Selbstverantwortung und Solidarität

COVID19: Hausärzte appellieren an Patienten, Wissenschaft und Politik

Der Hausärzteverband Nordrhein e.V. fordert ein einheitliches, für die Bevölkerung und die Gesundheitsversorgung sinnvolles und praxisnahes Vorgehen. Und insbesondere eines, das die Hausarztpraxen nicht noch mehr belastet.

„Wir müssen die zweite Corona-Welle anders angehen und explizit die vulnerable Bevölkerung schützen“, erklärt der Hausärzteverband Nordrhein e.V. in einem aktuellen Statement. Vulnerable Gruppen, die ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf bei Influenza und COVID19 haben, müssten bei der Grippeschutzimpfung bevorzugt werden. Dies gelte insbesondere für ältere Menschen und Menschen mit Grunderkrankungen. Begründung: Gerade im Rahmen der COVID-19-Pandemie könne eine hohe Impfquote bei den Risikogruppen schwere Krankheitsverläufe und daraus folgend Engpässe in Krankenhäusern verhindern.

Mehr Eigenverantwortung und Respekt

Die Einhaltung der AHA-Regeln ergänzt um regelmäßiges Lüften ist für den Hausärzteverband ein wichtiger Appell an die Bevölkerung. „Wenn wir alle in den kommenden Herbst- und Wintermonaten eigenverantwortlich, respektvoll und solidarisch miteinander umgehen, ist allen geholfen“, mahnt der Vorsitzende des Verbandes, Dr. Oliver Funken.

Unbedachte Meinungsäußerungen, intransparente und unverständliche politische Entscheidungen würden dazu führen, dass die Menschen ängstlich sind. „Wir Hausärzte müssen das im Praxisalltag austragen. Wir beantworten Fragen, erklären und nehmen Ängste.“

Belastungsgrenze von Ärzten und Praxisteams erreicht

Hausärzte würden schon in normalen Zeiten in der ersten Linie einen häufig unterschätzten Beitrag zur Sicherung der Gesundheit und des sozialen Friedens leisten. Die durch die Pandemie ausufernde Mehrarbeit erreicht jetzt aber die Belastungsgrenze der Praxisteams. „Neben der Patientenversorgung werden wir kurzfristig immer wieder mit neuen Regeln, Gesetzen und Aufgaben konfrontiert“, kritisiert Dr. Funken. „Wir müssen unsere Teams kurzfristig informieren und schulen. Die Patienten erwarten jederzeit professionelle Antworten.“

Das Engagement der PraxismitarbeiterInnen geht seit Monaten weit über das normale Maß hinaus. Viele Patienten schätzen die Leistungen und das Engagement der Hausärzteteams. Das sinnfreie Testen asymptomischer Bürger und der Aufbau einer gigantischen Nachverfolgungsindustrie, deren Konzept angesichts der hohen Infektionszahlen vielerorts bereits gescheitert sei, binde aber dringend benötigte Ressourcen. Die Isolation von Hotspots bringt aus medizinischer Sicht mehr: „Wir arbeiten mit und für die Menschen“, betont Funken. „Statistiken und Listen bringen uns vor Ort nicht weiter.“

Kurzfristige und regional extrem unterschiedliche Vorgaben seien eine Gefahr für die Akzeptanz der notwendigen Pandemiemaßnahmen insgesamt und würden die Praxen zusätzlich belasten: “Angst und Panik sind kein geeignetes Werkzeug, den erforderlichen Schulterschluss herzustellen. Stattdessen sehen wir Hausärzte in dieser Zeit die unbedingte Notwendigkeit, in Partnerschaft mit unseren Patienten die notwendigen Maßnahmen umzusetzen. Hausärzte haben Identität und Solidarität mit ihrem Beruf und den Patienten bewahrt und sehen darin den Schlüssel für eine weiterhin erfolgreiche Bewältigung der Pandemie.”

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