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Wie die Krise Gesundheitspolitik und Einstellung zum Impfen verändert hat


Junge Frau schaut nachdenklich auf eineSpritze

Der Ausbruch von COVID-19 hat zu einem politischen und gesellschaftlichen Wandel geführt. Besonders deutlich wird das beim Thema Impfen. Experten klären auf: Welche neuen Wege die Gesundheitspolitik einschlägt und wo die Chancen in der Krise liegen.

„Corona hat zu einer neuen Art von Industriepolitik geführt“, sagte Ministerialdirektorin Ruth Nowak vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege im Rahmen der Onlineveranstaltung „Hoffnungsträger Impfen: Chancen nutzen“. Dabei bezog sie sich auf den Paradigmenwechsel bei EU, Bund und Staatsregierung, der als Reaktion auf die Pandemie stattgefunden hat.

Regierung beteiligt sich an Pharmaunternehmen

Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik steigt die Regierung in die Pharmaindustrie ein. Mit 300 Millionen Euro will sich der Bund an dem Biotechnologie-Unternehmen CureVac beteiligen, das unter anderem an einem mRNA-Impfstoff gegen SARS-CoV-2 forscht. Zusammen mit Frankreich, Italien und den Niederlanden versucht die deutsche Bundesregierung zudem, sich vorab 300 Millionen Dosen eines Impfstoffes zu sichern, der aktuell von der Universität Oxford entwickelt wird. Ob und wann eines der weltweit mehr als 160 Impfstoffprojekte [www.who.int/publications/m/item/draft-landscape-of-covid-19-candidate-vaccines] von Erfolg gekrönt sein wird, ist allerdings noch unklar.

Vorbereitungen auf zweite Welle laufen

Auch aus diesem Grund bereitet sich die Bayerische Regierung laut Nowak bereits auf eine zweite Welle vor. So soll ein dauerhafter Grundstock an Schutzausrüstung errichtet werden. Um einer Überlagerung von Corona und Grippe vorzubeugen, ist außerdem der Ankauf von Influenza-Impfstoffen geplant. Gesetzt den Fall, dass es für diese Order noch nicht zu spät ist, sollen erstmals auch Gesundheitsämter die zusätzlichen Dosen verimpfen dürfen.

Neugewonnene Chancen nutzen

Auch auf gesellschaftlicher Ebene zeichnet sich ein Wandel ab: So scheint die Impfbereitschaft in der Bevölkerung seit dem Corona-Ausbruch angestiegen zu sein. „Eine bessere Situation für hohe Impfraten als die heute werden wir nicht finden“, sagte Dr. Markus Frühwein, Allgemein- und Tropenmediziner aus München. Frühwein ermutigte seine Kolleginnen und Kollegen dazu, besonders bei Risikopatienten auf einen hinreichenden Impfschutz, beispielsweise gegen Grippe, Pneumokokken und Pertussis, zu achten. Weil die Impfung von immunsupprimierten Patienten oft zu Verunsicherung führt, formulierte er drei einfache Merksätze:
1. „Totimpfstoffe gehen immer.“
2. „Lebendimpfstoffe gehen mit Abstand zur Therapie.“
3. „Lebendimpfstoffe gehen nicht unter Therapie.“

Als weitere Hilfestellung hat er zusammen mit einem Kollegen eine Checkliste für die Praxis und einen Laufzettel für die Patienten entwickelt [https://www.gzim.de/images/Docs/Praxis-Info-Immunsuppression.pdf].

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Ilias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib

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