viele Menschen zu immunisieren – durchaus gemeinsam mit Impfzentren und Betriebsärzten.

Die Versichertenumfrage der KBV
Im ersten Teil der diesjährigen Versichertenbefragung kontaktierte die Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der KBV zwischen dem 29. März 2020 und 7. April 2021 telefonisch mehr als 2000 Personen über 18 Jahren. Thematischer Schwerpunkt war die Corona-Krise. Im zweiten Teil der Studie liegt der Fokus wie in den Jahren zuvor auf allgemeineren Themen wie Wartezeiten und Arztbewertung. Die finalen Ergebnisse der KBV-Versichertenbefragung 2021 werden im dritten Quartal vorgestellt und veröffentlicht.
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