Gastbeitrag von Dyrk Vieten

Das „G“ entscheidet: Worauf es bei Investmententscheidungen ankommt

Gute Unternehmensführung (Governance) ist der Dreh- und Angelpunkt nachhaltiger Investments. Dennoch steht etwa die Ökologie weit mehr im Fokus, gibt Experte Dyrk Vieten* zu bedenken.

Bei vielen Nachhaltigkeitserwägungen spielt das „G“ der ESG-Kriterien, also gute Unternehmensführung (Governance), keine wesentliche Rolle. Dabei weisen gut geführte Unternehmen beispielsweise deutlich weniger Umwelt- und Sozialprobleme und eine bessere Performance auf.

Investmententscheidungen

Immer mehr Menschen suchen nach Möglichkeiten, ihr Geld mit gutem Gewissen anzulegen und damit Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft zum Guten zu verändern. Daher stehen die Nachhaltigkeitskriterien ESG („Environment“, „Social“, „Governance“) im Fokus bei vielen Investmententscheidungen privater und professioneller Anleger. Dabei konzentrieren sich die meisten Investoren beziehungsweise Anbieter von Finanzprodukten auf das große „E“, also alle Fragen, die mit Umweltaspekten zu tun haben. Diese beziehen sich beispielsweise auf Investitionen in erneuerbare Energien, einen effizienten Umgang mit Energie und Rohstoffen, die umweltverträgliche Produktion oder auch geringe Emissionen in Luft und Wasser.

Gute Unternehmensführung

Das große „G“ indes, die gute Unternehmensführung (Governance), spielt selten eine wesentliche Rolle. Dabei ist gute Unternehmensführung der Dreh- und Angelpunkt nachhaltiger Investments. Gut geführte Firmen weisen erfahrungsgemäß deutlich weniger Umwelt- und Sozialprobleme auf, weil die Unternehmensspitze die beiden anderen Nachhaltigkeitsbereiche Umwelt und Soziales verantwortet. Aus einer guten Governance leitet sich damit die Nachhaltigkeitswirkung der stärker sichtbaren Bereiche Umwelt und Soziales ab.

Grundsätzlich bezieht sich die Governance der ESG-Kriterien auf alle Themen, die mit dem operativen und strategischen Management eines Unternehmens zusammenhängen. Das können Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung sein, die Durchsetzung von Steuerehrlichkeit und die Bekämpfung von wettbewerbswidrigen Praktiken. Außerdem können eine professionelle Compliance und Diversity (Vielfalt) in Aufsichtsrat und Management oder auch Offenlegung und Transparenz wesentlicher Informationen dazugehören. Ebenfalls wichtig ist die Vergütung.

Im Rahmen einer ESG-Betrachtung von Investments spielen Transparenz und Verständlichkeit bei den Vergütungsstrukturen sowie relevante und angemessene Vergütungsmechanismen wie Bonus-, Malus- und Rückforderungsregelungen eine herausragende Rolle.

Aktien und gute Unternehmensführung

Auch die Wertentwicklung von Aktien wird positiv durch eine gute Unternehmensführung beeinflusst. Der Einfluss von Governance auf die Geschäftsentwicklung eines Unternehmens liegt bei rund 62 Prozent, hat eine Metastudie der Investmentgesellschafter DWS und der Universität Hamburg herausgestellt. So schlägt beispielsweise der MSCI World Governance-Quality-Index seinen Vergleichsindex MSCI World deutlich.

*Der Autor: Dyrk Vieten ist Geschäftsführer der ficon Vermögensmanagement GmbH in Düsseldorf.

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