Betriebliche Geldanlagen: Darauf kommt es wirklich an

Bei betrieblichen Geldanlagen sollten anlagewillige Ärzte nicht ausschließlich auf den Zinssatz achten. Wir erklären anhand eines Beispiels, worauf es wirklich ankommt.

Als Dr. Sebastian S. vor fast zwei Jahren die Entscheidung traf, einen Teil seiner Praxisüberschüsse für spätere Investitionen auf die hohe Kante zu legen, stand für ihn fest, dazu ausschließlich kurzfristige Anlageformen nutzen zu wollen. Folgerichtig landete der Anfangsbetrag von 50.000 Euro auf einem Termingeldkonto mit jeweils monatlicher Laufzeit. Im ebenfalls monatlichen Rhythmus erhöhte Dr. S. den Betrag, der sich durch Zinsen und Zinseszinsen sowie vor allem durch zusätzliche Einzahlungen auf mittlerweile fast 100.000 Euro erhöht hat. In der Zwischenzeit erfolgte Praxisinvestitionen konnte Dr. S., dessen Praxis die entsprechenden Erträge noch abwirft, bisher weitgehend aus dem eigenen Cash-Flow finanzieren.

Dr. S. hat sich nun entschieden, eine Zwischenbilanz seiner bisherigen Anlagepolitik zu ziehen, deren Ergebnis mittlerweile vorliegt. Hätte er den Anfangsbetrag sowie die folgenden Gelder bereits vor zwei Jahren mittelfristig und nicht für jeweils einen Monat angelegt, hätte er nun eine durchschnittliche jährliche Verzinsung von knapp vier Prozent und nicht die tatsächlich erzielte Verzinsung von lediglich 2,5 Prozent erreicht. Dr. S. ist sich zwar darüber im Klaren, dass es eine strategische Entscheidung war, kurzfristige Anlagezeiträume zu wählen.

Dennoch ärgert er sich nun über seinen damaligen Entschluss, der übrigens der Empfehlung seiner Hausbank widersprach („Wir raten Ihnen zu Wertpapieren mit einer Laufzeit von zwei oder drei Jahren“). Das darüber hinausgehende Angebot der Bank, bei kurzfristigem Finanzbedarf einen Kredit zur Verfügung zu stellen, überzeugte Dr. S ebenfalls nicht. Er versprach sich einfach mehr Flexibilität und setzte dabei eher auf seine eigenen finanziellen Mittel als auf die mögliche Hilfe seiner Bank.

Die damalige Situation soll sich bei der nun anstehenden Entscheidung aber nicht wiederholen. Dr. S. hat sich von verschiedenen Kreditinstituten beraten lassen und diverse Angebote mit mittleren Laufzeiten von maximal vier Jahren, so lautete seine eindeutige Vorgabe, in die engere Wahl gezogen.

Interessant ist dabei vor allem, dass die eine oder andere Bank offenbar nicht widerstehen konnte, Investmentprodukte in Form von so genannten „Mischfonds“ anzubieten, bei denen das Geld der Investoren sowohl in Aktien als auch in festverzinslichen Wertpapieren wie Anleihen oder Schuldverschreibungen angelegt wird. Für Dr. S. kommen derartige Investmentfonds, mit denen er im Privatvermögen durchaus gute Erfahrungen gesammelt hat, jedoch nicht in Frage. Neben der für ihn wichtigen Kostenfrage sieht er hier vor allem Probleme, das angestrebte Sparziel von jährlich mehr als vier Prozent innerhalb der vorgegebenen vier Jahre auch tatsächlich zu erreichen.

Dr. S. wird sich zwischen zwei anderen Anlageprodukten entscheiden: Dabei geht es einerseits um einen so genannten Floater, Kurzform für Floating Rate Note, mit einer vierteljährlich erfolgenden Anpassung an das jeweils aktuelle Zinsniveau und einem, wie ihm sein Bankgesprächspartner versicherte, „stets weitgehend stabilen Kurs um 100 Prozent des Nennwertes herum“, der auch einen nahezu risikolosen kurzfristigen Verkauf ermöglicht.

Bei der Alternative handelt es sich um ein festverzinsliches Wertpapier mit einer Laufzeit von rund sieben Jahren, aber einer jährlichen Verzinsung von knapp 5,5 Prozent. Schuldner dieses Wertpapiers ist ein bekanntes deutsches Industrieunternehmen. Der Hinweis des Anlageberaters, dass diese Adresse bei aller Wertschätzung nicht mit einem absolut erstklassigen Schuldner zu vergleichen sei, beeindruckt Dr. S. zumindest bisher nicht. Viel weniger gefällt ihm bei diesem Angebot, dass, wie bei festverzinslichen Wertpapieren üblich, Kursschwankungen auch während der Laufzeit durchaus möglich sind.

Erst zum Ablauf des Anlagezeitraumes von sieben Jahren garantiert der Schuldner die Rückzahlung des Kapitals zu einhundert Prozent des Nennwertes. An ähnlichen festverzinslichen Wertpapieren wie etwa der Bundesrepublik Deutschland ist Dr. S. nicht interessiert, da hier die Qualität des Schuldners zwar außer Frage steht, jedoch jährliche Zinssätze innerhalb der gewünschten Laufzeit derzeit nicht erzielt werden können.

Dr. S. sollte seine Entscheidung dennoch überdenken. Die von ihm offenbar favorisierte Industrieanleihe bietet nicht die Sicherheit, die bei betrieblichen Geldanlagen erwartet werden kann. Hinzu kommt die Laufzeit von sieben Jahren, die mit seinem eigenen Anlagehorizont nicht übereinstimmt und darüber hinaus Kursschwankungen erwarten lässt, die einen vorzeitigen Verkauf zu einem Verlustgeschäft machen können. Dr. S. kann schließlich nicht unendlich davon ausgehen, dass er betriebliche Investitionen auch zukünftig lediglich aus seinen Zahlungseingängen finanzieren kann.

Anders sieht es dagegen beim erwähnten Floater aus, bei dessen Schuldner es sich um eine absolut erstklassige Adresse handelt. Diese Qualität würde Dr. S. zwar nur geringere Zinsen ermöglichen, durch die versprochenen stabilen Wertpapierkurse aber gleichzeitig eine nahezu jederzeitige Verkaufsmöglichkeit ohne Verlustrisiken mehr oder weniger garantieren.

A&W-CHECKLISTE

Darauf sollten Sie achten

■ Im Gegensatz zu den üblichen Festzinsanlagen, wie vor allem Termingeldern, bestehen bei festverzinslichen Wertpapieren grundsätzlich Kursrisiken während der jeweiligen Laufzeit. Es ist nämlich weitgehend üblich, dass der Schuldner eines festverzinslichen Wertpapiers die Einlösung zu 100 Prozent des Nennwertes erst zum Ablauftermin zusichert.

■ Darüber hinaus ist die Qualität des Schuldners bei einer Anlageentscheidung naturgemäß von großer Bedeu- tung. Vor einem Kauf sollte sich der Arzt also mit Hilfe seiner Bank von der Qualitätsstufe des Schuldners und dem damit verbundenen Chance- und Risiko-Profils überzeugen.

■ Ebenfalls wichtig ist die Handelbarkeit des Wertpapiers, die auch von der jeweiligen Bank zugesichert werden sollte. Benötigt der Arzt den investierten Betrag kurzfristig, sollte er beim dadurch erforderlichen Verkauf einen marktgerechten Kurs erhalten.

A&W-TIPP

Suchen Sie Zinsalternativen

Da die derzeitigen Zinsunterschiede zwischen kurz-, mittel und langfristigen Anlageformen relativ gering sind, sollten Praxisinhaber ihre Verhandlungsspielräume nutzen und sich ebenfalls nach Anlagen von bis zu einem Jahr erkundigen. Bei derartigen Kurzfristalternativen sollten Ärzte gerade bei betrieblichen Geldern aber auch auf vorzeitige Verfügungsmöglichkeiten achten, denn die Auflösung etwa einer Festzinsbindung ist meist mit Zinsverlust verbunden.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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