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Kinder- und Jugendärzte schlagen in Brandbrief an Spahn Alarm


Ein Arzt bei Hausbesuch. Untersucht krankes Kind. / A physician at house call. Examining sick child.

Deutschlands Kinder- und Jugendärzte haben in einem Brandbrief an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vor einem Praxen-Sterben wegen der Corona-Pandemie gewarnt. Sie fordern mehr finanzielle Unterstützung vom Bund.

Spahns Gesetzentwurf sei „leider in der vorliegenden Form nicht geeignet, die existenziellen Nöte der niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte und -ärztinnen ausreichend abzumildern“. So heißt es in dem Brief des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) über den die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) berichtet.

„Vielen Praxen steht das Wasser bis zum Hals“, bestätigt BVKJ-Präsident Thomas Fischbach. Als Grund für die akuten Einnahmeausfälle wird ein coronabedingter Rückgang der Behandlungen „zwischen 20 und 40 Prozent“ genannt. Das liege zum einen daran, dass wegen der Schutzmaßnahmen weniger Grippepatienten kämen. Aber auch viele Arztkontakte mit chronisch kranken Kindern und Jugendlichen sowie Vorsorgetermine aufgrund der aktuellen Pandemie-Empfehlungen würden nicht wahrgenommen.

Weniger Patienten, mehr Arbeit, weniger Geld

Allein im Frühjahr 2020 habe man bis zu 30 Prozent weniger Patienten gehabt. Deshalb wurde aber keineswegs weniger gearbeitet: „Im Gegenteil. Wir haben unsere Praxen umorganisiert, Sprechstunden verändert, unsere Mitarbeiterinnen in Sachen Hygiene geschult und Raumteilungen vorgenommen, um uns selbst und unsere Patienten vor Ansteckung zu schützen. Außerdem haben wir vermehrt am Telefon und in Videosprechstunden Patienten bzw. deren Eltern beraten. Denn statt in die Praxen zu kommen, riefen uns die Eltern an, ließen sich aus der Ferne beraten, krankschreiben und Rezepte für ihre Kinder schicken. Diese Form der Konsultation ist weitaus zeitraubender als die übliche Form, bei der wir die Patienten in der Praxis sehen. Und sie ist schlechter bezahlt. Die Pauschale liegt um 20 bis 40 Prozent unter der normalen Pauschale.“, heißt es in einem offiziellen Statement des Verbandes.

Abgespeckter Rettungsschirm führt zu Entlassungen und Praxis-Schließungen

Zwar will Spahn Umsatzausfälle der Praxen weiter kompensieren, doch der Rettungsschirm in seiner bisherigen Form soll – so die Sorge der Kinder- und Jugendärzte – eingeklappt werden. „Wir wären Ihnen zu Dank verpflichtet, wenn Sie dieses Vorhaben nochmals in Hinblick auf seine Auswirkungen überdenken könnten“, schreibt der BVKJ an den Minister. Trotz der Umsatzeinbußen und stark gestiegenen Kosten für die Hygiene habe bisher kaum eine Kinder- und Jugendarztpraxis Kurzarbeit beantragt. Sollte der Rettungsschirm nur noch abgespeckt gelten, seien aber vermutlich viele Praxen gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen oder womöglich zu schließen. Mit fatalen Folgen. „Wir werden unsere ohnehin knapp aufgestellten Ressourcen nach der Pandemie wieder dringend benötigen und können uns keine weiteren Praxisaufgaben leisten“, so die Warnung des Pädiater-Verbandes.

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Ilias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib

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