Umfrage

COVID-19: Kriminalität kostet Gesundheitswesen weltweit wichtige Kapazitäten

COVID-19-bezogene Betrugs- und Korruptionsdelikte reduzierten im April die Kapazitäten des Gesundheitswesens. Dies ist eines der Ergebnisse einer globalen Umfrage unter Betrugs-Ermittlern durch die Unternehmensberatung Nemexis.

Während das Gesundheitswesen weltweit mit den Anforderungen der Pandemie beansprucht war, reduzierte kriminelles Handeln offenbar seine Kapazitäten. Laut der Umfrage hat sogenannte “COVID-19-Kriminalität” in der Hälfte der 58 untersuchten Staaten zu schlechten Arbeitsbedingungen und damit zu Streiks von Medizinern geführt und in jedem dritten untersuchten Land sogar zu vermeidbaren Todesfällen.

Die häufigsten Deliktfelder in Zusammenhang mit der Pandemie waren:

  • Betrug im Zusammenhang mit persönlicher Schutzausrüstung und Beatmungsgeräten
  •  die Existenz relevanter Schwarzmärkte und fehlerhafter medizinischer Ausstattung
  • Cyber-Angriffe auf das Gesundheitswesen
  • Unterschlagung von COVID-19-Finanzmitteln für das Gesundheitswesen
  • Forderung von Bestechungsgeldern durch das medizinische Personal

Das weltweit häufigste Problem war Betrug im Zusammenhang mit Schutzausrüstung und Beatmungsgeräten. Dieser ist in 81% der untersuchten Länder aufgetreten. Einen Schwarzmarkt für COVID-19 relevante Güter gab es in 62% der betroffenen Länder. Ferner wurden zahlreiche Fälle von Unterschlagung erwähnt, fehlerhafte medizinische Ausstattung und Cyber-Angriffe auf das Gesundheitswesen.

Starke Auswirkungen auf das Gesundheitssystem

80% der Respondenten erklärten, dass die Auswirkungen von Betrug und Korruption auf das Gesundheitssystem ihres Landes “sehr wichtig” (59%) oder “wichtig” (21%) waren. In der Hälfte der Länder wurde das Aufkommen von Whistleblowern belegt, in fast einem Viertel gar die Unterdrückung von Whistleblowern, die frühzeitig vor dem Virus gewarnt hatten. Dem Bericht zufolge ist die Unterdrückung von Frühwarn-Whistleblowern der wichtigste Betrugs-bezogene Faktor in der Verbreitung von COVID-19.

Dazu Pamela Davis, ehemalige US-Bundesanwältin mit umfassender Erfahrung in der Verfolgung von Straftaten im Gesundheitswesen: „Die Bekämpfung von COVID-19 erfordert mehr als nur medizinisches Know-how: Es erfordert ein robustes und umfassendes Betrugsbekämpfungsprogramm für das öffentliche Gesundheitswesen. Wir müssen unverzüglich klare Methoden für die Überwachung und Prüfung der ausgezahlten Mittel und medizinischen Geräte im Zusammenhang mit globalen Eindämmungsbemühungen anwenden. Und wenn es Anzeichen für Fehlverhalten gibt, müssen die Gegenmaßnahmen schnell und angemessen sein. Sollten wir daran scheitern, werden wir unser erklärtes Ziel, die Pandemie einzudämmen, nicht erreichen.“

Bekämpfung der Kriminalität unterstützt Pandemiebekämpfung

Der Bericht empfiehlt, eine robuste Kriminalitätsermittlung als wesentlichen Bestandteil der Pandemie-Bekämpfung zu verstehen. Nationale Gesundheitssysteme sollten Zugriff haben auf multidisziplinäre Ermittlungs-Kapazitäten. Ferner sollten internationale, medizinische und anonyme Zwei-Wege-Whistleblower-Kanäle eingeführt werden.

Die Feldstudie fand vom 4. bis zum 22. April 2020 statt. Die Auswertung kam zu dem Schluss, dass die Häufigkeit von COVID-19-Kriminalität hoch war und ihr negativer Einfluss auf Gesundheitskapazitäten signifikant.

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