Jetzt schon Belege sammeln

Das können angestellte Ärzte von der Steuer absetzen

Einmal im Jahr steht auch bei angestellten Ärzten die – meist ungeliebte – Steuererklärung an. Wer kein Geld an den Fiskus verschenken möchte, sollte sich mit Werbungskosten, Sonderausgaben und weiteren Abzügen ein wenig auskennen und bereits jetzt ans Belegesammeln denken. Steuerberater Dennis Janz listet auf, was für angestellte Ärzte dabei besonders relevant ist.

Für die steuerrechtliche Beurteilung Ihrer Einkünfte im Rahmen der Veranlagung zur Einkommensteuer ist es vor allem von Bedeutung, ob Sie als angestellter Arzt oder freiberuflich in eigener Praxis tätig sind. Sind Sie angestellt, können Sie berufsbezogene Werbungskosten nach § 9 EStG geltend machen. Daneben sind aber auch Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und Steuerermäßigungen für den einzelnen Arzt zu berücksichtigen (und nicht zu vernachlässigen), um Steuern zu sparen.

Die Werbungskosten nach § 2 Abs. 1 Nr. 4 EStG i.V.m. § 9 EStG

Nach dem Gesetzeswortlaut sind Werbungskosten „sämtliche“ Aufwendungen, die der Akquisition, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen dienen. Dabei muss ein eindeutiger Zusammenhang zur beruflichen Tätigkeit zumindest nachweisbar sein.

Im Folgenden werden beispielhaft Werbungskosten aufgeführt, die für Sie von Bedeutung sein können:

Berufsbekleidung

Steuerlich abzugsfähig sind nur Kosten für typische Berufsbekleidung, die Sie in einem Berufskleidungsfachgeschäft erwerben: Arbeitskittel, Ärztemäntel und außerberuflich explizit nicht verwendbare weiße Hosen. Auch die Kosten für die Wäsche der Berufsbekleidung können Sie als Werbungskosten geltend machen. Die Reinigungskosten können beim Waschen zu Hause auf der Grundlage der Kosten der einzelnen Waschmaschinenläufe geschätzt oder beim Waschen in einer Wäscherei anhand der Rechnung nachgewiesen werden (Urteile des BFH – VI R 77/91 und VI R 53/92). Für die Reinigung von Berufsbekleidung zu Hause erkennen die Finanzverwaltung und die Rechtsprechung den Ansatz der Erfahrungswerte der Verbraucherverbände an (Urteil des Finanzgericht Baden-Württemberg, 3 K 202/04). Dabei lohnt es sich die Belege der Reinigung aufzubewahren um den entsprechenden Nachweis für das Finanzamt bereit zu halten, da diese Kosten meist höher ausfallen.

Berufliche Reisen, Fortbildungen und sonstige Kongresse

Zu den steuerlich abziehbaren Kosten im Rahmen der Werbungskosten gehören unter anderem Seminarkosten inklusive Fahrten, Verpflegungspauschalen, Unterkunftskosten und Parkgebühren vor Ort der jeweiligen Veranstaltung. Ein Beispiel: Der angestellte Arzt besucht freiwillig einen 2-monatigen Fortbildungskurs oder eine Weiterbildung außerhalb seines Angestelltenverhältnisses. Er muss am Kursort zu diesem Zweck übernachten. Abzugsfähig sind in diesem Fall:
– die Übernachtungskosten,
– der Mehraufwand für Verpflegung mit den Verpflegungspauschbeträgen für mehrtägige Dienstreisen § 9 Abs. 4 a EStG.
– die Fahrtkosten zum entsprechenden Kursort und zurück (0,30 Euro pro km).

Auch Fortbildungen im Ausland sind steuerlich abzugsfähig. Das Finanzamt überprüft hier jedoch die berufliche Veranlassung in der Regel etwas genauer. Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH 24.02.2011, Az.: VI R 12/10) kann hier der Anteil von privater und beruflicher Veranlassung ermittelt und entsprechend geltend gemacht werden.

Berufsausbildung, Sonderausgaben oder Werbungskosten

Der Gesetzgeber hat die entsprechenden Aufwendungen für die erste Berufsausbildung des Arztes und für ein Erststudium steuerrechtlich dem Bereich der Sonderausgaben zugeordnet. Entsprechende Aufwendungen sind „nur“ bis zu einem Höchstbetrag von 6.000 Euro  zum steuerlichen Abzug zugelassen. Alle anderen Fortbildungskosten außerhalb der erstmaligen Berufsausbildung und des Erststudiums können dagegen in vollem Umfang als Werbungskosten berücksichtigt werden.

Diese steuerliche Differenzierung hat für den betreffenden Arzt teilweise weitreichende Folgen:

– Fortbildungskosten (Werbungskosten) sind in unbeschränkter Höhe abzugsfähig,
– die Ausbildungskosten für ein Erststudium (Sonderausgaben) dagegen nur bis zu einem Höchstbetrag von 6.000 Euro.

Andererseits kann sich der Ansatz als Sonderausgaben für den Arzt trotzdem interessant auswirken, nämlich wenn seine sonstigen Werbungskosten deutlich unter 1.000 Euro liegen und er so in den Genuss des Arbeitnehmer-Pauschbetrags nach § 9a EStG kommt.

Unser Praxistipp: Ein berufsqualifizierendes Hochschulstudium oder eine sonstige Ausbildung vor dem Medizinstudium gelten steuerrechtlich als erstmalige Berufsausbildung. Somit können Sie höhere Kosten, die danach für eine weitere Berufsausbildung anfallen, in vollem Umfang nach § 9 Abs. 6 EStG als Werbungskosten abziehen.

Sonstige Werbungskosten

Weitere mögliche Werbungskosten, die ein angestellter Arzt berücksichtigen kann, sind:
– Fachliteratur
– Beiträge zu Berufsverbänden
– Kontoführungsgebühren bzw. die Kontoführungspauschale von 16 Euro
– Beiträge zur eigenen Berufs-Haftpflichtversicherung
– Telefon- und Internetkosten, die beruflich veranlasst sind
– entsprechende Arbeitsmittel wie Büromaterial, Computer, Drucker, Schreibtisch, Leselampe, Aktenkoffer, Reisekoffer, Bücherregal, Stethoskop, Reflexhammer u. a.
– Familienheimfahrten bzw. doppelte Haushaltsführung nach § 9 Abs. 1 Nr. 5 EStG
– ggf. Arbeitszimmer (hier bitte unbedingt die aktuelle BFH Rechtsprechung im Auge behalten!)

– Bewerbungskosten: Papier, Bewerbungsfotos, Zeugniskopien, Präsentationsmappen, Fahrtkosten zum Vorstellungsort mit 0,30 Euro für Hin- und Rückweg, Verpflegungskostenpauschalen und Übernachtungskosten nach den oben genannten Grundsätzen

– Fahrtkosten zu Lern- und Arbeitsgruppen mit Berufskollegen

– Umzugskosten – wenn und soweit sie durch einen beruflich veranlassten Umzug entstehen und die berufliche Tätigkeit des Steuerpflichtigen als Arbeitnehmer der Anlass ist – hier können entweder die Belege als Nachweis dienen oder die Umzugskostenpauschale nach dem BMF-Schreiben vom 06.10.2014 geltend gemacht werden.

– Steuerberatungskosten (Gebühren, die sich auf die beruflichen Einkünfte als Arzt beziehen)

– Promotion / Habilitation

Weitere Tätigkeiten

Einnahmen aus einer nebenberuflichen Tätigkeit als Ausbilder, Übungsleiter oder Betreuer können unter bestimmten Voraussetzungen als Aufwandsentschädigungen bis zu 2.400 Euro jährlich steuerfrei sein (mehr zum Thema Nebenjob lesen Sie hier)

Sonderausgaben

Sonderausgaben sind vom Gesetzgeber abschließend aufgezählte besondere Aufwendungen, soweit diese weder zu den Betriebsausgaben noch zu den Werbungkosten nach § 9 EStG zählen. Hier ein paar Beispiele für typische Sonderausgaben:

Kinderbetreuungskosten

Die Kosten für die Kinderbetreuung des steuerpflichtigen Arztes sind Ausgaben, die als Entgelt für Dienstleistungen (keine Verpflegung oder ähnliches) zur persönlichen Betreuung eines Kindes gezahlt werden. In Betracht kommen hierbei insbesondere Aufwendungen für:

– die Unterbringung in Kindergärten, Kindertagesstätten und bei Tagesmüttern,

– die Beschäftigung von Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen, Kinderschwestern oder

– Hilfen im Haushalt, soweit sie Kinder betreuen.

 

Alters- und sonstige Vorsorgeaufwendungen/Versicherungsbeiträge

Abzugsfähige Sonderausgaben in diesem Bereich sind z.B. Beiträge an:

– berufsständische Versorgungseinrichtungen der Ärzte

– Riester- oder Rürup-Rente

– (private) Kranken- und Pflegeversicherung

– Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsversicherung des Arztes

– private Haftpflichtversicherungen, auch Hundehaftpflichtversicherung

– Kapitallebensversicherung

– private Unfallversicherung

– private Arbeitslosenversicherung

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Dennis Janz

Dennis Janz

Dennis Janz, LL.M., Steuerberater, Steuerstrafverteidiger* und Fachberater im ambulanten Gesundheitswesen (IHK). Partner bei Radloff, Ploch & Partner mbB Steuerberater in Dortmund. Schwerpunktmäßig werden zum Rahmen der Digitalisierung neben den Berufen im Gesundheitswesen auch kleine- und mittelständische Unternehmen und Unternehmensgruppen sowie Privatpersonen beraten. (*zertifizierter Berater für Steuerstrafrecht FernUniversität Hagen) dennis.janz@radloff-ploch.de

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