Steuerrecht

Der ewige Streit ums Home-Office

Zu Hause ist‘s am schönsten: Viele Niedergelassene erledigen Schreibarbeit statt in der Praxis lieber im privaten Umfeld. Das kann sich auch steuerlich lohnen, wenn man die Regeln kennt.

Trautes Heim, Glück allein? Nicht ganz. Zumindest diejenigen Ärzte, die auch in den eigenen vier Wänden gelegentlich Berufliches erledigen, müssen mit Problemen rechnen, wenn sie die Kosten des Home-Offices von der Steuer absetzen wollen.

Kaum ein Thema führt so häufig zu Auseinandersetzungen zwischen Steuerpflichtigen und dem Finanzamt wie die steuerliche Abzugsfähigkeit eines häuslichen Arbeitszimmers. Da das Sparpotenzial des Steuerzahlers hier sehr hoch ist und dem Fiskus entsprechend unangenehme Einnahmenausfälle drohen, prüfen die Behörden die für den Betriebsausgabenabzug geltenden Besonderheiten sehr genau.

Ärzte können sich berechtigte Hoffnungen auf eine positive Grundsatzentscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) machen. Es geht dabei um die Frage, ob auch bloß eine Arbeitsecke in einem ansonsten privat genutzten Wohnzimmer die Steuerlast mindern kann (vgl. dazu FG Köln, Az. 10 K 4126/09). Der Bundesfinanzhof (BFH) hat zu diesem Thema derzeit einige Fälle vorliegen. Mit einer Entscheidung wird im Laufe des Jahres gerechnet (Az. III R 62/11 und Az. X R 32/11).

Da das Gericht in anderen Steuerbereichen, etwa beim Abzug der Reisekosten oder der Nutzung eines privaten Computers, das sogenannte Aufteilungsverbot schon aufgehoben hat, sind Beobachter zuversichtlich, dass auch gemischt genutzte Arbeitszimmer künftig Steuervorteile bringen können.

Warten auf bessere Zeiten

Bis in München eine Entscheidung fällt, sollten Ärzte, die Ärger vermeiden wollen, aber weiterhin die folgenden Punkte beachten:

  • Damit ein häusliches Arbeitszimmer seinen Namen verdient, muss es in die „häusliche Sphäre“ eingebunden sein. Extra angemietete Räume in einem anderen Gebäude kommen daher nicht als „Home-Office“ in Betracht.
  • Idealerweise sollte der Raum durch eine Tür von den anderen privaten Räumen abgetrennt sein.
  • Auch die Einrichtung des Arbeitszimmers führt gelegentlich zu Problemen. Faustregel: Je gemütlicher das Büro gehalten ist, desto eher machen die Behörden Schwierigkeiten. Steht etwa neben Schreibtisch, Stuhl und Regal auch ein Sofa, ein Fernseher oder gar ein Bett im Heim-Büro, könnten kritische Beamte die berufliche Nutzung in Frage stellen.

A&W-Kompakt
Auch halbe Sachen bringen Geld
In welcher Höhe Kosten fürs heimische Arbeitszimmer anerkannt werden, hängt von der Intensität der Nutzung ab. Ist das Heimbüro Dreh- und Angelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit, lassen sich die Kosten zu 100 Prozent steuermindernd ansetzen, also zum Beispiel die anteilige Miete oder Finanzierungskosten inklusive Abschreibungen sowie Nebenkosten wie Strom, Heizung und Wasser. Bei Ärzten ist die hundertprozentige Nutzung eher die Ausnahme. Wer, wie die meisten Mediziner, nur gelegentlich daheim arbeitet, darf immerhin bis zu 1.250 Euro pro Jahr in die Steuer packen. Dieser Höchstsatz ist aber kein Pauschalbetrag, sondern muss im Einzelfall nachgewiesen werden. Von der Anerkennung der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer unabhängig sind die Kosten für notwendige Arbeitsmittel.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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