Checkliste Praxisabgabe

Praxisverkauf und Praxisbewertung: Auf diese Punkte müssen Sie achten

Die Zeiten, in denen der Praxisverkauf quasi „von alleine“ lief, sind für die meisten niedergelassenen Ärzte leider vorbei. Wer sein Lebenswerk zu einem guten Preis an einen geeigneten Nachfolger übergeben möchte, muss die Sache professionell angehen. Wir listen auf, worauf es ankommt, wenn es soweit ist. Besonders komplex ist vor allem die Praxisbewertung.

Vor dem Praxisverkauf steht für Arzt oder Zahnarzt immer das Thema Praxiswertermittlung. Grundsätzlich bestimmt sich der Praxiswert aus der Addition von Substanzwert und ideellem Goodwill. Die Ermittlung des Praxiswertes kann allerdings anhand verschiedener Methoden erfolgen, die zum Teil zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Praxiswertermittlung nur mit Gutachter oder Sachverständigem

Weil Praxisverkäufer und Käufer zudem meist unterschiedliche – und oftmals auch unrealistische – Vorstellungen vom Wert der Praxis haben, braucht es an dieser Stelle einen neutralen Gutachter. Die Praxiswertermittlung erledigen im Idealfall öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige. Auch ein Steuerberater oder Rechtsanwalt kann als Berater bei der Praxisabgabe hilfreich sein. Letztendlich gilt aber, dass der Praxiswert eben derjenige ist, der am Markt tatsächlich erzielbar ist. Und der kann vom Ergebnis der Praxisbewertung doch ziemlich abweichen.

Faktoren, die den Wert der Arztpraxis bestimmen

Wenn es um den Wert einer Arztpraxis oder einer Zahnarztpraxis geht, spielen neben dem Umsatz zahlreiche mindernde oder erhöhende Faktoren eine Rolle. Dazu gehören unter anderem:

  • Alter und Ruf der Praxis;
  • Privatanteil und Patientenstruktur;
  • Lage der Praxis;
  • Ansiedlung der Praxis (Gebäudezustand, Etage, Fahrstuhl etc.);
  • Größe und Raumaufteilung der Praxisräumlichkeiten;
  • Laufzeit und Gestaltung des Praxismietvertrages;
  • Verkehrsanbindung;
  • Arztdichte (Konkurrenzsituation, potentielle Zuweiser);
  • Kooperationsverträge, die übernommen werden können;
  • Parkplätze;
  • Apotheke in der Nähe;
  • Klinikstandorte;
  • Praxisstruktur;
  • Notdienstsituation;
  • Abgabezeitpunkt.

Je nachdem, wie die Antwort auf die dazugehörigen Fragen ausfällt, schwankt auch der Praxiswert beziehungsweise der Preis. Nicht jeder Punkt lässt sich 1:1 in Umsatz umrechnen. Aber es ist nun mal so, dass Patienten Arztpraxen mit ausreichendne Parkplätzen und einer Apotheke in unmittelbarer Nähe besonders schätzen. Für den potentiellen Käufer ist natürlich auch die Konkurrenzsituation wichtig, ebenso wie die Details rund um die Praxisräumlichkeiten.

Käufer und Verkäufer brauchen professionelle Unterstützung durch einen Gutachter, um die Auswirkungen der einzelnen Punkte auf den Praxiswert richtig einzuschätzen. Ein entsprechendes Gutachten in Auftrag zu geben, kann für die Praxisbewertung daher nur empohlen werden. Das sogenannte „Goodwill“, also die immateriellen Werte, dürfen bei keiner Methode zur Berechnung des Preises unterschätzt werden.

Nachfolgesuche für die Arztpraxis

Mindestens genauso wichtig ist für den Arzt/Zahnarzt aber natürlich auch die Nachfolgersuche. Was viele Niedergelassene unterschätzen: Sie braucht ausreichend Zeit! Mit einer Arztpraxis ist es genau wie mit jedem anderen Unternehmen: Der geeignete Kandidat muss Know-how und Geld mitbringen. Und man möchte sein Lebenswerk ja auch in gute Hände übergeben. Dazu kommt, dass der Praxisinhaber nicht allein entscheidet. Das letzte Wort hat immer der Zulassungsausschuss. Da kann es nicht schaden, nicht nur einen, sondern mehrere geeignete Kandidaten vorzuschlagen.

Der geeignete Zeitpunkt

Über den geeigneten Abgabezeitpunkt können sowohl persönliche wie auch finanzielle Überlegungen entscheiden. Diese Gedanken sollte sich der Praxisinhaber frühzeitig machen:

  • Wie hoch sind die zu erwartenden Bezüge für den bisherigen Praxisinhaber durch das Versorgungswerk?
  • Welche Altersabsicherungen gibt es, ab wann und in welcher Höhe können diese bezogen werden? Schließlich fallen nicht nur die Verpflichtungen des „Unternehmens“ weg, sondern auch der Umsatz
  • Bestehen noch Verbindlichkeiten, gegebenenfalls in welcher Höhe, oder sind alle Finanzierungen abgeschlossen? Soweit noch laufende Finanzierungen vorhanden sind, besteht die Möglichkeit des Eintritts in die laufenden Verträge?
  • Wie hoch wird der persönliche Bedarf des bisherigen Praxisinhabers eingeschätzt?
  • Gibt der Markt wirklich her, was die Praxisbewertung ergeben hat? Nicht in jedem Fall ist trotz positivem Gutachten wirklich mit einem (nennenswerten) Verkaufserlös der Praxis zu rechnen!
  • Wie hoch ist die steuerliche Belastung im Falle der Realisierung eines Verkaufserlöses? Zu diesem Thema sollte der Arzt sich frühzeitig mit dem Steuerberater besprechen

Praxisverkauf in gesperrten Gebieten

Der Praxisverkauf in gesperrten/zulassungsbeschränkten Gebieten stellt alle Beteiligten vor zusätzliche Herausforderungen. Hier reicht es nicht aus, eine Praxiswertermittlung durchzuführen und sich dann auf die Suche nach dem geeigneten Käufer zu machen. In zulassungsbeschränkten Gebieten muss bei Beendigung der Zulassung und wenn die Praxis von einem Nachfolger fortgeführt werden soll, der Vertragsarztsitz auf Antrag des ausscheidenden Arztes in einem Verfahren ausgeschrieben werden. Hierfür sollten mindestens sechs bis acht Monate eingeplant werden. Das Verfahren läuft in der Regel so ab:

  • Verzicht auf die Zulassung unter dem Vorbehalt der tatsächlichen Praxisaufnahme des rechtskräftig zugelassenen Praxisnachfolgers;
  • Ausschreibung durch KV und Eingang von Bewerbungen bei ihr;
  • Bekanntgabe der Bewerber an den Abgeber und spiegelbildlich des Abgebers an die Bewerber;
  • Abgeber muss mit allen Bewerbern verhandeln, Kaufpreis entscheidet nicht über die Zulassung;
  • Auswahlverfahren durch den Zulassungsausschuss, nicht durch den Abgeber.

Übergabe an den Käufer

Praxisverkauf an den Nachfolger: Bei der Übergabe an den Nachfolger gilt es folgende Punkte zu beachten:

  • Das vorhandene Personal muss vom Nachfolger übernommen werden, da dieser im Regelfall in bestehende Arbeitsverträge einsteigt. Hier gelten die gleichen Regeln wie in jedem anderen Unternehmen.
  • Kann/will der Nachfolger den Praxismietvertrag übernehmen?
  • Gegebenenfalls rechtzeitige Kündigung des Mietvertrages;
  • Telefonanschluss, gegebenenfalls Übernahme der bisherigen Telefonnummer durch Erwerber mit Telefondienstleister abstimmen;
  • Übernahme von Leasingverträgen;
  • Bestehen sonstige laufende Verträge, die gekündigt werden müssen?
  • Werden alle Einrichtungsgegenstände veräußert? Gegebenenfalls private Gegenstände, etwa Kunstgegenstände vom Verkauf ausnehmen. Achten Sie darauf, dass diese bei der Ermittlung des Wertes nicht mitberechnet werden!
  • Sollen die Patienten im Vorfeld informiert werden, wenn ja wann und in welcher Form?
  • Steht der Abgeber als Vertreter weiterhin zur Verfügung?
  • Anpassung beziehungsweise Kündigung bestehender, nicht mehr erforderlicher Versicherungen unter Beachtung der Kündigungsfristen;
  • Übergabe der Patientenkartei unter Wahrung der ärztlichen Schweigepflicht und Bestimmungen des Datenschutzes an den Nachfolger.

Bei einem Verkauf der Praxis stehen neben den bestehenden steuerlichen Freibeträgen, die unter gewissen Voraussetzungen geltend gemacht werden können, bezüglich des Verkaufserlöses weitere steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung. Der Praxisverkauf sollte daher nicht unter Zeitdruck und unbedingt in Zusammenarbeit mit einem Steuerberater geplant werden. Empfehlenswert ist es zudem, eine Annonce in einer Praxisbörse aufzugeben.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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