Sandwich-Generation

Die Ärztin und ihr Langlebigkeitsrisiko

Die nachweislich längere Lebenserwartung von Freiberuflern und Frauen sollte die Sandwich-Generation interessieren.

Vor 10 Jahren kam der Begriff „Langlebigkeitsrisiko“ in die engere Wahl zum Unwort des Jahres, wurde doch mit dem Begriff die Abwertung eines langen Lebens assoziiert. Gemeint ist jedoch nur, dass eine Person länger lebt, als (von unterschiedlicher Seite) erwartet wurde/wird.

Leider war dies zu kurz gesprungen, wie meine Ausführungen aus folgenden Blickwinkeln zeigen werden:

  • Langlebigkeitsrisiko aus der Sicht einer Ärztin/Arztgattin
  • Langlebigkeitsrisiko aus der Sicht eines Staates / Versicherers / Familie
  • Langlebigkeitsrisiko aus der Sicht eines Vermögensverwalters

Beginnen wir mit dem Langlebigkeitsrisiko aus der Sicht einer Ärztin/Arztgattin als Leistungsempfängerin.

Auf der Homepage des Bundesverbandes der Versorgungswerke für Freiberufler wird die höhere Lebenserwartung der Freiberufler im Allgemeinen und der Frauen im Speziellen aktuell dargestellt:

http://www.abv.de/die-deutschen-werden-immer-aelter.html

http://www.abv.de/die-deutschen-werden-immer-aelter.html

Oder noch klarer: Experten gehen davon aus, dass jedes zweite 2015 in Deutschland geborene Mädchen ihren 100. Geburtstag erleben wird!

Ich meine, das sollte zunächst ein persönlicher Quell der Freude und Hoffnung sein.

Bei einer deutschlandweiten Vortragsreihe 2009 überraschte ich das Fachpublikum meiner Zunft mit dem Vorschlag, dass die Finanzplanung regelmäßig bis Alter 100 der Kunden gerechnet werden sollte. Erst recht stellte sich Unruhe ein, als ich fragte:

Was haben die folgenden Männer gemeinsam? Bitte beachten Sie den von mir strikt beachteten politischen Proporz:

Helmut Kohl, Franz Müntefering, Joschka Fischer und Oskar Lafontaine

Sie sind alle mit Partnerinnen liiert, die zwischen 25 und 40 Jahre jünger sind.

In der Konsequenz bedeutet dies für den Zeitrahmen der Finanzplanung, die Lebenserwartung des Mannes in einer solchen Beziehung mit dem Altersunterschied zu addieren, womit wir teilweise bei Alter 120 des Mannes sind.

In diesem Artikel geht es somit nicht um die Zeit mit den Männern, sondern um die Zeit nach dem Tod der Männer, weil jede zweite Frau Witwe wird (Quelle: Statistisches Bundesamt).

„Sei jedem Abschied voran, als läge er hinter dir“ (Rilke)

Wie sieht die Versorgung der Witwen in der Praxis aus:

Die durchschnittliche Witwen-/Witwerrente über alle Versorgungswerke war gemäß letzter Statistik für 2013 monatlich EUR 1.265,10.

Das bayerische Versorgungswerk für Ärzte/Zahnärzte hat die Problematik der typischen Erwerbsbiographie von Frauen erkannt: Die wegen Kindererziehung oder Angehörigenpflege Teilzeitarbeitenden haben dort eklatant niedrige Anwartschaften, verschärft durch die Niedrigzinsproblematik.
Deshalb wurde mit Beginn 01.01.2015 eine sukzessive Beitragserhöhung gestartet.

Um der höheren Lebenserwartung zu entsprechen, wird nun auch hier ein flexibler Rentenbezug bis zum 72. Lebensjahr (in dieser Zeit ohne Beitragspflicht für Selbständige) angeboten.

Ob die massiv eingeworbenen „Freiwilligen Zuzahlungen“ Ihren persönlichen Bedürfnissen entsprechen, ist individuell zu prüfen:

  • Eine Hinterbliebenen-Rente ist an eine Eheschließung gekoppelt
  • Ein Zurückholen der eingezahlten Beiträge, z.B. bei Bedarf eines Einmalbetrages, ist nicht möglich
  • Passen die geänderten Anlagen der Ärzteversorgung in Ihr Gesamtkonzept? Die Bayerische Ärzteversorgung hat z.B. mitgeteilt, dass verstärkt in Immobilien, aber auch in die Bereiche Private Equity, Wald, Soziale Infrastruktur, Transport, Versorgung und Regenerative Energien investiert wird. Hier der bisher kommunizierte Anlagemix der Versorgungswerke
http://www.abv.de/nachhaltige-geldanlage.html

http://www.abv.de/nachhaltige-geldanlage.html

Darauf sollten Sie achten:

  • Falle „Wilde Ehe“ – mehr dazu im Folgeartikel „Die Ärztin/Arztgattin und ihr Lebensabschnittsgefährte“
  • Patchworkfamilie: Kann der Ehepartner im bisher gemeinsam bewohnten Haus bleiben, sofern die Kinder miterben? Ein professionell beratenes Testament ist neben Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung Pflicht.
  • Prüfen Sie nicht nur den gemeinsamen Ruhestand mit Ihrem Partner, sondern auch den des finanziell schwächeren Partners, der übrigbleibt – langfristig!
  • Bei Frauen mit viel Teilzeiterwerbszeiten ist eine Ruhestandsplanung noch wichtiger als bei Männern, die aus vollen Anwartschaften schöpfen können.

Doch wechseln wir nun die Seiten und betrachten das Langlebigkeitsrisiko aus der Sicht eines Leistungserbringers

Leistungserbringer können private oder sozialstaatliche Versicherer sein, aber auch Ihr eigener Familienverbund, der für Pflege- und Unterhalt von Eltern und Großeltern aufkommt.

Meine Darstellung ohne Versicherungsmathematik und Sterbetafeln:
Die Babyboomer in Verbindung mit der gestiegenen Lebenserwartung wirbeln den bisherigen Generationenvertrag durcheinander: Drei Generationen nebeneinander, von welchen eine erwerbstätig und zwei im Ruhestand sind, dazu die Demographie. Willkommen in der Sandwich-Generation zwischen eigenen Kindern und eigenen Eltern!

Ich erlaube es mir noch plastischer aus Sicht des Leistungserbringers auszudrücken:

Ein 35jähriger sorgt finanziell und/oder per Pflegeleistung für die 65plus-Sandwich-Eltern und die 90plus-Großeltern. Könnte es da eng werden, speziell für den hohen Frauenanteil?

Aber nun zum
Langlebigkeitsrisiko aus der Sicht eines Vermögensverwalters

Wie schon in meinem Beitrag „Die Ärztin/Arztgattin zwischen Skylla und Charybdis“ zur Privaten Krankenversicherung erwähnt, bekommt ein vom Eigentümer unabhängig verwaltetes Vermögen für Hochbetagte einen großen Stellenwert.

In USA werden solche Dienstleistungen „gone fishing portfolio“ genannt, also eine Geldanlage, die funktioniert, auch wenn Sie sich nicht darum kümmern können.

Die Vermögenssorge einem gerichtlich zugeordneten Betreuer übertragen zu wollen, kann fatale Folgen haben: Im Niedrigzinsumfeld sind aktuell auch den Betreuern mit besten Absichten im engen Rahmen der sogenannten „mündelsicheren Anlagen“ die Hände gebunden.
Und ob Ihre Kinder, sofern vorhanden, willens und nicht selbst im Sandwich, ein gutes Händchen bei der Verwaltung Ihres Vermögens haben, ist nicht nur dem Ergebnis Ihrer „Financial Education“ geschuldet.

Je nachdem, in welchem Alter ich Sie als Leserin gerade „abhole“, bekommt ein Vermögensverwalter von Ihnen einen Zeithorizont von 30 bis 60 Jahren.

Über solche Zeiträume gedacht, sollte der Mix von Sachwerten (Real Assets) und Geldwerten (Financial Assets = Nominale Zahlungsversprechen) wohlüberlegt erfolgen, da Versprechen nicht immer eingehalten werden.

Dazu hilft Ihnen die Analyse der Vermögensstruktur, wobei zwingend die Anlagestruktur des relevanten Versorgungswerkes und bestehender privater Rentenversicherungen einbezogen werden müssen.

Der Vermögenswert einer Arztpraxis sollte in einem zunehmend regulierten Umfeld nicht mehr als Teil Ihrer Altersversorgung bzw. Darlehenstilgung betrachtet werden.

Fazit:

1. Suchen Sie sich eine(n) Berater(in), der/die rechnen kann und sich für die speziellen Belange von Frauen interessiert.

2. Eine ausschließliche Planung für den Zeitpunkt „Renteneintritt beim Mann“ wird zur Makulatur, müssen doch erkleckliche Zeiträume für die Lebenserwartung der Frauen dynamisch betrachtet werden.

3. Falls nicht schon geschehen: Delegieren Sie in Ihrer Beziehung die Geld- und Ruhestandsthemen nicht, sondern interessieren Sie sich als Frau aktiv dafür – es lohnt sich langfristig!

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Markus Weywara

Markus Weywara

Herr Weywara hat sich nach seinem Studium zum Wirtschaftsingenieur mit zwei Aufbaustudiengängen zum Certified Financial Planner (CFP®) und Certified Foundation and Estate Planner (CFEP®) in der Beratung von Heilberufen und vermögenden Privatkunden spezialisiert.

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Author's imageJürgen VeitLeiter Kommunikation D-A-CH bei CompuGroup Medical Deutschland AG

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