Heftige Schwankungen

DAX 2018: Die zweite Halbzeit wird super-spannend!

Was für ein Auf und Ab: Bis zur Halbzeit des Jahres 2018 hat der Deutsche Aktienindex (DAX) wahre Kapriolen vollführt. Kein Wunder, dass sich viele Anleger fragen, wie es in der zweiten Spielhälfte weitergehen wird. Einige gute Gründe sprechen für weiter ordentliche Gewinne – aber ebenso viele auch für eine Niederlage Ende 2018.

Donnerstag, 14. Juni: Nach Tagen des bangen Wartens auf die Entscheidungen der EZB kündigt Mario Draghi an, die Anleihekäufe in einigen Monaten einzustellen. Die Anleger honorieren das und hieven den DAX um drei Prozent nach oben. Doch schon am Montag folgt die Volte: Im Gebälk der deutschen Regierung kracht es, und der US-Präsident verschärft im Handelsstreit mit China den Ton erneut. Zum Schrecken der Anleger: In drei Tagen büßt der DAX vier Prozent ein.

Dieser kurze Rückblick sorgt bereits für Verdruss. Doch das komplette erste Halbjahr lässt die Anleger ratlos zurück. „Der DAX steht nicht nur leicht unter dem Niveau vom vergangenen Jahresschluss. Er fährt vor allem mächtig Achterbahn mit den Nerven der Investoren“, sagt Rainer Beckmann von ficon Börsebius Invest in Düsseldorf. So ist der Index im Januar auf 13.600 Punkte gestiegen, um bis Anfang April auf 11.700 Punkte zu fallen. „Aber schon zwei Monate später notierte er wieder um die Marke von 13.000 Punkten“, erinnert der Finanzprofi.

Für die heftigen Schwankungen an den weltweiten Börsen gibt es gute Gründe. „Die Aktienmärkte befinden sich wahrscheinlich in der letzten Aufwärtswelle des Aufschwungs, der 2009 begonnen hat“, schätzt Thilo Stadler von Independent Capital Management (ICM) in Neuss. Diese Wellen entwickeln sich oft nach dem Muster Auf (diesmal 2009-11), Ab (2012), Auf (2012-2015), Ab (2015-2016) und Auf (seit 2016). Die Welle, die 2016 begann, dürfte nun in ihre letzte Phase eingetreten sein. „Je weiter fortgeschritten die Entwicklung ist, desto stärker wird das Auf und Ab“, erklärt der Vermögensverwalter die Schwankungen seit Jahresbeginn. In solchen Spätphasen laufen Rohstoffaktien meist gut (s. Interview Stadler).

Neben diesen oft beobachteten Kursmustern gibt es einen weiteren Faktor, der zur Vorsicht mahnt: die Zinsstruktur. Die US-Notenbank hat 2008 anerkannt, dass der Renditeabstand zwischen 10- und 2-jährigen Anleihen der beste Indikator für eine Rezession ist – mit einer höheren Trefferquote als jeder Ökonom. In der Tat berührt die Frage, ob die Zinsen für längerfristige Kredite höher sind als die Zinsen für kurzfristige Einlagen, den Lebensnerv der Marktwirtschaft: die Verfügbarkeit von Kapital.

Liegen die kurz- über den langfristigen Zinsen, hat sich die normale Zinsstruktur umgekehrt bzw. ist invers geworden. Dann wird der Geldverleih unrentabel. „In diesem Umfeld müssen die Banken für die Refinanzierung der Kredite mehr bezahlen, als sie mit den Einlagen verdienen“, erklärt Rainer Beckmann. In der Folge treten sie bei der Kreditvergabe auf die Bremse – und sorgen so auch für Bremsspuren in der Realwirtschaft. Gold entpuppt sich dann meist als ein gutes Investment, das aktuell von der anziehenden Inflation profitieren sollte (s. Interview Beckmann).

Die Auswertungen der US-Notenbank zeigen, dass es nach jeder inversen Zinsstruktur zu einer Rezession kam. Und einer Rezession gehen meist spürbare Kursverluste am Aktienmarkt voraus bzw. sie begleiten den Abschwung der Wirtschaft. „Aktuell liegt der Renditeabstand bei nur noch 0,36 Prozent und damit so niedrig wie zuletzt vor Ausbruch der Finanzkrise“, erläutert Thilo Stadler. „Es ist nicht auszuschließen, dass die Differenz unter die Nulllinie sinkt und wir schon bald eine inverse Zinsstruktur bekommen“, so der Experte.

Bedeutet dies, dass DAX & Co. im Sommerloch verschwinden werden, weil nun eine Baisse beginnt? Gemach, gemach! Zum einen korrigieren manche Analysten wegen dem Handelsstreit zwar die Gewinnaussichten der Unternehmen, doch dieses Blatt kann sich bei einer Einigung zwischen den USA und China schnell wenden. Zum anderen belegt die Zinsstruktur, dass eine Rezession derzeit noch nicht in den Karten steht. Und der Börsenzyklus zeigt: An den Aktienmärkten könnte es durchaus noch ein paar gute Monate geben, bevor es abwärts geht. Doch spätestens 2019 werden sich Anleger vermutlich warm anziehen müssen.

Zinsstruktur – der heilige Gral für Anleger?

Die Prognosen von Ökonomen sind berühmt-berüchtigt: Sie haben null von fünf Rezessionen vorhergesagt – so lautet ein böses Bonmot über Volkswirte. Dabei geht es weitaus besser, wie die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) 2008 bestätigt hat. Diesen Auswertungen zufolge hat der Abstand zwischen den Renditen für zehn- und zweijährige Staatsanleihen – die Zinsstruktur – jede Rezession verlässlich vorhergesagt. Denn: Taucht dieser Wert unter die Nulllinie, kam es stets zu einem Einbruch in der Realwirtschaft. Blieb der Wert aber oberhalb Null, gab es keine Rezession. Es kann eine Weile dauern, bis sich die inverse Zinsstruktur an den Börsen bemerkbar macht und es zu Kurseinbrüchen kommt. Anleger, die die Zinsstruktur beobachten, sind jedoch frühzeitig gewarnt. Aktuelle Daten gibt es unter https://www.federalreserve.gov/releases/h15/https://www.federalreserve.gov/releases/h15/

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