Studie

Den meisten Praxen fehlt betriebswirtschaftliches Know-how

Eine zielgerichtete betriebswirtschaftliche Planung fehlt immer noch in den meisten Praxen. Das hat eine aktuelle Vergleichsstudie mit über 1.200 Arztpraxen ergeben.

Im Jahr 2002 untersuchte das Institut für betriebswirtschaftliche Analysen, Beratung und Strategie-Entwicklung (IFABS) die Einsatzhäufigkeit betriebswirtschaftlicher Instrumente in Arztpraxen an Hand einer Stichprobe mit 1.235 zufällig ausgewählten Praxisbetrieben verschiedener Fachrichtungen und Praxisgrößen. Nun liegen die Vergleichsdaten aus 2012 vor.

Gefragt wurde, ob die Praxisinhaber folgende Instrumente nutzen:

  • eine Praxis-Vision, mit deren Hilfe festgehalten wird, wo man in drei bis fünf Jahren im Hinblick auf das medizinische Leistungsangebot, Praxisgröße- und -form, Zielgruppen und Ähnliches stehen möchte,
  • eine Praxisphilosophie, die den Zweck der Arbeit beschreibt,
  • eine Praxisplanung mit lang-, mittel- und kurzfristigen Zielen,
  • eine Praxis-Unternehmensstrategie, die die Wege und Mittel skizziert, mit deren Hilfe die Praxisziele erreicht werden sollen,
  • eine Praxis-Positionierung, die die Identität der Praxis fixiert, mit Hilfe derer man sich von anderen Praxen in Bezug auf Patienten und – bei spezialisierten Praxen – Zuweisern unterscheiden möchte,
  • ein Zielgruppenkonzept,
  • ein Kostenmanagement mit systematischer Kostenrechnung und –planung,
  • Führungsinstrumente wie Zielvereinbarungen, Führungsgesprächen und Motivationsmaßnahmen,
  • ein Marketingkonzept, das die Ziele, die mit der Marketingarbeit erreicht werden sollen sowie die zeitliche und inhaltliche Planung der zur Zielerreichung notwendigen Aktionen umfasst,
  • Marketinginstrumente wie Praxisbroschüren, Praxis-Homepage, Servicemaßnahmen zur Wartezeitverkürzung, Recall und Weiteres,
  • ein Corporate Design, das heißt, ein abgestimmter visueller Auftritt der Praxis einschließlich der Nutzung eines Praxis-Logos.

Der Vergleich der Zahlen von 2002 mit denen von 2012 zeigt, dass inzwischen zwar mehr Praxen betriebswirtschaftliche Instrumente nutzen, in vielen Bereichen aber verhalten sich die Inhaber immer noch sehr zurückhaltend. Die deutlichsten Zuwächse sind bei der Marketingarbeit zu verzeichnen, deutlich geringer fallen sie jedoch in „vitalen“ Bereichen wie Planung, Führung oder Zielgruppenmanagement aus.

So stieg zwar die Quote der Praxen, die Marketing-Instrumente nutzen, von 2002 um 33 Prozentpunkte auf 78 Prozent in diesem Jahr. Doch bei den Praxen mit eigener Unternehmensstrategie stieg der Anteil lediglich um 14 Prozentpunkte auf heute 32 Prozent. Noch magerer fiel die Zunahme bei der Planung mit lang-, mittel- und kurzfristigen Zielen aus: Inzwischen arbeiten 28 Prozent der Praxen mit diesen Instrumenten (plus 12 Prozentpunkte).

Damit arbeitet nach Ansicht des IFABS eine Vielzahl deutscher Arztpraxen nach wie vor unter ihren Möglichkeiten. Unverändert bleibe im Vergleich auch, dass die meisten Praxen ohne professionelle Planung „von heute auf morgen“ agierten.

Die Entwicklung im Marketingbereich ist laut IFABS sicherlich als Fortschritt zu werten, die Marketingarbeit erfolge jedoch ohne Abstimmung zu anderen Maßnahmen und ohne Einbindung in das generelle Praxismanagement, so dass die Effizienz der Maßnahmen nur gering und ein Erfolg gar nicht messbar sei.

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