Für den Notfall vorsorgen

Die Berufsunfähigkeitsversicherung – Vollkasko für das Arzt-Einkommen

Auch Ärzte kann es treffen: Nach einer schweren Krankheit oder einem Unfall sind sie plötzlich berufsunfähig. Oft bleibt finanziell nur noch das Existenzminimum übrig. Wer auch in der Notlage der Berufsunfähigkeit über ein halbwegs gutes Einkommen verfügen will, der kommt um eine private Berufsunfähigkeitsversicherung nicht herum.

Sein Fahrzeug zu versichern gegen jedwede Eventualität scheint ganz normal zu sein. Wehe, man bleibt mal auf einem Marderbissschaden von wenigen Hundert Euro sitzen! Daher ist es fast schon lebensnotwendig, dass das eigene Fahrzeug bestens abgesichert ist. Und das ist auch richtig so. Denn schließlich hat man dafür sehr hart gearbeitet. Vielleicht sogar dafür Familie und Freizeit geopfert. Und auch der andere Teil des Lebensstandards will finanziert sein. Urlaub, Eigenheim, die Ausbildung der Kinder oder die verschiedenen Hobbys. Eben all das, was das Leben lebenswert und angenehm macht.

Umso härter trifft einen dann das Schicksal, wenn man sich plötzlich diese Dinge nicht mehr leisten kann, weil man seinen Beruf aufgrund Krankheit nicht mehr ausüben kann. In der ersten Zeit bekommt man noch das Krankengeld, zumindest als angestellter Arzt. Doch auch hier tun sich schon die ersten Einkommenslücken auf. Und der/die selbstständige Mediziner mit der eigenen Praxis? Wenn der nicht richtig vorgesorgt hat, dann gerät er (oder sie) ganz schnell in ein finanzielles Desaster. Umso wichtiger erscheint hier die zusätzliche Absicherung mit einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung. Denn im Laufe eines Berufslebens geht es schnell um Einkommensbeträge in Millionenhöhe, die dann plötzlich fehlen.

Aber wann ist man eigentlich berufsunfähig?

Vollständige Berufsunfähigkeit liegt danach vor, wenn der zuletzt ausgeübte Beruf infolge einer Krankheit, aber auch durch eine zu Ihrem Nachteil erlittene Körperverletzung oder durch überdurchschnittlichen, nicht dem Alter entsprechenden Kräfteverfalls den überwiegenden Versicherungsverträgen nach zu mindestens 50 % nicht mehr ausgeübt werden kann. Beurteilt wird das von Ärzten bzw. Gutachtern. Allerdings sind die Versicherer nicht unbedingt gewillt, schnell zu zahlen. Wenn jemand beispielsweise mit Mitte 40 berufsunfähig wird und eine Rente von 1500 Euro vereinbart hat, kommen bis zur Rente weit über 300.000 Euro zusammen. Jeder Versicherungsfall ist also ein Großschaden, der entsprechend geprüft wird. Deshalb rät man den Kunden manchmal, zusätzlich zur BU-Police auch noch eine Rechtsschutzversicherung anzuschließen. Viele Schadensfälle gehen zwar glatt durch. Es kommt aber immer wieder vor, dass der Versicherer mauert.

Und ab wann sollte man sich versichern?

Am besten so früh als möglich. Perfekt ist es natürlich, wenn verantwortungsbewusste Eltern schon an ihre Kinder denken. Denn können diese durch Unfall oder Krankheit erst gar keinen Beruf erlernen, so hätten diese keinerlei Anspruch auf finanzielle Hilfe. Und ansonsten gilt: Am besten sofort! Solange man noch jung und gesund ist, erhält man den gewünschten Versicherungsschutz in der Regel uneingeschränkt. Denn schon jeder fünfte leidet im Studium unter Depressionen, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind. Da ist der Gang zum Psychotherapeuten schnell gemacht. Doch schon eine Sitzung kann die Annahme bei einer Versicherung erschweren oder gar unmöglich machen. Deswegen hier nochmal der Rat, sich frühzeitig um die notwendige Absicherung kümmern. Und kommen später dann die ersten Krankheiten oder Allergien, wird es noch schwerer, eine Versicherung zu finden. Man kann dann zwar einzelne Krankheiten ausschließen, um einen bezahlbaren Vertrag zu bekommen. Aber eigentlich will man das ja gerade nicht. Gerade Ärzte müssen hier sehr vorsichtig sein, da sie berufsbedingt z.B. schon einem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt sind.

Welche Alternativen gibt es sonst noch?

Neben der Erwerbsunfähigkeitsversicherung gibt es beispielsweise noch die Dread-Disease-Police. Sie versichert nicht alle, sondern nur bestimmte Krankheiten, die zur Berufsunfähigkeit führen können. Wenn die dann tatsächlich eintreten, zahlt die Versicherung auch ohne Konflikte. Viele Menschen glauben auch, die private Unfallversicherung sei eine gute Alternative. Das stimmt aber nicht, denn in 90 Prozent der Fälle sind es Krankheiten und keine Unfälle, die zur Berufsunfähigkeit führen. Außerdem gibt es hier in der Regel keine Rente, sondern eine Einmalzahlung, die dann im Ernstfall viele Jahre reichen müsste.

Wie kommt man zum richtigen Versicherungsschutz?

Zunächst muss man feststellen, dass jeder Fall individuell betrachtet werden muss. Denn der richtige Versicherungsschutz hängt von vielen Faktoren ab. Wie alt ist man? Welcher Beruf wird ausgeübt? Muss Familie versorgt werden? Steht noch Erspartes zur Verfügung? Gibt es einen gesetzlichen Rentenspruch? Wie hoch ist der monatliche Finanzbedarf? All diese Fragen bespricht man am besten mit einem unabhängigen Versicherungsmakler. Der hat in der Regel auch eine Checkliste, mit der geprüft werden kann, welche wichtigen Voraussetzungen und Bedingungen eine bestimmte Versicherungsgesellschaft hat.

Weitere Beiträge zum Thema:

Welche Besonderheiten bei einer privaten Berufsunfähigkeitspolice für Ärzte zu beachten sind, erfahen Sie in unserem Beitrag “Die größten Irrtümer über Berufsunfähigkeitsversicherungen”.

Der Autor: Der Autor Volker Gernert ist Versicherungsfachmann (IHK) und Experte Betriebliche Altersvorsorge (DMA) ist bei der BAZ Beratungsgemeinschaft für Ärzte und Zahnärzte GmbH, Hauptverwaltung Würzburg, beratend tätig. Volker Gernert berät Angehörige der Heilberufe und vermögende Privatkunden hauptsächlich im Bereich Vorsorge und Vermögen. Kontakt und weitere Informationen:
E-Mail: volker.gernert@baz.de

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Author's imageIlias TsimpoulisManaging Director bei Doctolib

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