Steuern 2011

Haushaltsbegleitgesetze: Darauf müssen Sie achten!

Schwarz-Gelb will bis 2014 80 Milliarden Euro einsparen und verabschiedete deshalb Haushaltsbegleitgesetze. Daraus leiten sich für uns im laufenden Jahr wichtige Neuerungen ab.

Häusliches Arbeitszimmer: Für Niedergelassene ist eine wichtige Neuregelung die steuerliche Abziehbarkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer. Seit 2007 konnten die Ausgaben dafür nur noch dann steuerlich berücksichtigt werden, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildete. Das Bundesverfassungsgericht entschied aber im Juli 2010, dass es auch dann steuerlich abziehbar sein muss, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Diesen Beschluss setzt der Gesetzgeber nun um.

Seit Jahresbeginn 2011
kann ein Steuerpflichtiger anfallende Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer wieder als Betriebsausgaben oder Werbungskosten steuerlich geltend machen. Vorausgesetzt, das Arbeitszimmer stellt den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Betätigung dar, dann sind die Kosten in unbegrenzter Höhe abzugsfähig; oder dem Steuerpflichtigen steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, dann gilt die „alte“, bis 2007 gültige Regelung von maximal 1.250 Euro. Bei noch offenen Steuerfällen, bei denen noch kein Bescheid ergangen ist, ein Einspruchsverfahren noch läuft, oder die einen Vorläufigkeitsvermerk bezüglich des Arbeitszimmers beinhalten, gilt diese Regelung rückwirkend ab dem Jahr 2007.

Abschreibung für Wirtschaftsgüter
nach Einlage in das Betriebsvermögen: Auch bei den Abschreibungen gab es zum Jahresbeginn 2011 eine Änderung. Wird ein Wirtschaftsgut zunächst privat genutzt und dann in das Betriebsvermögen überführt, wurde als Bemessungsgrundlage für die weitere Abschreibung bislang der Wert zugrunde gelegt, der sich ergab, wenn man von den ursprünglichen Anschaffungskosten die bisher erfolgte Abschreibung abzog. Die weitere Abschreibung (jetzt als Betriebsausgabe in der Praxis) erfolgte somit von diesem „Restwert“. Nun wird die weitere Abschreibung von dem Wert vorgenommen, der sich nach der Differenz zwischen dem Einlagewert (dieser entspricht dem tatsächlichen Zeitwert zum Zeitpunkt der Einbringung) und den vor der Einlage bereits in Anspruch genommenen Abschreibungen bemisst. Ist der Einlagewert geringer als der Restwert vor der Einlage (also die ursprünglichen Anschaffungskosten abzüglich der bereits in Anspruch genommenen Abschreibung), darf nur noch der niedrigere Einlagewert berücksichtigt werden.

Private Spekulationsgeschäfte: Das Haushaltsbegleitgesetz regelt auch, dass der Verkauf von Gegenständen des täglichen Gebrauchs innerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr nicht zu versteuern ist. Dies gilt sowohl für Veräußerungsverluste als auch für Veräußerungsgewinne. Denn diese Gegenstände werden – so die Gesetzesbegründung – nicht mit dem Ziel der zeitnahen gewinnbringenden Veräußerung angeschafft. Etwas anderes – also Steuerpflicht – gilt nur in Ausnahmefällen wie bei der Veräußerung von Antiquitäten, Kunstgegenständen und Oldtimern. Die Änderung ist erstmals für solche Veräußerungen von Gegenständen anzuwenden, für die nach dem Inkrafttreten des Gesetzes ein Kaufvertrag abgeschlossen wurde.

Elterngeld: Das Elterngeld wurde ab Januar 2011 abgesenkt. Hat der Bezieher von Elterngeld ein anzurechnendes Nettoeinkommen von über 1.240 Euro im Monat, reduziert sich das Elterngeld von 67 Prozent auf 65 Prozent. Ganz gestrichen wurde das Elterngeld bei Personen mit einem Einkommen von mehr als 250.000 Euro im Jahr (500.000 Euro bei Verheirateten).

Handwerkerleistungen: Auch im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen gibt es Konkretisierungen beziehungsweise Streichungen. Beauftragen Steuerzahler in ihrem Privathaushalt selbstständige Handwerker, zieht das Finanzamt auf Antrag immerhin 20 Prozent der abgerechneten Arbeitsleistung, höchstens jedoch 1.200 Euro im Jahr, von der Steuerschuld ab. Neue Regel: Nun sind bestimmte öffentlich geförderte Maßnahmen aus der Steuerermäßigung ausgeschlossen werden. Damit soll eine doppelte steuerliche Förderung vermieden werden. Beispielsweise entfällt nun die Steueranrechnung für Maßnahmen, die nach dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm der KfW-Förderbank durch zinsverbilligte Darlehen oder steuerfreie Zuschüsse gefördert werden.

Versorgungsausgleich in Scheidungsfällen:
Um den Sonderausgabenabzug für Ausgleichszahlungen im Rahmen des Versorgungsausgleichs zu erhalten, ist Voraussetzung, dass derjenige, der die Ausgleichszahlung erhält, unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist. Nunmehr sind nicht nur die Ausgleichszahlungen an den Berechtigten in Form einer schuldrechtlichen Ausgleichsrente, sondern auch ein Ausgleich in Form von Kapitalzahlungen als Sonderausgaben begünstigt. Dabei handelt es sich meist um betriebliche Anrechte oder um Anrechte aus Altersvorsorge- und Basisrentenverträgen, die eine (Teil-)Kapitalisierung vorsehen. Im Gegenzug sind Einkünfte aus Versorgungsleistungen beim Empfänger sonstige Einkünfte, unabhängig davon, ob sich der Abzug dieser Zahlung als Sonderausgaben beim Zahlungsverpflichteten steuerlich ausgewirkt hat. Das betrifft auch die Einkünfte aus Ausgleichszahlungen im Rahmen des Versorgungsausgleichs.

Vorsteuererstattung für Eigenheim kippt:
Niedergelassene, die ihr Eigenheim zu mindestens zehn Prozent für die Praxis nutzen, konnten das Gebäude ihrem Unternehmensvermögen zuordnen. Folge: Das Finanzamt erstattete die komplette Vorsteuer auf den Kaufpreis oder auf die Herstellungskosten. Im Gegenzug musste der Praxisinhaber zehn Jahre lang Umsatzsteuer auf die Privatnutzung ans Finanzamt überweisen. Ein Steuerdreh, der sich bisher lohnte. Schließlich winkt nicht nur eine Steuer ersparnis, sondern aufgrund der Erstattung der Vorsteuer fällt der Finanzierungsbedarf deutlich niedriger aus, die Zinslast sinkt. Neue Regel: Wird ein Eigenheim mit betrieblichen Räumen von 2011 an angeschafft oder wird nach dem 31. Dezember 2010 mit dem Bau begonnen, gibt es die Vorsteuererstattung dem Grunde nach nur noch für den Praxisteil. Im Gegenzug wird aber auch keine Umsatzsteuer mehr für die Privatnutzung fällig.

ELStAM löst nach und nach
die Lohnsteuerkarte ab: 2009 wurde die letzte reguläre Lohnsteuerkarte gedruckt. Ihr Nachfolger wird als ELStAM bezeichnet und bedeutet nichts anderes als Elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmale. Alle diese für die Lohnsteuer relevanten Merkmale werden in einer zentralen Datenbank des Bundeszentralamts für Steuern (BTSt) gespeichert. Arbeitgeber können sie durch die einfache Abfrage mittels der Identifikationsnummer der Steuerpflichtigen abrufen. Bei seiner Einstellung muss ein Arbeitnehmer nunmehr also keine Steuerkarte, sondern eine Identifikationsnummer abgeben. Bei dieser Nummer handelt es sich um eine persönliche elfstellige Steuernummer, die alle Steuerpflichtigen bis zum 31. Dezember 2008 bereits erhalten haben. Diese Nummer ist jedoch nicht mit der normalen Steuernummer zu verwechseln. Änderungen der Lohnsteuerabzugsmerkmale können mit der flächendeckenden Einführung der Methode ELStAM nur noch durch die Finanzämter erfolgen, die Gemeinde ist nicht mehr hierfür zuständig.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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