PKV-Falle?

Herausforderungen der Vorsorge für Ärztinnen und Arztfrauen

Die Ärztin/Arztgattin zwischen Skylla und Charybdis: Die Redewendung „zwischen Skylla und Charybdis“ steht für eine Situation, in der man sich zwischen zwei Gefahren befindet. Weicht man der einen Gefahr aus, begibt man sich in die andere. Es gilt also, den richtigen Weg zwischen zwei Verhängnissen hindurch zu finden. Das gilt auch beim Thema Vorsorge.

Auf welche zwei Gefahren – besser „Herausforderungen“ steuern Sie zu?

  • Der Beitrag in der PKV steigt extrem
  • Die Einnahmen im (Vor-)Ruhestand stagnieren oder gehen sogar zurück:
    • Die Versorgungswerke kämpfen mit der Niedrigzinsphase und neuen Sterbetafeln, siehe unten. So weist die Bayerische Ärzteversorgung seit 2014 nur noch eine 1%ige Rentensteigerung aus
    • Im Privatvermögen herrscht Anlagenotstand für klassisch sicherheitsorientierte Anleger

Wie alles begann: Als ich 1993 begann die Heilberufe zu beraten, war „lege artis“, den Ärzten in 90% der Fälle den Weg in die Private Krankenversicherung (PKV) zu empfehlen.
Die speziellen Arzttarife rangierten ca. 20% unter denen der „Normalsterblichen“ und junge Ärzte/Ärztinnen freuten sich über die Liquiditätsspritze.

Nur wenige folgten der Empfehlung, die eingesparte Beitragsdifferenz zur Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für später zurückzulegen; wieso war das leider zu erwarten?
Hier zitiere ich aus dem lesenswerten Artikel Da hilft nur der Taschenrechner (http://www.zeit.de/2014/17/zinseszinseffekt-exponentialfunktion) des Physikers Al Bartlett: „Die größte Schwäche der menschlichen Rasse ist unsere Unfähigkeit, die Exponentialfunktion zu verstehen.“ Epidemiologen unter Ihnen können davon ein Lied singen, ebenso wie Ökonomen, wenn es um Zinseszins oder Inflation geht.

Was dann passierte:
Die Beitragssteigerung der Arzttarife orientierte sich an den Kostensteigerungen von 4% p.a. im Gesundheitswesen. Das sinkende Zinsniveau und die gesetzlich vorgeschriebene Einführung neuer Sterbetafeln wegen erhöhter Lebenserwartung taten ein Übriges.

Dass Sie oder Ihr Umfeld selbst Teil des Gesundheitswesens sind und ggfs. auf „der anderen Seite des Tisches“ mit Einnahmen von Privatpatienten auch profitiert haben, hilft in diesem Zusammenhang jetzt nicht weiter.

Warum betrifft die Problematik überdurchschnittlich oft die Ärztin/Arztgattin:

  • Durch die Kindererziehungszeiten haben Sie ggfs. nur einen Bruchteil in die Versorgungswerke oder die Gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt
  • Falls Sie in „Wilder Ehe“ leben, wird dies weder durch einen Versorgungsausgleich bei Scheidung noch durch eine Witwenrente kompensiert (siehe künftige Artikel)
  • Bei den alten Bisex-Tarifen zahlen Sie als Frau dagegen höhere PKV-Beiträge
  • Trotz Teilzeiteinkünften konnten Sie sich als Freiberufliche Ärztin privat versichern

Zukunftsangst ist ein schlechter Berater – was kann Ihnen weiterhelfen?

Lassen Sie sich seriös beraten, ob / in wieweit Sie betroffen sind und welche Handlungsoptionen für Sie bestehen, z.B.:

  1. Falls das Zeitfenster bis Alter 55 noch offen ist: Prüfen Sie einen Umstieg in die Gesetzliche Krankenversicherung. Im fortgeschrittenen Alter wäre dies eine „Einbahnstraße“ – bitte bedenken Sie deshalb Ihren Gesundheitszustand, eventuelle Zusatztarife und die damit verbundenen Fristen, um nicht vom Regen in die Traufe zu kommen.
  2. Informieren Sie sich über die Sozialtarife Ihres Privaten Krankenversicherers.
  3. Lassen Sie sich zu Tarifalternativen bei Ihrem Privaten Krankenversicherer beraten – vorzugsweise von einem unabhängigen Versicherungsmakler, der Ihr Dilemma nicht zu seinem Geschäftsmodell gemacht hat:
    • Die Wahl von Selbstbehalt und oder Kernleistungen statt Vollkasko können oft schon viel Erleichterung bringen.
    • Hängen Sie hartnäckig an den bisher angesammelten Alterungsrückstellungen; ggfs. bringt hier der politische Druck auf die Krankenversicherer eine Lösung für den Transfer zu anderen Versicherern.
  4. Überprüfen Sie Ihren finanziellen Spielraum bis Alter 100.

Da die ersten drei Handlungsoptionen sehr individuell ausgestaltet sind, erübrigt sich ein Ratschlag in Form von Allgemeinplätzen.

Bei der vierten Handlungsoption kann ich ein wenig aus dem Nähkästchen eines Finanzplaners plaudern und verweise dabei auch auf die Ausführungen meines Kollegen Herrn Martin Kütt. (Ruhestand – Was müssen Sie tun, damit er „rockt“)

Weil früher alles einfacher war (ich finde, das stimmt an dieser Stelle), ist die Frage durchaus berechtigt, warum sich die (Vor-)Ruhestandsplanung heute nicht wie früher „auf dem Bierdeckel“ abschätzen lässt:

  • Eine punktuelle Betrachtung, z.B. im Alter 63, hilft hier nicht weiter, da die (zu erhoffenden) Rentensteigerungen nicht die Steigerung der Lebenshaltungskosten durch Inflation und PKV-Beitrag kompensieren.
  • Finanzlaien (und nur ratende statt beratende Finanzberater) sind nach meiner Beobachtung regelmäßig überfordert, Liquiditätsströme, Anlagerenditen, Inflation, Sicherheitspuffer und Steuer unter einen Hut zu bringen.
  • Dies gilt insbesondere in der Kombination von Vorruhestand (Abschlag auf die Rente) und Kohorten-Besteuerung, d.h. unterschiedliche Steuersätze je nach Rentenbeginn bis zum Lebensende seit dem 01.01.2005.
  • Da die Krankenversicherung bis zum Ende läuft, muss deren Finanzierung bzw. Erwirtschaftung von Erträgen dafür auch gesichert sein, wenn Sie sich nicht mehr persönlich darum kümmern können.
  • Mit der Niedrigzinsphase (gab es schon mal) und den exzessiven Zentralbanken-Interventionen (gab es so noch nicht, ist also ein Laborversuch der Ökonomen im Spannungsfeld der Politik) hat sich ein Paradigmenwechsel der Definition von Sicherheit ergeben:
    • Es gibt keinen „risikolosen Zins“ mehr
    • Was in den letzten 50 Jahren – u.a. vom Gesetzgeber – als mündelsichere Anlageform zum Schutz des unbedarften Anlegers definiert wurde, führt zum Teil-/Totalverlust bei einem Schulden-/Währungsschnitt. Blaupause siehe Griechenland!
      Wer sich hier die Geschichte zu Gemüte führt, kann erkennen, dass beim sogenannten „Haircut“, also der Aufkündigung von Zahlungsversprechen, insbesondere die deutschen Rentner betroffen waren.
    • Auch wenn sich Politiker naturgemäß gerade schwer tun, die Sicherheit von deutschen Staatsanleihen zu relativieren: Danièle Nouy, oberste Bankenaufseherin des Euroraums drückte den Wandel in ihrem Interview vom 28.01.2015 mit dem HANDELSBLATT so aus: „In der Krise hat sich gezeigt, dass es keine risikofreien Aktiva gibt“. Nach der Krise ist also vor der Krise…
    • In den Fokus einer schon immer sinnvoll gewesenen Diversifizierung rücken zwangsweise „Real Assets“, d.h. Substanzwerte wie Immobilien, Aktien und physisches Gold – mit der damit verbundenen Schwankungsproblematik für den auf regelmäßige Erträge angewiesenen Anleger.
    • Wermutstropfen: Mit Immobilien ist hier regelmäßig leider nicht das eher luxus- und weniger ertragsorientierte Eigenheim gemeint.

Fazit:

Raffen Sie sich auf zu dem, was Sie täglich von Ihren Patienten verlangen:
Rechtzeitig zur Vorsorge beim Facharzt für Finanzen und damit Klarheit finden und Handlungsoptionen erkennen für Ihren Weg zwischen Skylla und Charybdis.
Das Operationalisieren erhöht auf jeden Fall die Lebensqualität, weil Sie die diffuse Angst verlieren!

Der heutige Artikel ist der Beginn einer Miniserie an dieser Stelle mit Schwerpunkt auf den Belangen der Ärztin bzw. Arztfrau. Die nächsten Themen sind „Die Ärztin/Arztgattin und ihr Langlebigkeitsrisiko“ sowie „Die Ärztin/Arztgattin und ihr Lebensabschnittsgefährte“.

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Markus Weywara

Markus Weywara

Herr Weywara hat sich nach seinem Studium zum Wirtschaftsingenieur mit zwei Aufbaustudiengängen zum Certified Financial Planner (CFP®) und Certified Foundation and Estate Planner (CFEP®) in der Beratung von Heilberufen und vermögenden Privatkunden spezialisiert.

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